Silvester in Köln | Bildquelle: dpa

Neue Zahlen der Polizei Zahl der Strafanzeigen steigt drastisch

Stand: 09.01.2016 17:46 Uhr

Die Anzeigen zu den dramatischen Vorfällen während der Silvesternacht in Köln sind drastisch gestiegen. Das teilte die Polizei mit. Bei der Suche nach den Tätern hat sie vor allem Asylsuchende und illegale Einwanderer im Blick, die aus nordafrikanischen Ländern stammen sollen.

Die Zahl der Strafanzeigen nach den Geschehnissen in der Kölner Silvesternacht hat sich drastisch erhöht. Sie liege inzwischen bei 379, teilte die Polizei mit. In etwa 40 Prozent der Fälle soll es zu sexuellen Übergriffen gekommen sein. Zuletzt war die Zahl der Anzeigen mit rund 170 angegeben worden.

Im Fokus der Ermittlungen stehen nach Polizeiangaben größtenteils Männer, die aus nordafrikanischen Ländern stammen. Bei den meisten von ihnen handele es sich um Asylsuchende - und Personen, die sich illegal in Deutschland aufhalten. Es müsse aber noch ermittelt werden, ob sie mit konkreten Straftaten in Verbindung gebracht werden können.

Frauen durchliefen "Spießrutenlauf"

In der Silvesternacht hatten sich nach Polizeiangaben kleinere Gruppen am Kölnder Hauptbahnhof aus einer Menge von rund 1000 Männern gelöst und vor allem Frauen umzingelt, begrapscht und bestohlen. In einem Bericht eines leitenden Polizeibeamten heißt es: "Frauen mit Begleitung und ohne durchliefen einen im wahrsten Sinne 'Spießrutenlauf' durch die stark alkoholisierten Männermassen, wie man es nicht beschreiben kann."

Nach Angaben des Bundespolizisten war die Polizei frühzeitig über Ausmaß und Dramatik der Übergriffe informiert. Viele weinende und schockierte Frauen und Mädchen hätten den Beamten von sexuellen Übergriffen berichtet.

Polizeipräsident muss gehen

In den Tagen nach den Ereignissen geriet der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers wegen der chaotischen Zustände in der Nacht zunehmend unter Druck. Ihm wurde vorgeworfen, die Öffentlichkeit nach den Übergriffen nicht rechtzeitig informiert zu haben und Informationen unter anderem über die Herkunft der Verdächtigen zurückgehalten zu haben.

Am Freitag wurde Albers schließlich vom NRW-Innenministerium in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Bis zuletzt hatte er sich gegen seinen Rücktritt gewehrt und den Vorwurf der Vertuschung zurückgewiesen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 9. Januar 2016 um 20:00 Uhr.

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