Ein von der Regierung Fidschis zur Verfügung gestelltes Foto vom 24.02.2016 zeigt Zerstörungen in einem Wohngebiet in der Provinz Tailevu (Fidschi), die von Zyklon Winston verursacht wurden.    | Bildquelle: dpa

Klima-Risiko-Index Verheerende Schäden durch Extremwetter

Stand: 09.11.2017 10:56 Uhr

524.000 Menschen starben seit 1997 durch Unwetter. Meist traf es arme Länder. Doch auch Deutschland ist auf einem der vorderen Plätze des Klima-Risiko-Indexes der Umweltschutz-Organisation Germanwatch.

Von Birand Bingül, WDR

Ob Überschwemmungen, Stürme oder Hitzewellen: Für den Globalen Klima-Risiko-Index zählte Germanwatch über 11.000 Extremwetter-Ereignisse in den vergangenen 20 Jahren. Neben mehr als einer halben Million Toten entstand auch großer wirtschaftlicher Schaden von über drei Billionen Dollar, so Germanwatch.

Meist arme Länder besonders betroffen

Christoph Bals | Bildquelle: germanwatch
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Christoph Bals von Germanwatch - Seine Organisation stellt den Klima-Risiko-Index zusammen.

Im Jahr 2016 waren die meistbetroffenen Länder Haiti, Simbabwe und die Fidschi-Inseln. Christoph Bals, politischer Geschäftsführer von Germanwatch, sagt: "Wir sehen, dass die armen Länder diesen Index dominieren. Gerade, was die Todeszahlen angeht. Auch in diesem Jahr sind neun der zehn Länder, die oben stehen, arme Länder. Sie sind besonders verwundbar."

Wirbelsturm mit 325 Kilometern pro Stunde

Haiti traf 2016 der Hurrikan Matthew schwer, Simbabwe der Tropensturm Dineo. Und der tropische Wirbelsturm Winston jagte mit bis zu 325 Kilometern pro Stunde über die Fidschi-Inseln im Südpazifik.

Frances Namoumou | Bildquelle: Lorenz Beckhardt/WDR
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Frances Namoumou von den Fidschi-Inseln sieht die Folgen des Klimawandels jeden Tag.

Über eineinhalb Jahre später habe man sich von den Verwüstungen immer noch nicht erholt, erklärt Kirchenrätin Frances Namoumou, die derzeit am Weltklimagipfel in Bonn teilnimmt. "Es leben immer noch Menschen in Zelten. Der Schulunterricht findet in Zelten statt. Die Infrastruktur ist noch nicht wieder soweit. Gerade der Wiederaufbau von abgelegenen Inseln dauert. Die Häuser wurden bis auf die Grundmauern zerstört."

Genau aus diesem Grund haben die Fidschi-Inseln die Präsidentschaft des Klimagipfels in Bonn bekommen. Die Vereinten Nationen wollten den am meisten betroffenen Ländern eine Stimme verleihen und deutlich machen, wie konkret und akut Klimafragen sind.

Ein Mädchen in den Trümmern nach Hurrikan "Matthew" in dem Ort Jeromie in Haiti. | Bildquelle: AP
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Der Klimawandel trifft vor allem die Menschen in armen Ländern wie Haiti.

Seriöse Datenbasis

Germanwatch veröffentlicht den Klima-Risiko-Index in diesem Jahr zum 13. Mal. Grundlage des Indexes ist die weltweit anerkannte Datenbank eines Versicherers sowie Daten des Internationalen Währungsfonds.

Ausschlaggebend ist die Zahl der Todesopfer sowie der entstandene wirtschaftliche Schaden. Germanwatch betont, dass der Index keine Aussage darüber zulässt, welchen Einfluss der Klimawandel konkret auf diese Unwetterereignisse habe.

Deutschland: Eines der meistbetroffenen Industrieländer

Auf Platz 10 des Rankings für 2016 stehen die USA - auf Platz 42, also im oberen Mittelfeld, Deutschland. Dass Deutschland in den vergangenen Jahren unter auffällig vielen extremen Wetterereignissen zu leiden hatte, macht deutlich, wenn man 20 Jahre zurückblickt. Honduras, Haiti und Myanmar liegen dann auf den ersten drei Plätzen des Indexes. Deutschland landet auf Platz 23.

Vom Orkan "Kyrill" entwurzelte und abgebrochene Bäume liegen in der Nähe von Wilmsdorf (Kreis Siegen-Wittgenstein) an einem Hang (Archivfoto vom 20.01.2007) | Bildquelle: picture-alliance/ dpa
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In Deutschland sorgte der Orkan "Kyrill" 2007 für entwurzelte und abgebrochene Bäume.

Der Hitzesommer 2003, der Orkan Kyrill 2007 und zahlreiche andere Stürme und Überflutungen tragen dazu bei, ebenso die enormen wirtschaftlichen Schäden, die in hoch entwickelten Ländern deutlich höher ausfallen. Christoph Bals von Germanwatch: "Deutschland ist auf diesen langen Zeitraum eines der drei am stärksten betroffenen Industrieländer." Die Nachbarländer Schweiz und Österreich liegen auf den Plätzen 39 und 50.

Fernab von Statistiken: Die Sturmsaison beginnt

Für Frances Namoumou von den Fidschi Inseln spielt Statistik keine Rolle. Sie weiß: Der November ist ein gefährlicher Monat. Dann beginnt in ihrer Heimat die Saison der Zyklone, der tropischen Wirbelstürme. "Die Wissenschaftler können diese Stürme vorhersehen", sagt Namoumou, "aber alle Schutzmaßnahmen helfen uns da nicht heraus".

Sie fühlt sich und ihre Inseln den Naturgewalten ausgeliefert. Aufgeben will sie deshalb nicht. Sobald sie zurück auf ihrer Insel ist, wird die Kirchenfrau wieder mithelfen: Evakuierungszentren vorbereiten und Saatgut organisieren, das sich nach einer Katastrophe schnell aussäen lässt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. November 2017 um 14:15 Uhr.

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