Der Flughafen Köln-Bonn | Bildquelle: dpa

Verdacht der Untreue Ermittlungen gegen Kölner Airportchef

Stand: 14.11.2017 22:17 Uhr

Zweifelhafte Rechnungen, unangemessene Mietverträge, ungewöhnlich viele Freistellungen von Mitarbeitern: Der Chef des Flughafens Köln-Bonn soll seine Pflichten über Jahre verletzt haben. Die Staatsanwaltschaft hat nun Ermittlungen aufgenommen.

Die Kölner Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen Untreue gegen den beurlaubten Chef des Flughafens Köln-Bonn, Michael Garvens, aufgenommen. Es bestehe ein Anfangsverdacht, sagte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer. Der Prüfbericht des Flughafens, den der Aufsichtsrat veranlasst hatte, sei angefordert worden.

Garvens war am vergangenen Freitag angesichts einer Untersuchung über mögliche Unregelmäßigkeiten am zweitgrößten Airport in Nordrhein-Westfalen beurlaubt worden. Dem Flughafenchef wird in dem Prüfbericht vorgeworfen, Mitarbeiter in ungewöhnlich vielen Fällen von der Arbeit freigestellt zu haben. Außerdem sollen Rechnungen auf zweifelhafter Grundlage akzeptiert und zu Lasten des Flughafens ein Mietvertrag mit nicht angemessenen Kondition abgeschlossen worden sein. Die Hinweise sollen wohl aus dem Unternehmen gekommen sein.

Anwälte weisen Vorwürfe zurück

Der Airportchef weist Vorwürfe über angebliche Fehler im Bereich der Geschäftsführung jedoch zurück und will seine bisherige Tätigkeit fortsetzen, wie seine Anwälte mitteilten. "Unser Mandant wehrt sich mit Entschiedenheit gegen die öffentlich erhobenen Vorwürfe, die ihn als Vorsitzender der Geschäftsführung des Flughafens in nicht zu akzeptierender Weise schädigen", teilten seine Anwälte nun in einer Stellungnahme mit. Er sei jederzeit bereit, an der Aufklärung von Sachverhalten mitzuwirken. "Unser Mandant wird seine Aufgaben als Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Köln-Bonn GmbH weiter mit Engagement und Erfolg erfüllen."

Die in der Öffentlichkeit aufgetauchten Behauptungen seien zum großen Teil bereits Gegenstand eines anonymen Schreibens aus dem Jahr 2012 gewesen. Es habe dem seinerzeitigen Aufsichtsratschef und auch der Staatsanwaltschaft vorgelegen, heißt es in der Stellungnahme weiter.

Flughafen Köln/Bonn
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Der Flughafen Köln-Bonn. Garvens sei 2002 angetreten, um einen Neuanfang zu starten, heißt es in einer Stellungnahme. In der Konsequenz hätten Mitarbeiter gekündigt werden müssen.

Flughafen als Sanierungsfall

Garvens sei 2002 angetreten, um einen Neuanfang zu starten, da der Airport Köln-Bonn in weiten Teilen ein Sanierungsfall gewesen sei. In der Konsequenz hätten Mitarbeiter gekündigt oder mit neuen Aufgaben versehen werden müssen. Er trage nicht die Verantwortung für die sich aus den Sozialschutzregelungen ergebende faktische Unkündbarkeit von Mitarbeitern. Arbeitsrechtliche Bestimmungen und Tarifregelungen seien konsequent beachtet worden. Darüber hinaus habe der Flughafenchef stets darauf geachtet, dass für Zahlungen des Flughafens Gegenleistungen zu erbringen waren, betonten die Anwälte.

Der Sprecher der Geschäftsführung sei in der Aufsichtsratssitzung am 10. November nicht angehört worden, obwohl bekannt gewesen sei, dass Garvens wenige Meter neben dem Sitzungssaal in seinem Büro auf die Möglichkeit zur Stellungnahme gewartet habe, erklärten die Anwälte.

Der Airport-Aufsichtsrat hatte Garvens angesichts einer laufenden Untersuchung zu möglichen Unregelmäßigkeiten bis zur seiner Sitzung am 15. Dezember beurlaubt. Die Geschäftsführung wird bis zum Ende dieser Woche schriftlich angehört.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. November 2017 um 23:00 Uhr.

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