Demonstranten in Bonn mit einer Freiheitsstatuen-Attrappe | Bildquelle: AFP

Klimakonferenz in Bonn Wenig spektakulär - aber wichtig

Stand: 05.11.2017 07:53 Uhr

Nach 16 Jahren findet die UN-Klimakonferenz wieder in Bonn statt. Worum geht es dabei konkret? Und wie werden sich die USA nach Trumps Ankündigung verhalten, aus dem Pariser Abkommen auszusteigen? Zwei Szenarien sind denkbar.

Von Jakob Mayr, ARD-Studio Brüssel

Die Klimakarawane macht nach 16 Jahren wieder Halt in Bonn. Eine UN-Klimakonferenz in der Stadt gab es zuletzt 2001, damals allerdings mit deutlich weniger Teilnehmern. Diesmal werden 25.000 erwartet: Delegierte aus aller Welt, Vertreter von Nichtregierungsorganisationen, Journalisten. Es ist eine der größten zwischenstaatlichen Konferenzen, die es hierzulande je gegeben hat.

Dabei hat Deutschland gar nicht den Vorsitz, sondern der pazifische Inselstaat Fidschi - ein Zeichen, dass die Weltgemeinschaft die Anliegen der Länder ernst nimmt, die besonders unter Folgen des Klimawandels wie dem Anstieg der Meeresspiegel leiden. Weil Fidschi eine Konferenz dieser Größenordnung nicht stemmen kann, hat Deutschland die Ausrichtung übernommen - am Standort des UN-Klimasekretariats in Bonn.

Worum geht es überhaupt?  

Freude und Erleichterung waren riesig, als Vertreter von 195 Staaten im Dezember 2015 in Paris den weltweiten Klimavertrag verabschiedeten. Darin vereinbarte die Weltgemeinschaft, die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad halten zu wollen. Dafür hatte jedes Land im Vorfeld aufgeschrieben, was es freiwillig für den Klimaschutz tun will. Aber mit diesen Zusagen würde die globale Erwärmung bis zum Jahr 2100 nach UN-Angaben mindestens drei Grad Celsius erreichen - so gelten die Folgen des Klimawandels als nicht mehr beherrschbar.

Deshalb müssen die Vorgaben stetig verschärft werden. Dafür braucht es Richtlinien, die in Bonn vorbereitet und beim nächsten Klimagipfel Ende kommenden Jahres im polnischen Kattowitz verabschiedet werden sollen. Dort wollen die Staaten Bilanz ziehen, ob sie mit ihren Maßnahmen auf Kurs sind. Die entscheidenden Fragen dabei sind:

Wie wird gemessen, welches Land wie viel für den Klimaschutz tut? Wie können die Beiträge der Staaten miteinander verglichen werden? Wie stellt die Weltgemeinschaft sicher, dass alle sich im Laufe der nächsten Jahre noch mehr anstrengen?

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks betont: "Das ist wie ein neues weltweites Gesetz, was da in Paris im Dezember 2015 verabschiedet worden ist. Dafür braucht man jetzt Auslegungsregeln, und auf diese Regeln müssen sich die Länder verständigen." Nach dem großen Wurf von Paris geht es in Bonn also ums Kleingedruckte: weniger spektakulär, aber genauso wichtig.

Ist das Zwei-Grad-Ziel überhaupt noch zu erreichen?

Die Zeit wird knapp, da ist sich die Mehrheit der Wissenschaftler einig. Fast alle Jahre seit der Jahrtausendwende zählen zu den heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen. 2017 wird da keine Ausnahme machen. Das begünstigt extreme Wetterereignisse wie Dürren oder Überschwemmungen, möglicherweise auch Stürme.

Ursache für die schnelle Erwärmung: Die Menschheit setzt durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas immer mehr klimaschädliches Kohlendioxid frei - aus Industrieschloten, Auto-Auspuffen und Heizungen. Laut der Weltwetterorganisation WMO hat die CO2-Konzentration in der Atmosphäre einen neuen Rekordwert erreicht, sie ist seit Beginn der Industrialisierung fast um die Hälfte gestiegen. Die Anreicherung des Treibhausgases Methan hat sich mehr als verdoppelt, vor allem durch den Reisanbau und die Haltung von Kühen oder Schafen.

Immerhin ist der energiebedingte CO2-Ausstoß in den vergangenen drei Jahren nicht weiter gestiegen. Um das Zwei-Grad-Ziel einzuhalten, müsste die Weltgemeinschaft bis Mitte des Jahrhunderts weitgehend aus dem Verbrauch fossiler Energien aussteigen - eine Kehrtwende.

