Köln Hauptbahnhof | Bildquelle: dpa

Offener Brief nach Silvester-Übergriffen "Kölner Botschaft" gegen Gewalt

Stand: 21.01.2016 20:00 Uhr

Mit einem offen Brief wollen Prominente aus Köln einen Zeichen gegen sexuelle Gewalt setzen. Der Text wird in allen großen NRW-Zeitungen abgedruckt. Die Initiatoren fordern ein sachliche Debatte über die Übergriffe der Silvesternacht - und machen den Behörden Vorwürfe.

Die großen Tageszeitungen in Köln, Bonn und Düsseldorf veröffentlichen am Freitag einen gemeinsamen Aufruf von Prominenten zu den Übergriffen in der Silvesternacht von Köln. In dem offenen Brief sprechen sich unter anderem der Schriftsteller Navid Kermani, Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki und die Schauspielerin Mariele Millowitsch gegen sexuelle Gewalt aus.

Kölner Prominente verfassen offenen Brief gegen Gewalt
tagesschau24 10:00 Uhr, 22.01.2016, Antraud Cordes-Stehle, WDR

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"Es schien uns wichtig, die Probleme zu benennen, die in der Silvesternacht so dramatisch in unserer Stadt zutage getreten sind, und zugleich die Debatte zu versachlichen. Wir alle nehmen eine starke Polarisierung in der Gesellschaft wahr", begründet der diesjährige Träger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels, Kermani, die Initiative.

Folgende vier Punkte sind den Initiatoren besonders wichtig : Sie sprechen sich gegen das Tolerieren von sexueller Gewalt aus, für einen starken Rechtsstaat im Kampf gegen Bandenkriminalität, für personelle Konsequenzen nach dem polizeilichen Versagen an Silvester und für ein gastfreundliches Land, aber eine kontrollierte Zuwanderung aus.

Keine Toleranz für Gewalt

"Kölner Stadt-Anzeiger", "Kölnische Rundschau", Bonner "General-Anzeiger", "Rheinische Post" und "EXPRESS" werden den Text komplett abdrucken. Es sei gerade jetzt wichtig "an das Gemeinsame zu erinnern", heißt es dann. Dringend müsse die gesellschaftliche Debatte versachlicht werden. Die Prominenten wenden zuerst den Blick auf die Opfer von der Silvesternacht, sexuelle Gewalt, ganz gleich von wem verübt, dürfe nicht toleriert werden. Gleichzeitig kritisieren sie auch das Verhalten der Behörden und fordern einen "entschiedenen Rechtsstaat".

Kölner Erklärung
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Kölner Erklärung im Kölner Stadtanzeiger

Die Polizei habe die Silvesternacht "grotesk falsch eingeschätzt". In der Folge hätten Vertreter der unterschiedlichen Behörden die Bevölkerung widersprüchlich und teilweise wahrheitswidrig über die Ereignisse unterrichtet, sich gegenseitig beschuldigt und mit absurden Argumenten zu verteidigen versucht.

Sorge um Europa

In dem Brief sprechen sich die Prominenten auch gegen Fremdenfeindlichkeit aus: "Wir sind stolz, dass der ganz überwiegende Teil Deutschlands die Flüchtlinge im Herbst freundlich und hilfsbereit empfangen hat." Die Gesellschaft sei dieser Herausforderung gewachsen, aber die "unkontrollierte Zuwanderung solchen Ausmaßes" könne nicht von Dauer sein, heißt es in dem Brief weiter

Eine Lösung könne nicht eindimensional mit Höchstgrenzen oder der Schließung der Grenze funktionieren. "Daher gilt unsere Sorge heute nicht so sehr Deutschland als vielmehr Europa, das durch den neu aufflammenden Nationalismus seine Seele zu verlieren droht."

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