Demonstration gegen Erdogan in Köln | Bildquelle: dpa

Aufruf der alevitischen Gemeinde in Köln Zehntausende demonstrieren gegen Erdogan

Stand: 22.06.2013 16:09 Uhr

Bis zu 40.000 Menschen haben in Köln gegen den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan demonstriert. Redner forderten seinen Rücktritt und sofortige Neuwahlen. Die Kölner Polizei sprach von einem "erfreulich friedlichen Verlauf" der Kundgebung. Die Demonstranten, die aus ganz Deutschland und auch anderen europäischen Ländern angereist waren, hielten unter anderem eine Schweigeminute ab "für alle, die ihr Leben für Freiheit und Demokratie geopfert haben".

Organisiert wurde die Protestveranstaltung von der Alevitischen Gemeinde Deutschland, die nach eigenen Angaben ein Zeichen für Menschenrechte, Demokratie und Toleranz in der Türkei setzen will. Die Kundgebung stand unter dem Motto "Überall ist Taksim". An der geplanten Bebauung des Gezi-Parks am Taksim-Platz in Istanbul hatten sich die Proteste entzündet und breiteten sich dann über das ganze Land aus. Wegen des brutalen Vorgehens der türkischen Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten steht Erdogans islamisch-konservative Regierung inzwischen international in der Kritik. Bislang wurden mehrere Menschen getötet und mehr als 7500 verletzt.

Westerwelle und Davutoglu um Schadensbegrenzung bemüht

Außenminister Westerwelle und sein türkischer Amtskollege Davutoglu. | Bildquelle: dpa
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Am Rand der Syrien-Konferenz in Doha traf sich Außenminister Westerwelle mit seinem türkischen Amtskollegen Davutoglu.

Im Streit über die gewaltsamen Polizeieinsätze bemühten sich Außenminister Guido Westerwelle und sein türkischer Amtskollege Ahmet Davutoglu nun um Schadensbegrenzung. Beide trafen in Doha zusammen. Das Gespräch sei "in konstruktiver und freundschaftlicher Atmosphäre" verlaufen, erklärte anschließend das Auswärtige Amt in Berlin. Die Minister hätten einen "intensiven Meinungsaustausch im Geiste von Partnern und Freunden gehabt, darunter auch zu "aktuellen Fragen der Beziehungen" zwischen der EU und der Türkei.

Bagis droht Merkel

Gestern war bekannt geworden, dass die EU voraussichtlich nicht wie geplant am kommenden Mittwoch ein neues Kapitel in den Beitrittsverhandlungen mit der Türkei eröffnen werde. Auch Kanzlerin Angela Merkel unterstützte dieses Vorgehen. Der türkische Europaminister Egemen Bagis forderte Merkel daraufhin auf, ihren "Fehler zu verbessern", anderenfalls werde das Folgen haben. Nach Angaben aus dem Auswärtigen Amt sagte Bagis sinngemäß, Merkel solle wissen, dass diejenigen, die sich mit der Türkei anlegten, "kein gutes Ende" nähmen. Daraufhin hatte das Auswärtige Amt den türkischen Botschafter einbestellt. Im Gegenzug bestellte das türkische Außenministerium den deutschen Botschafter Eberhard Pohl ein.

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