Bewohner des Südpazifiks spüren die Auswirkungen der Klimapolitik
tagesschau 13:15 Uhr, 05.11.2017, Ulrich Mendgen, ARD Tokio

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Was ist mit den USA?

Bisher hat sich der Rest der Welt nicht sonderlich beeindrucken lassen von Donald Trumps Ankündigung, aus der Vereinbarung von Paris aussteigen zu wollen. Beim Bonner Gipfel sind zwei Szenarien denkbar: Die US-Delegation zieht sich tatsächlich aus den Verhandlungen zurück wie vor einigen Jahren während der Regierungszeit von George W. Bush. Damals machten US-Unterhändler auf UN-Gipfeln viele Worte, trugen aber wenig zum Fortschritt bei. Nach Ansicht mancher Teilnehmer bremsten sie sogar hinter den Kulissen.

Das Bundesumweltministerium ist allerdings zuversichtlich, dass es diesmal nicht so kommt. Einmal, weil internationale Klimapolitik in den USA Sache des Außenministeriums ist - und das wird vom ehemaligen Präsidenten des Erdölkonzerns ExxonMobil, Rex Tillerson, geführt, der den Klimawandel keineswegs für erfunden hält.

Außerdem wollen einzelne amerikanische Bundesstaaten und Großstädte beim Klimaschutz auf Kurs bleiben. US-Konzerne wie Google, Microsoft, Walmart, Dupont oder Shell sprechen sich ebenfalls für das Pariser Abkommen aus. Schon jetzt arbeiten in den USA mehr Menschen im Bereich der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz als in der Kohleindustrie.

Der Politische Geschäftsführer der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch, Christoph Bals, verlangt vom Bonner Gipfel "ein klares Signal, dass die Umsetzung des Paris-Abkommens weltweit weiter vorankommt - trotz der klimapolitischen Geisterfahrt der US-Regierung".

Der Kampf gegen Kohle und Klimawandel
tagesthemen 23:30 Uhr, 04.11.2017, Marion Schmickler, WDR

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Und was will China?

Der Paris-Vertrag war nur möglich, weil sich die beiden größten Klimasünder China und USA damals unter ihren Präsidenten Xi Jinping und Barack Obama zu ihrer Verantwortung bekannten. Nun schert Washington aus. Peking will jedoch Kurs halten.

Jahrelang hat sich China auf UN-Klimagipfeln abgeschottet und klein gemacht, um sich nicht verpflichten zu müssen. Jetzt will das Land eine führende Rolle übernehmen: Der Bau von Kohlekraftwerken wurde gestoppt. Nirgendwo wird mehr Geld in Energie aus Sonne, Wind und Wasser investiert. Chinas Regierung drosselt Industrie-Emissionen und fördert Elektroautos. Da ist vieles in Bewegung, aber auch vieles aufzuholen, sagen Umweltschützer. Denn in China wird weltweit auch am meisten Kohle verbrannt. Das Land pustet knapp ein Drittel des weltweiten Kohlendioxids in die Luft, gut zehn Milliarden Tonnen pro Jahr.

Wo steht Deutschland?

Der Gipfel-Ausrichter tut sich schwer. Der CO2-Ausstoß ist in Deutschland seit acht Jahren nicht mehr gesunken. Der Ausbau erneuerbarer Energien kommt nur schleppend voran. So wird Deutschland sein selbstgestecktes Ziel wohl weit verfehlen, den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase bis 2020 im Vergleich zum Wert von 1990 um 40 Prozent zu senken.

Umweltschützer verlangen einen Fahrplan und ein klares Datum für den Kohleausstieg sowie mehr Anstrengungen, um den Verkehr klimafreundlicher zu machen. Jörg-Andreas Krüger vom WWF klagt: "Statt die Klimakrise zu bekämpfen, befeuert Deutschland die Erderhitzung weiter, insbesondere mit seinen dreckigen Kohlekraftwerken."

Zeitgleich zum UN-Klimagipfel laufen weiter Sondierungen für eine Jamaika-Koalition im Bund. Dabei hat das Zukunftsthema Klimaschutz bisher keine herausragende Rolle gespielt. Möglicherweise kommen jetzt aus Bonn wichtige Impulse für die Verhandlungen in Berlin.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 04. November 2017 um 23:30 Uhr sowie die tagesschau am 05. November 2017 um 04:52 Uhr.

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