Zollbeamte breiten sichergestelltes Kokain auf einem Tisch aus. | Bildquelle: dpa

Rekordzahlen in Deutschland Die Kokainschwemme

Stand: 27.12.2017 06:15 Uhr

Der Zoll und die Polizei in Deutschland haben in diesem Jahr so viel Kokain sichergestellt wie nie zuvor. Auch weltweit wird nach Informationen des NDR immer mehr Kokain beschlagnahmt. Das BKA vermutet hinter der Kokainschwemme eine Strategie der südamerikanischen Drogenkartelle.

Von Christoph Heinzle, Lena Gürtler, Benedikt Strunz, NDR

Es ist ein unscheinbarer Kellerraum, irgendwo in Norddeutschland. Stephan Meyns schließt zwei schwere Metalltüren auf. Dahinter stapeln sich massenhaft blaue Plastikkisten, sogenannte Asservaten - Kisten voll mit Kokain. Insgesamt liegt in dem Raum gut eine Tonne der Droge. Sie wurde sichergestellt bei einer einzigen Kontrolle.

Vor einiger Zeit noch wurden solche Mengen bundesweit in einem ganzen Jahr gefunden. "Für uns als Zoll in Deutschland ist dieses Jahr herausragend, im negativen Sinne. Die Zahlen sind exorbitant hoch", sagt der Zollfahnder. Nach Angaben des Bundeskriminalamtes wurden 2017 knapp sieben Tonnen Kokain in Deutschland beschlagnahmt, das meiste davon in Hamburg und Bremerhaven. Im Jahr 2016 war es lediglich etwas mehr als eine Tonne.

Zoll und Polizei stellen soviel Kokain wie nie zuvor in Deutschland sicher
tagesschau 17:00 Uhr, 27.12.2017, Benedikt Strunz/Anna Mundt, NDR

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Weltweit mehr Sicherstellungen

Diese Zahlen verdeutlichen für Polizei und Zoll ein echtes Problem. Natürlich würde er gerne sagen, dass die enormen Kokainmengen, die der Zoll in diesem Jahr beschlagnahmt hat, an einer verbesserten Arbeitsmethodik liege, erklärt René Matschke, Leiter der Zollfahndung Hamburg. "Aber das Angebot in Südamerika hat sich erhöht, das heißt wir haben eine Kokainschwemme."

Kokainfund im November 2017 in einer Obst- und Gemüsegroßhandlung im Landkreis Heilbronn in Bananenkisten aus Ecuador | Bildquelle: dpa
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Kokainfund in Bananenkisten aus Ecuador im November 2017 in einer Obst- und Gemüsegroßhandlung im Landkreis Heilbronn.

Und diese Schwemme zeigt sich nicht nur in Europa und in Deutschland. Nach Zahlen einer internen Auswertung des BKA, die dem NDR vorliegen, verdoppelten sich auch die weltweiten Sicherstellungen größerer Kokainmengen seit 2012. Die Ermittler rechnen damit, dass 2017 dabei das bisherige Rekordjahr 2016 übertreffen wird, wenn die endgültigen Zahlen vorliegen. Das BKA führt den Boom zum Einen darauf zurück, dass sich die Kokainbauflächen, vor allem in Kolumbien, stark ausgeweitet haben. Zum Anderen sei es den südamerikanischen Kartellen inzwischen gelungen, die Kokapflanzen, die den Grundstoff der Droge liefern, effizienter zu nutzen.

Kokain droht zur Alltagsdroge zu werden

Kokain ist längst keine Droge mehr, die allein besonders wohlhabenden Konsumenten vorbehalten ist. In Großstädten wie Hamburg oder Berlin ist das weiße Pulver problemlos auf der Straße zu kaufen. Vielerorts können Konsumenten über so genannte Kokain-Taxis die Droge bequem nach Hause bestellen, geschnupft wird von Studenten, Rechtsanwälten und Bauarbeitern. Zwar liegt derzeit keine aktuelle Statistik vor, die zeigt, wie sich der Kokainkonsum in den vergangen beiden Jahren in Deutschland entwickelt hat. Es scheint aber so, als sei dieser bisher stabil.

Das BKA vermutet hinter der Kokainschwemme eine Strategie der Kartelle. "Offensichtlich verfahren die Täter nach dem Motto 'Angebot schafft Nachfrage'", so der Leiter der Bekämpfung Rauschgiftkriminalität, Christian Hoppe. Derzeit sei es zwar noch zu früh, zu bewerten, ob sich Kokain mittelfristig zur "Alltagsdroge" entwickeln könnte. Aus Sicht des BKA sprechen aber einige Indizien für diese These.

Kokainmarkt im Hand von Kartellen und Mafia-Clans

Für die Fahnder ist der internationale Kokainschmuggel besonders schwer zu durchdringen. Die wirklich großen Kokainmengen werden dabei vor allem über Schiffe geschmuggelt. Oftmals werden Pakete mit der Droge einfach in Containern abgestellt. Im Zielhafen, wie etwa Hamburg, sorgen dann mitunter bestochene Hafenmitarbeiter dafür, die illegale Fracht zu entladen. Die europäische Polizeibehörde Europol geht davon aus, dass diese Art des Schmuggels insbesondere von Westbalkan-Kartellen und von der italienischen Mafia - hier vor allem von der N´drangheta - organisiert wird.

Die Täter gehen dabei höchst arbeitsteilig und konspirativ vor. Großlieferungen werden in der Regel mit GPS-Sendern ausgestattet. Finanzierung, Transport, Verarbeitung und Verkauf der Droge liegen dabei in unterschiedlichen Händen. Oftmals ziehen sich Ermittlungen gegen die Hintermänner über Jahre. Das BKA erklärte dazu im Interview mit dem NDR, dass die Strafverfolgung hierbei nur eine Säule im Kampf gegen das Kokain sei. Genauso wichtig sei es, Präventions- und Beratungsangebote zu stärken.

Kokain-Rekordjahr 2017
Benedikt Strunz, NDR
27.12.2017 10:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 27. Dezember 2017 um 06:22 Uhr.

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