Polizei am Rande der Pegida-Demonstration in Köln | Bildquelle: REUTERS

Krawalle bei "Pegida"-Demo in Köln Kaum gestartet - schon aufgelöst

Stand: 09.01.2016 19:43 Uhr

Für die Polizei war klar: Die "Pegida"-Kundgebung in Köln durfte kein Desaster werden wie die Silvesternacht. Und tatsächlich: Die Polizisten hatten die Lage besser im Griff. Nach den ersten Krawallen gleich zu Beginn lösten sie den Demonstrationszug auf.

Von Demian von Osten, WDR

Bierflaschen fliegen in hohem Bogen Richtung Polizisten. Es ist kurz vor 16.30 Uhr, gerade hat die Polizei die von der islamfeindlichen "Pegida NRW" angemeldete Demonstration aufgelöst. Grund: Immer wieder hatten Teilnehmer Flaschen und Böller auf Polizisten geworfen.

Ende einer bundesweit viel beachteten Kundgebung, der ersten großen rechten Demonstration nach den sexuellen Übergriffen in der Kölner Silvesternacht.

Aufgeheizte Lage bei Demonstrationen in Köln
tagesthemen 23:30 Uhr, 09.01.2016, Gudrun Engel, WDR

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Es beginnt mit einem Flashmob

Ein enormer Polizeiaufwand mit mehr als 1700 Beamten sollte drei verschiedene Veranstaltungen am Samstag in Köln schützen. Begonnen hatte alles sehr friedlich - mit einer als Flashmob angekündigten Aktion: 12.00 Uhr, vom Dom hallt lauter Krach wider. Holz-Kochlöffel werden auf Metalltöpfe geschlagen, unzählige Trillerpfeifen und kleine, aber laute Trommeln. Hunderte Menschen, vor allem Frauen, stehen auf der Treppe zum Kölner Dom mit Blick auf den Hauptbahnhof. Es ist eine bunte Versammlung, manche sindverkleidet, viele mit bunten Flaggen.

Sie rufen Parolen gegen sexuelle Gewalt an Frauen. "Frauen überall und zu jeder Zeit”, steht auf Transparenten. Das ist ihr Wunsch - doch die Ereignisse in der Silvesternacht haben sie schockiert. Eine Gruppe Frauen stimmt deshalb einen kölschen Karnevalsklassiker an: "Mir lossen uns nit dran fummele. Mir lossen keiner dran." Eine Frau, die selber eine Tochter hat, wünscht sich mehr Sicherheit am Bahnhof für junge Frauen. Aber: “Ich finde es eine Unverschämtheit, das Feld Pegida, AfD et cetera zu überlassen”, sagt sie. Das ist das Ziel aller hier.

Demonstration gegen Gewalt gegen Frauen und Sexismus in Köln | Bildquelle: AFP
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Demonstration gegen Gewalt gegen Frauen und Sexismus vor dem Kölner Dom.

Demonstration in Köln (Quelle: Demian von Osten/WDR)
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Die Kundgebung richtete sich aber auch gegen "Pegida".

Am selben Ort wie "Hogesa"

Die ersten Anhänger von "Pegida" kommen derweil auf der anderen Seite des Hauptbahnhofs an. Der Platz hinter dem Bahnhof ist genau der Ort, an dem es bei der "Hogesa"-Demonstration von Hooligans und Rechtsextremen vor anderthalb Jahren schwere Straßenschlachten gab. Am Ende gab es 50 verletzte Polizisten und ein Polizeiauto lag auf der Seite. So etwas soll sich heute nicht wiederholen.

Durch den nördlichen Ausgang des Hauptbahnhofs werden "Pegida"-Anhänger geführt, durch den südlichen die Gegendemonstranten. So trennen mehr als 2000 Polizisten die beiden Gruppen. “Wir rechnen mit mindestens 1000 Demonstranten auf jeder Seite”, sagt ein Polizeisprecher vor Beginn der Gegendemo. “Aber wir wären auch auf mehr vorbereitet.”

