Stimmen von der Klimakonferenz

Fünf Länder, fünf Sichtweisen

Stand: 07.11.2017 01:01 Uhr

Aus 195 Ländern sind die Teilnehmer zur Weltklima-Konferenz nach Bonn angereist - mit sehr unterschiedlichen Sorgen. Die einen haben Angst vor zu viel Wasser, die anderen vor zu wenig. Lorenz Beckhardt stellt fünf Delegierte und ihre Erwartungen an die Konferenz vor.

Von Lorenz Beckhardt, WDR

Fidschi: Frances Namoumou, Pazifische Kirchenrätin

Ich komme aus einem Dorf, das regelmäßig überflutet wird. Und die Gemeinden, die der Zyklon Winston im Februar 2016 getroffen hat, haben sich bis heute nicht erholt.

Auf einer Nachbarinsel musste bereits das erste Dorf umgesiedelt werden. Ich habe den Prozess seelsorgerisch begleitet. Es war ein Fischerdorf. Jetzt leben die Menschen im Landesinneren. Sie haben überlebt, aber ihr Leben als Fischer haben sie verloren. Auch die Dorfgemeinschaft ist zusammengebrochen.

Wir haben bei dieser Konferenz zwar die Präsidentschaft und wollen ambitionierte Ziele erreichen, aber setzen auch sehr auf den Gastgeber. Die deutsche Regierung hat so starke Klimaziele formuliert. Sie will 2050 fast komplett auf erneuerbare Energie umgestiegen sein. Da frage ich, was gegen einen schnellen Ausstieg aus der Kohle spricht? Deutschland könnte anderen Ländern zeigen, wie das geht.

Frances Namoumou kommt aus einem Dorf, das regelmäßig überflutet wird.
Diese Familie auf der Fidschi-Insel Ono verlassen musste ihr Haus verlassen.

Deutschland: Jan Kowalzig, Klimaexperte Oxfam

Das Wichtigste am Bonner Klimagipfel ist das Signal, dass die Weltgemeinschaft weiterhin hinter dem Pariser Abkommen steht - trotz Donald Trump. Die Staaten verständigen sich hier darauf, wie sie zukünftig überprüfen werden, wie weit sie noch von den Pariser Klimazielen entfernt sind.

Deutschland wird wegen der Energiewende international häufig noch als Vorbild gesehen, aber die Welt sieht natürlich, dass Deutschland drauf und dran ist, seine selbstgesteckten Klimaziele krachend zu verfehlen. Die letzten beiden Bundesregierungen waren untätig. Die Kohle dominiert weiterhin den Energiesektor. Deutschland ist dabei, sich komplett zu blamieren und läuft Gefahr, seinen einstmals guten Ruf zu verlieren.

Mir persönlich ist wichtig, dass diese Konferenz unter dem Vorsitz Fidschis Beschlüsse fasst, den durch den Klimawandel besonders verwundbaren Staaten zu helfen, damit sie die Schäden des Klimawandels in ihren Ländern beheben können.

In Deutschland hat die Kohle noch immer eine dominante Rolle im Energiebereich.
Jan Kowalzig arbeitet für die Hilfsorganisation Oxfam.

USA: Prof. Alden Meyer, Union of Concerned Scientists

Die Delegation von Präsident Trump vertritt hier das exakte Gegenteil dessen, was letztes Jahr Obama vertreten hat. Aber: Der Kopf der Delegation, Unterstaatssekretär Thomas Shannon, ist ein vernünftiger Mann. Das gibt mir Hoffnung, dass die USA hier nicht nur als Störer auftreten.

Ende der ersten Woche kommen dann Leute der "We’re still in"-Koalition. Der kalifornische Gouverneur Jerry Brown, der New Yorker Ex-Bürgermeister Michael Bloomberg und andere werden "America’s Pledge" verkünden. Sie versprechen, dass sie alles geben, damit die USA die Verpflichtungen von Paris erfüllen, ganz egal, was Präsident Trump macht.

Das ist die größte Klimaschutzbewegung, die wir je hatten. Sie wird der Welt zeigen, dass uns Trump beim Klima nicht repräsentiert. Der nächste Präsident wird die USA zurück ins Pariser Abkommen führen.

Professor Alden Meyer ist aus den USA zur Klimakonferenz nach Bonn gekommen.
Dort arbeiten schon jetzt mehr Menschen im Bereich der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz als in der Kohleindustrie.

Peru: Saúl Anaias Luciano Lliuya, Bergführer in den Anden

Ich bin hierher gekommen, weil wir Peruaner Klimagerechtigkeit wollen. Der Klimawandel richtet großen Schaden in meinem Land an. In unseren Bergen verschwinden die Gletscher. Aber nicht wir sind dafür verantwortlich, sondern die, die viele Treibhausgase ausstoßen. Deshalb habe ich eine Klage gegen RWE eingereicht.

Ich hoffe, dass die Staaten auf dieser Konferenz gute Lösungen finden für eine gute Zukunft für die Umwelt, denn bei uns zu Hause kämpfen wir schon so lange gegen Überflutungen durch die schmelzenden Gletscher. Und wenn die Gletscher eines Tages weg sind, haben wir kein Wasser mehr.

Saúl Anaias Luciano Lliuya arbeitet als Bergführer in den Anden.
Er beobachtet dort die Folgen der Erderwärmung.

Tuvalu: Reverend Tafue Lusama, Generalsekretär Christliche Kirche

Unser kleiner Inselstaat im Pazifik liegt nur vier Meter über dem Meeresspiegel. Das ist das Problem. Über den Meeresspiegelanstieg brauchen wir nicht debattieren - wir sehen ihn: Unser Land wird das erste sein, das in ein paar Jahren im Meer versinken wird.

Wir sind hier, weil wir die internationale Gemeinschaft bitten, nicht beim Zwei-Grad-Ziel stehen zu bleiben! Zwei Grad sind okay für große Länder. Wir werden dabei untergehen. Wir bitten diese Konferenz: tut mehr! Stoppt die Erderwärmung bei 1,5 Grad!

Wir wissen natürlich, dass der Meeresspiegel weiter steigen wird, auch wenn wir jetzt sofort alle Emissionen stoppen. Aber das könnte man mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft noch reparieren. Die 1,5 Grad fordern wir aus einem einfachen Grund: Wir wollen unser Land nicht verlassen.

Wenn es doch eines Tages zum Äußersten kommt, dann möchten wir nicht "Flüchtlinge" genannt werden, sondern "Klima-Vertriebene".

Reverend Tafue Lusama vom Südseestaat Tuvalu.
Wie hier das Majuro Atoll im Südpazifik ist auch sein Land stark vom Klimawandel betroffen.