Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.

12.03.2010

ARD-Logo

Suche in tagesschau.de

Hauptnavigation
Multimedia
  • VideoLivestream.tagesschau 14:00 Uhr
  • Videotagesschau24.
  • VideoLetzte Sendung.tagesschau 02:38 Uhr
Inhalt
Inland
Knobloch bricht Dialog mit katholischer Kirche ab
Eklat um Holocaust-Leugnung

Knobloch bricht Dialog mit katholischer Kirche ab

Charlotte Knobloch (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Knobloch, will vorerst nicht mehr mit der katholischen Kirche reden. ]
Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hat den Dialog mit der katholischen Kirche vorerst abgebrochen. Sie zieht damit laut einem Bericht der "Rheinischen Post" die Konsequenzen aus dem Eklat um die Holocaust-Äußerungen des erzkonservativen britischen Bischofs Richard Williamson. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, forderte von Williamson eine Entschuldigung.

In einem im Landkreis Regensburg aufgezeichneten Fernsehinterview hatte Williamson behauptet, die historische Evidenz spreche gegen die Existenz von Gaskammern zur NS-Zeit. Auch seien nicht sechs Millionen Juden, sondern 200.000 bis 300.000 Juden von den Nazis ermordet worden. Trotz dieser Äußerung hatte Papst Benedikt XVI. am Wochenende die Exkommunikation Williamsons aufgehoben.

"Der Papst meint jedes Wort, das er sagt"

Papst Benedikt XVI. (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Für Knobloch "einer der gebildetsten und intelligentesten Menschen der katholischen Kirche": Papst Benedikt XVI. ]
"Unter solchen Voraussetzungen wird es zwischen mir und der Kirche momentan sicher kein Gespräch geben", so Knobloch. Sie betonte jedoch, dass dies kein dauerhafter Bruch sei: "Ich unterstreiche das Wort 'momentan'." Sie wünsche sich einen Aufschrei der Kirche gegen ein solches Vorgehen des Papstes. "Ich habe es hier nicht mit Menschen zu tun, die nicht wissen was sie tun", so Knobloch weiter. Der Papst sei einer der gebildetsten und intelligentesten Menschen, die die katholische Kirche habe, und jedes Wort, das er ausspreche, das meine er auch.

Papst Benedikt XVI. nahm am Mittwoch erstmals Stellung zu den Äußerungen Williamsons. Er empfinde "volle und unstrittige Solidarität" mit den Juden, sagte er während einer öffentlichen Audienz in Rom. Er hoffe, dass die Erinnerung an den Holocaust auch als Warnung diene vor "der unberechenbaren Kraft des Bösen, wenn es die Herzen der Menschen erobert".

[Hinweis: Sie benötigen das Flash-Plugin und aktiviertes Javascript um das Video zu sehen.]

Knobloch zeigte sich erfreut über die klaren Worte des Papstes. Gleichzeitig forderte sie aber weitere Schritte. Einen Holocaust-Leugner in eine Religion wieder aufzunehmen, in die er eigentlich überhaupt nicht gehört, sei etwas, was sie nicht akzeptieren könne, sagte sie in der Tagesschau.

Deutsche Bischofskonferenz geht auf Distanz

Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Erzbischof Robert Zollitsch: "absolut inakzeptable Aussage" ]
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, kritisierte Williamson scharf. Er sei überzeugt, dass Williamson "nicht zur katholischen Kirche gehören" könne, wenn er sich nicht von seinen "absolut inakzeptablen" Aussagen distanziere. Das Faktum des Holocaust zu leugnen, müsse "jeden denkenden Menschen erschrecken".

Vorsichtige Kritik am Vatikan

Zugleich übte Zollitsch vorsichtige Kritik an Papst Benedikt XVI. In Rom sei die Verbindung zwischen der Aufhebung der Exkommunikation und der Empörung über Williamsons Leugnung der Shoah offenbar "nicht gesehen" worden, sagte der Erzbischof. Er sprach von einer "bedauerlichen Verknüpfung", durch die einiges "in ein falsches Licht" gekommen sei. Man hätte dies in Rom "besser bedenken sollen", so Zollitsch. Dort habe man die Sache offenbar "unterschätzt". Er selbst sei von dem Schritt des Papstes nicht vorher informiert worden.

Regensburger Bischof verteidigt Rehabilitierung

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller verteidigte dagegen die Rehabilitierung Williamsons. Die Aufhebung der Exkommunikation und die Empörung über Williamsons Leugnung der Shoah seien zwei verschiedene Vorgänge, die voneinander getrennt betrachtet werden müssten, sagte er der "Passauer Neuen Presse". Gegen das "idiotische und infame Herumfabulieren" Williamsons müsse mit anderen Mitteln vorgegangen werden, so Müller.

Stand: 29.01.2009 10:58 Uhr
 

© tagesschau.de

tagesschau.de ist für den Inhalt externer Links nicht verantwortlich.

Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW