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Vorstoß gegen "Komasaufen"
Kinder saufen, Eltern sollen zahlen
Eltern von jugendlichen Rauschtrinkern sollen nach dem Willen des CDU-Gesundheitsexperten Jens Spahn eine Gebühr für den Krankenhausaufenthalt ihrer Kinder zahlen. "Man sollte die Eltern pauschal mit 100 Euro an den Behandlungskosten beteiligen, um sie an ihre Verantwortung zu erinnern", sagte Spahn der "Rheinischen Post".
Die stark steigende Zahl jugendlicher "Komatrinker", die in deutsche Krankenhäuser eingeliefert werden, sei nicht hinnehmbar, kritisierte Spahn. Nach seinen Vorstellungen könnte das Geld direkt an die Krankenkassen gezahlt werden.
Kritik von den Oppositionsparteien
Der drogenpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Harald Terpe, reagierte mit Spott auf den Vorstoß. Spahns Vorschlag sei "offensichtlich dem Karnevalsrausch geschuldet", erklärte er. Die schwarz-gelbe Koalition wolle davon ablenken, dass sie beim Thema Alkoholprävention aus Rücksicht auf die Industrie praktisch nichts unternommen habe, kritisierte Terpe.
Auch die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens lehnte den Vorschlag ab. Verhaltensänderungen können nicht über Strafzahlungen erreicht werden. "Wir brauchen Prävention so früh wie möglich, Aufklärung und aufsuchende Hilfen, aber keine Strafzahlungen", erklärte sie.
Auch die SPD zeigte wenig Verständnis für den Vorstoß aus der Union. Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Aydan Özoguz sprach von "plakativen Forderungen" aus der Union. Nötig seien vielmehr die konsequente Anwendung aller Jugendschutzgesetze wie flächendeckende Ausweiskontrollen und mehr Prävention.
Alkoholmissbrauch nimmt zu
Laut dem Statistischen Bundesamt ist der Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland wieder auf dem Vormarsch. Anfang Februar veröffentlichte die Behörde Daten, laut denen 26.349 Jungen und Mädchen im Alter von zehn bis 19 Jahren 2011 wegen akuten Alkoholmissbrauchs stationär in einem Krankenhaus behandelt. Das waren 354 mehr als 2010 - aber 79 weniger als 2009.
Bezogen auf 100.000 Einwohner hat die Zahl der jugendlichen Komasäufer seit Beginn der Statistik im Jahr 2000 ständig zu genommen und erreichte mit 325 je 100.000 Einwohner im Jahr 2011 den Spitzenwert. Fast zwei Drittel der Patienten waren Jungen und junge Männer.
"Komasaufen": Spahn will Eltern zur Kasse bitten
S. Ueberbach, ARD Berlin
13.02.2013 10:20 Uhr
Stand: 13.02.2013 15:16 Uhr
