Mitglieder der jüdischen Gemeinde in der Synagoge in Chemnitz (Archivfoto vom 06.09.2015) | Bildquelle: dpa

Zentralrat der Juden rät "Statt Kippa lieber eine Basecap"

Stand: 24.04.2018 13:42 Uhr

Die jüngsten Übergriffe auf zwei Kippa tragende Männer in Berlin haben auch den Zentralrat der Juden alarmiert. Dessen Präsident Schuster rät davon ab, als Einzelperson in Großstädten Kippa zu tragen.

Der Fall des Kippa-Trägers, der in Berlin von einem syrischen Flüchtling attackiert wurde, sorgt für Entsetzen und heftige Diskussionen. Alarmiert ist auch der Zentralrat der Juden in Deutschland. Präsident Josef Schuster rät Juden davon ab, sich in Großstädten öffentlich mit einer Kippa zu ihrer Religion zu bekennen.

"Trotzig bekennen wäre im Prinzip der richtige Weg", sagte er dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). "Trotzdem würde ich Einzelpersonen tatsächlich davon abraten müssen, sich offen mit einer Kippa im großstädtischen Milieu in Deutschland zu zeigen." Stattdessen solle man lieber "eine Basecap oder irgendetwas als Kopfbedeckung tragen".

Er habe jedoch das Gefühl, dass "man im Großteil der Gesellschaft verstanden hat, dass wir auch an einem gewissen Wendepunkt angekommen sind".

Schuster sagte weiter, wenn es nicht gelinge, offenem Antisemitismus entgegenzutreten, sei die Demokratie in Gefahr. "Denn es geht nicht nur um Antisemitismus, damit einher geht auch Rassismus, damit einher geht auch Fremdenfeindlichkeit. Hier bedarf es eines klaren Stoppschildes", sagte der Zentralratspräsident.

Zentralrat der Muslime sieht Antisemitismus als "Sünde"

Auch der Präsident des Zentralrats der Muslime in Deutschland,Aiman Mayzek, hat sich in der "Rheinischen Post" entschieden gegen Antisemitismus gewandt: "Antisemitismus, Rassismus und Hass sind große Sünden im Islam, deshalb werden wir das auch niemals dulden." Er macht für Judenfeindlichkeit in Deutschland vor allem rechtsextreme Kräfte verantwortlich. Der Blick auf die Kriminalstatistik zeige, dass die meisten antisemitischen Straftaten "rechts motiviert" seien. Gleichwohl nehme es der Zentralrat der Muslime "sehr ernst, dass bei einigen Flüchtlingen eine Judenfeindlichkeit vorhanden ist".

Zwischenfall in Berlin sorgt für Entsetzen

Am vergangenen Dienstag waren auf einer Straße im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg zwei Männer im Alter von 21 und 24 Jahren beleidigt und attackiert worden, wobei ein Täter einen von ihnen mit einem Gürtel schlug und leicht verletzte. Die beiden Opfer trugen zum Zeitpunkt des Angriffs Kippas. Nach dem Übergriff stellte sich ein 19-jähriger Tatverdächtiger der Polizei. Der Angriff löste abermals eine Debatte über Antisemitismus in Deutschland aus. 

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte nach dem Vorfall neue Formen des Antisemitismus beklagt. Es gebe neue Phänomene, indem Flüchtlinge oder Menschen arabischen Ursprungs eine andere Form von Antisemitismus ins Land brächten, sagte sie dem israelischen Nachrichtensender "Channel 10 News". Antisemitismus habe es aber auch schon vor der Ankunft vieler Flüchtlinge in Deutschland gegeben.

Solidaritätsaktionen in vielen Städten

Derweil werden in mehreren deutschen Städten Solidaritätskundgebungen für jüdische Mitbürger vorbereitet: Unter dem Motto "Berlin trägt Kippa" ruft die Berliner Jüdische Gemeinde in der Hauptstadt zu einer Solidaritätsaktion auf. Als Redner werden Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), der Gemeindevorsitzende Gideon Joffe und auch Zentralratspräsident Schuster erwartet.

Solidaritätsaktionen mit den jüdischen Gemeinden sind unter anderem auch in Potsdam, Köln sowie in Thüringen geplant.

Der Stadtkämmerer von Frankfurt am Main, Uwe Becker (CDU), hatte angekündigt, am 14. Mai unter dem Motto "Zeig' Gesicht und Kippa" aus Solidarität einen ganzen Tag lang eine Kippa tragen zu wollen.

Als Zeichen ihrer Solidarität posten seit Tagen Menschen unter dem Schlagwort #WirsindauchJuden Bilder in sozialen Netzwerken, auf denen sie Kippa tragen.

Über dieses Thema berichtete Radioeins (RBB) am 24. April 2018 um 07:37 Uhr in der Sendung "Der schöne Morgen". Tageschau24 berichtete um 12:30 Uhr in den "Hundert Sekunden"

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