Eröffnung der Klimakonferenz in Bonn | Bildquelle: REUTERS

Start der Klimakonferenz Ran ans Kleingedruckte - aber wie?

Stand: 06.11.2017 11:40 Uhr

2015 hatten sich in Paris 195 Staaten den Kampf gegen den Klimawandel als Ziel gesetzt. Seit heute beraten sie auf der Weltklimakonferenz in Bonn darüber, wie aus dem Ziel Realität werden soll. Doch es gibt Schwachstellen im ausgehandelten Abkommen.

Von Detlef Reepen, WDR

Nach dem rauschenden Erfolg des Klimagipfels 2015 in Paris arbeiten die 195 Vertragsstaaten nun an der Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens. COP23 in Bonn ist eine Arbeitskonferenz, erste verbindliche Beschlüsse sollen erst 2018 in Kattowitz gefasst werden.

Nur Grundsätze festgelegt

Das 30-seitige Paris-Abkommen, das inzwischen 169 Staaten ratifiziert, also völkerrechtlich als verbindlich anerkannt haben, legt nur Grundsätze fest: Die Erde soll sich maximal um deutlich weniger als zwei Grad erwärmen, die "National Festgelegten Klimaschutzbeiträge" (NDCs) sind verbindlicher Bestandteil des Pariser Abkommens. Alle Staaten verpflichten sich, vertrauensvoll zusammenzuarbeiten und den Entwicklungsländern sowohl beim Klimaschutz als auch bei der Anpassung an die Erderwärmung zu helfen.

Wie genau das geschehen soll, sagt das Abkommen jedoch nicht. In Bonn soll ein "rule book", also die Ausführungsbestimmungen festgelegt werden. Die geschäftsführende Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, die Deutschland bei der zwölftägigen Weltklimakonferenz mit rund 25.000 Teilnehmern vertritt, erwartet, dass man "eine Struktur für dieses Kleingedruckte, für die Richtlinien entwickeln kann".

Ziele der Bonner Klimakonferenz
tagesschau 12:00 Uhr, 06.11.2017, Arndt Brorsen, ARD-aktuell

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Transparenz ist das Allerwichtigste

Schon jetzt ist klar, dass die bisherigen NDC's nicht ausreichen, um die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad zu halten, möglichst sogar bei 1,5 Grad. Nach den bisher eingereichten nationalen Klimaschutzbeiträgen würden die Durchschnittstemperaturen um deutlich über drei Grad steigen - mit katastrophalen Folgen für die Bewohnbarkeit ganzer Regionen und Länder.

Aber selbst die ungenügenden NDC's sind schlecht vergleichbar. Transparenz ist unverzichtbar. Wie sollte die Staatengemeinschaft sonst feststellen können, ob zusätzliche Klimaschutzprojekte wirklich zur Minderung der Treibhausgasemissionen beitragen?

Erste Überprüfung schon 2018

Es kostete die "High Ambition Coalition" unter Führung der Marshall-Inseln und der EU in Paris größte Mühe, eine erste Überprüfung der 195 Nationalen Klimaschutzpläne nicht erst 2023, sondern schon 2018 vorzunehmen - damit nicht wertvolle Jahre beim Kampf gegen den Klimawandel verloren gehen. Aber für diese erste Bestandsaufnahme müssen jetzt in Bonn die Regeln erarbeitet werden. Sonst ist der erste "Global stock take" in Kattowitz zum Scheitern verurteilt.

Trump steht ganz alleine da

Wenn US-Präsident Donald Trump erwartet hatte, er fände mit seinem Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen Nachahmer, dann hat er sich schwer getäuscht. Kein einziges Land hat ähnliches bekundet.

In Bonn will ein breites Bündnis von US-Bundesstaaten, Konzernen, Bürgermeistern und milliardenschweren Stiftungen unter dem Titel "We're still in!" Gegenveranstaltungen anbieten und sogar eigene verbindliche Klimaschutzzusagen im Namen der USA machen.

China nutzt das Vakuum

China hat lange darauf bestanden, dass es als Entwicklungsland keine Klimaschutzverpflichtungen habe. Das hat sich radikal geändert. Die Regierung in Peking will eine Führungsrolle im Klimaschutz - nicht nur wirtschaftlich, wo sie den Windkraft- und Solarmarkt bereits beherrschen, sondern auch diplomatisch.

Klimachampion Deutschland hinkt

Deutschland und insbesondere die "Klimakanzlerin" Angela Merkel haben in Sachen Klimadiplomatie immer noch eine makellos reine Weste. Deutschland schmiedet Bündnisse, bringt Blockierer zum Mitmachen und ist bei der Finanzierung von globalen Klimaschutzprojekten zusammen mit Norwegen Spitze.

Dennoch hat es die Bundesregierung nicht geschafft, dass Deutschland sein Klimaschutzziel von einem Minus von 40 Prozent an Treibhausgasen bis 2020 einhalten kann. Wenn nicht ein Wunder geschieht, wird die Bundesrepublik nur auf maximal 32,5 Prozent Emissionsminderung kommen.

Das Wunder mit dem Kohleausstieg

Es ist einer der härtesten Brocken bei den Jamaika-Koalitionsverhandlungen, aber das Wunder könnte Kohleausstieg heißen. Viele andere EU-Länder haben ihn bis 2030 bereits beschlossen. Die Bundesregierung als Co-Gastgeber der COP23 kommt in dieser Hinsicht schwer beschädigt nach Bonn.

Als Staatsoberhaupt des pazifischen Inselstaates Fidschi, der besonders schwer unter den Folgen des Klimawandels leiden wird, legt COP23-Präsident Frank Bainimarama großen Wert auf die sogenannte Klimafinanzierung. Die Staaten haben im Pariser Abkommen zugesagt, ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar für Klimaschutzprojekte und die Anpassung an den unvermeidlichen Klimawandel zur Verfügung zu stellen. Bisher sind höchstens Zweidrittel dieser Summe gesichert. Fidschi wird auf die Einhaltung der Versprechen drängen.

Eröffnung der Klimakonferenz in Bonn: Frank Bainimarama und Umweltministerin Barbara Hendricks | Bildquelle: REUTERS
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Frank Bainimarama und Umweltministerin Barbara Hendricks

Was ist vom Bonner Klimagipfel zu erwarten?
Detlef Reepen, WDR
06.11.2017 11:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. November 2017 um 05:00 Uhr.

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