Ein Mann reinigt in Königswinter (Nordrhein-Westfalen) den Gehweg an der Rheinpromenade vom Schlamm | Bildquelle: dpa

Studie zum Klimawandel Baut Deiche, sonst sauft ihr ab

Stand: 10.01.2018 20:01 Uhr

Die Art der Regenfälle verändert sich durch den Klimawandel dermaßen, dass in etwa 25 Jahren viel mehr Menschen Opfer von Hochwasser werden als bislang gedacht. Potsdamer Forscher mahnen deshalb, so schnell wie möglich ausreichend Geld in den Hochwasserschutz zu stecken.

Der Hochwasserschutz muss nach Ansicht von Experten in Deutschland und vielen anderen Regionen der Welt erheblich erweitert werden. Laut einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) wird sich die Zahl der flutgefährdeten Menschen ohne erhebliche Investitionen in Deichausbau, veränderte Baustandards oder Umsiedlungen in den kommenden 25 Jahren drastisch erhöhen.

Der Bedarf sei in den USA, in Teilen Indiens und Afrikas, in Indonesien und in Mitteleuropa einschließlich Deutschland am größten, hieß es in der Studie, die im Fachblatt "Science Advances" veröffentlicht wurde.

Fluten vor allem in Niedersachsen und Baden-Württemberg

Allein in Deutschland würde sich demnach die Zahl der potenziell von besonders starken Überflutungen betroffenen Menschen bis in die 2040er-Jahre von derzeit etwa 100.000 auf rund 700.000 erhöhen. Am höchsten steige die Zahl der Menschen, die von Hochwasserereignissen betroffen sind, in Baden-Württemberg und Niedersachsen.

Vögel auf überschwemmter B42 | Bildquelle: dpa
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Statt fahrender Autos waren Anfang des Jahres auf der überschwemmten Bundesstraße 42 bei Oestrich-Winkel (Hessen) schwimmende Vögel zu sehen.

Weltweit mehr als 200 Millionen Menschen gefährdet

In Nordamerika sei eine Verzehnfachung der Zahl der Betroffenen von 100.000 auf eine Million zu erwarten, sagen die Wissenschaftler. Sven Willner, einer der Autoren der Studie, betont:

"Mehr als die Hälfte der USA müssen ihr Schutzniveau innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte mindestens verdoppeln, wenn sie einen dramatischen Anstieg der Hochwasserrisiken vermeiden wollen."

In Asien, Afrika und Südamerika wäre der prozentuale Anstieg ohne zusätzliche Investitionen zwar deutlich niedriger, aber dafür sind dort wesentlich mehr Menschen bedroht.

Die Zahl der betroffenen Einwohner würde sich in Asien von heute 70 Millionen auf 156 Millionen mehr als verdoppeln. In Südamerika stiege die Zahl demnach von sechs auf zwölf Millionen, in Afrika von 25 auf 34 Millionen. Dabei sind Bevölkerungswachstum und veränderte Siedlungsstrukturen durch Verstädterung noch nicht berücksichtigt.

Blick auf das überschwemmte Port Arthur in Texas (Archivbild vom 31.08.2017) | Bildquelle: dpa
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Im vergangenen Sommer litt Texas unter Überschwemmungen infolge des Hurrikans "Harvey".

"Wir waren überrascht, dass selbst in hoch entwickelten Ländern mit guter Infrastruktur der Anpassungsbedarf so groß ist", sagte Mit-Autor Anders Levermann. Schon heute gehörten Fluten zu den häufigsten und verheerendsten Naturkatastrophen.

Studie - eine "Warnung an Entscheidungsträger"

Der Hochwasserschutz müsse deshalb weltweit dringend verbessert werden. Die Ergebnisse der Studie "sollten eine Warnung für die Entscheidungsträger sein". Die Probleme zu ignorieren führe zu gravierenden Folgen, so Levermann. "Nichtstun wäre gefährlich."

Schutz noch möglich

"Um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten, müssen klimabedingte Risiken ernst genommen werden und sehr schnell Geld für Anpassung bereitgestellt werden", betonte Levermann. Eine Absicherung gegen die Gefahren der kommenden 20 Jahre sei noch möglich. Sollte die Erderwärmung aber nicht auf deutlich unter zwei Grad Celsius begrenzt werden, würden die Risiken durch Hochwasser so zunehmen, dass Gegenmaßnahmen vielerorts schwierig seien.

Grund für das erhöhte Risiko von Überschwemmungen seien veränderte Regenfälle infolge der globalen Erwärmung. Die Wissenschaftler hatten die Entwicklungen von Flüssen auf der ganzen Welt mithilfe von Computersimulationen untersucht.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. Januar 2018 um 11:00 Uhr.

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