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Nach Bestätigung der Plagiatsvorwürfe
Koch-Mehrin will Doktor-Entzug rechtlich prüfen
Die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin prüft rechtliche Schritte gegen die Aberkennung ihrer Doktorarbeit. Die Entscheidung der Universität komme überraschend, weil sie bisher keine Akteneinsicht hatte, erklärte sie. "Ich werde prüfen, ob sie rechtswidrig ist." Die Hochschule hatte am Mittwoch bekanntgegeben, dass Koch-Mehrin ihren Doktorgrad zurückgeben müsse, weil sie abgeschrieben habe.
Mängel waren Gutachtern angeblich bekannt
Die Politikerin verwies darauf, dass die Mängel ihrer Doktorarbeit schon ihren Gutachtern bekannt gewesen seien. Sie hätten die Ungenauigkeiten, Oberflächlichkeiten und das Fehlen von Belegen gerügt. Aber: "Der Promotionsausschuss hat mir im Jahr 2000 in voller Kenntnis aller eklatanten Schwächen meiner Arbeit den Doktortitel verliehen."
Angesichts der massiven Kritik der Gutachter hätten bei dem Ausschuss bereits damals alle Alarmglocken läuten müssen. Trotzdem habe er sie mit einem "cum laude" bewertet, was etwa der Note drei in der Schule entspricht. Dies sei auch zurecht erfolgt. "Die wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Arbeit sind bis heute unstrittig und beruhen auf meiner eigenen wissenschaftlichen Leistung."
Mehr als 120 Plagiate auf rund 80 Seiten
Dekan Manfred Berg hatte zuvor erklärt, dass das vom Promotionsausschuss geprüfte Material eindeutig belege, dass die im Jahr 2000 von Koch-Mehrin vorgelegte Dissertation in substanziellen Teilen aus Plagiaten bestehe. Auf rund 80 Textseiten der Dissertation fänden sich über 120 Stellen, die nach Bewertung des Ausschusses als Plagiate einzuordnen seien. Diese stammten aus über 30 verschiedenen Publikationen. Zwei Drittel davon seien nicht im Literaturverzeichnis aufgeführt worden. "Angesichts der Vielzahl und des systematischen Charakters der Plagiate kann kein Zweifel daran bestehen, dass sich Frau Koch-Mehrin in ihrer Dissertation fremdes geistiges Eigentum angeeignet und als das eigene ausgegeben hat", so Dekan Berg.
Dekan Berg wies den Vorwurf der nachlässigen Prüfung der Dissertation bereits zurück. Vor zehn Jahren habe es noch keine technischen Mittel gegeben, die Plagiate aufzuspüren - und niemand habe die gesamte Literatur im Kopf.
"Aberkennung des Doktorgrades zwingend"
Der Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg hatte die Plagiatsvorwürfe mehr als zwei Monate lang geprüft. "Der Promotionsausschuss ist sich darüber im Klaren, dass der Entzug des Doktortitels eine schwerwiegende Maßnahme darstellt, und hat sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht", so Berg. Der Ausschuss hält die Aberkennung des Doktorgrades für zwingend.
Nachdem im Februar Plagiatsvorwürfe gegen den damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) laut geworden waren, begannen Plagiatsjäger im Internet, auch die Dissertation von Koch-Mehrin unter die Lupe zu nehmen. Nachdem sie mehrere Textstellen gefunden hatten, die sie als abgeschrieben klassifizierten, kündigte die Uni Heidelberg an, die Vorwürfe zu prüfen.
Koch-Mehrin galt als eine Hoffnungsträgerin der Partei und gehörte auch zur Führungsspitze der FDP. Der damalige Parteichef Westerwelle hatte sie gefördert. Koch-Mehrin hatte schon während der laufenden Untersuchung am 11. Mai fast alle Ämter niedergelegt. Sie war Vorsitzende der FDP im Europäischen Parlament und Vizepräsidentin des EU-Parlaments. Ihr normales Abgeordnetenmandat dort hatte sie behalten.
Stand: 16.06.2011 05:20 Uhr
