Flüchtlinge kommen in Karlsruhe in der Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Baden-Württemberg an | Bildquelle: dpa

Debatte über Einwanderungspolitik Kirchen gegen CSU-Asylpläne

Stand: 15.02.2016 17:25 Uhr

Die CSU bekommt aus den Kirchen Gegenwind für ihre Forderung nach beschleunigten Asylverfahren. Der Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, mahnte im SWR, es sei nicht nur die Aufgabe der Kirche, sondern auch von Politik und Zivilgesellschaft, "an der Seite der Schwachen zu stehen". Außerdem sei das Grundgesetz ernst zu nehmen, "nämlich dass die Würde des Menschen unantastbar ist und auch das Asylrecht", so Bedford-Strohm.

Bedford-Strohm | Bildquelle: picture alliance / dpa
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EKD-Chef Heinrich Bedford-Strohm fordert: Die Kirchen sollten auf der Seite der Schwachen stehen.

Kardinal Marx, Erzbischof von München | Bildquelle: dpa
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Seit katholischer Kollege Kardinal Marx warnt vor Pauschalisierungen in der Einwanderungspolitik.

Auch der oberste Katholik in Deutschland, Reinhard Kardinal Marx, forderte die Politik auf, an einer "vernünftigen Einwanderungspolitik" zu arbeiten. Im Gespräch mit dem rbb sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, diese politische Debatte müsse klar von der aktuellen Diskussion über den Umgang mit Flüchtlingen getrennt werden. Schließlich gebe es in Deutschland viele geduldete Asylbewerber, die "wir einfach nicht zurückschicken können". Zugleich kritisierte Marx die von der CSU vorgenommene Trennung in Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlinge. Da der Komplex Asyl sehr vielschichtig sei, sei die Einteilung der Christsozialen wenig hilfreich. "Pauschale Lösungen lehnen wir als Kirchen ab", so Marx deutlich.

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Die Flüchtlinge werden in der Regel zunächst in Gemeinschaftseinrichtungen untergebracht - wie hier in der Bayernkaserne in München. | Bildquelle: dpa

Deutliche Kritik an "Pegida"

Marx und Bedford-Strohm nahmen auch erneut direkt Bezug auf die "Pegida"-Demonstranten. Marx erklärte, er halte die gesamt Stoßrichtung der Gruppe für inakzeptabel, warnte aber auch davor, "Pegida" überzubewerten. Man solle nicht den Eindruck erwecken, es handele sich um die "wichtigste politische Bewegung in unserem Land", sagte Marx. Bedford-Strohm sagte, die Kirchen müssten gegen fremdenfeindliche und menschenverachtende Äußerungen sowie den Missbrauch von "christlich" "ganz klare Kante zeigen". Zugleich mahnte er aber, die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen und politisch an der Wurzel zu packen. "Bei der Diskussion um die Armut - Altersarmut zum Beispiel".

Kommunen loben CSU-Vorstoß

Zuspruch für ihre einwanderungspolitischen Forderungen bekam die CSU dagegen von den Kommunen: "Der Deutsche Städte- und Gemeindebund spricht sich für eine weitere Beschleunigung der Asylverfahren aus", sagte dessen Geschäftsführer Gerd Landsberg der "Rheinischen Post". Grundsätzlich müssten sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge schneller abgeschoben werden, um dann Bürgerkriegsflüchtlingen besser und effektiver helfen zu können, sagte Landsberg.

Die CSU hatte zuletzt in einem Positionspapier zur anstehenden Klausur in Wildbad-Kreuth gefordert, sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge schneller abzuschieben.

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