"Möchte mich nicht von Rechten beschützen lassen"

13.00 Uhr: Der Gegendemo fehlen noch einige Ordner, doch dann geht es los. Vertreter von Frauenrechtsgruppen verurteilen auf einem zur Rednerbühne umgebauten alten LKW, was in der Silvesternacht passiert ist. Etwa 1300 Gegendemonstranten sind da, viele Mitglieder linker Gruppen, und sie wettern gegen "die Nazis".

Eine Frau Mitte 40 steht in der ersten Reihe: “Ich möchte mich nicht von den Rechten beschützen lassen! Die sind noch nie für Frauenrechte eingetreten.” Immer wieder werden die Reden unterbrochen. Laute "Nazis raus"-Rufe - jedes Mal, wenn Menschen zur "Pegida"-Demonstration unterwegs sind.

"Pegida"-Demonstration in Köln | Bildquelle: REUTERS
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Die Polizei setzte gegen die "Pegida"-Demo auch einen Wasserwerfer ein.

"Silvester war der Auslöser"

Bei "Pegida" zählt die Polizei 1700 Menschen, etwas mehr als bei der Gegendemo. Junge und alte Menschen fühlen sich von „Pegida“ angezogen, viele von ihnen im Hooligan-Look. Die Polizei bestätigt: Mehrere Hundert Hooligans seien darunter, auch 450 rechte Demonstranten aus dem Ruhrgebiet.

Doch es gibt auch andere Teilnehmer: “Ich habe lange überlegt, ob ich hierher gehe,” sagt zum Beispiel ein Familienvater um die 40. Er kommt aus Köln: “Silvester war der Auslöser.” Es gebe keine Sicherheit mehr in Deutschland und die aktuelle Regierung bekomme das wohl nicht in den Griff. Deswegen sei er hier. “Aber es ist schon ganz schön extrem, mit der ganzen Polizei, mit den aggressiven Gegendemonstranten da drüben. Das ist schon heftig!”

An Jacken-Aufdrucken lässt sich erkennen, dass die Teilnehmer der "Pegida"-Demonstration aus ganz Nordrhein-Westfalen angereist sind: Duisburg, Dortmund steht da. Sie schwenken Deutschlandflaggen und die sogenannte Wirmer-Flagge mit einem schwarzen, gelb umrandeten Kreuz auf rotem Grund - eine Fahne, die seit einigen Jahren von rechtsextremen Gruppen verwendet wird.

Ein älterer Mann hält ein Pappschild in die Höhe “Merkel ist schuld!", steht darauf. Er erklärt: “Die lässt die Grenzen offen und deshalb ist sie die eigentliche Verursacherin." "Ich kämpfe für meine Enkelinnen”, sagt er. "Ich bin vier Mal überfallen worden, es waren immer Ausländer."

Teilnehmer der "Pegida"-Demo in Köln (Quelle: Demian von Osten/WDR)
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Die Polizei zählte bei "Pegida" 1700 Teilnehmer - ...

"Pegida"-Demonstration in Köln | Bildquelle: REUTERS
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... diese wollten eigentlich durch die Stadt laufen.

Kaum gestartet, schon fliegen die Flaschen

Irgendwann setzt sich der „Pegida“-Demonstrationszug in Bewegung. Sie wollen eigentlich auf einer Route durch die Stadt marschieren. Doch schon nach wenigen hundert Metern passiert es: Bierflaschen, Böller und Steine fliegen Richtung Polizisten. Ein Polizist und ein Journalist werden verletzt.

Kurz danach löst die Polizei die Demonstration auf, geleitet die „Pegida“-Anhänger sehr schnell zurück zum Bahnhof. Einmal setzt sie dabei Wasserwerfer und Pfefferspray ein. Einige "Pegida"-Anhänger reagieren, noch einmal fliegen Flaschen. Dann gibt der Redner die Auflösung der Veranstaltung bekannt. "Wir sind einen kleinen Schritt zurückgeworfen worden, aber wir werden es nach Berlin schaffen!", schreit er ins Megafon.

Von der anderen Seite der Polizeiblockade kommt prompt die Antwort in gegrölten Sprechchören: "Ihr könnt nach Hause gehen, ihr könnt nach Hause gehen."

Korrespondent

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Demian von Osten, WDR

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