Kinder arbeiten auf der undatierten Aufnahme von Amnesty International in einer Kobaltmine im Kongo. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Amnesty International "Konzerne profitieren weiter von Kinderarbeit"

Stand: 15.11.2017 09:28 Uhr

Schon mit sieben Jahren arbeiten Kinder im Kleinbergbau von Kobalt im Kongo. Auf diese Missstände wurde schon 2016 hingewiesen, mahnt Amnesty International. Getan habe sich seitdem nicht viel. Aus dem Kongo beziehen große Konzerne Kobalt für ihre Akku-Produktion.

Führende Elektronikhersteller wie Apple, Samsung oder Sony, aber auch deutsche Autokonzerne wie BMW, Daimler und Volkswagen profitieren nach Angaben von Amnesty International weiterhin von Kinderarbeit in der Demokratischen Republik Kongo. Das geht aus einem Bericht der Menschenrechtsorganisation hervor. In den Kobalt-Minen des zentralafrikanischen Landes, aus denen laut Amnesty mehr als die Hälfte des weltweiten Kobaltbedarfs gedeckt wird, riskierten demnach schon Kinder ab sieben Jahren ihr Leben und ihre Gesundheit.

Immer mehr Energiespeicher werden in Elektroautos, Smartphones und für erneuerbare Energien gebraucht, dadurch steige auch die Nachfrage des für diese Technologien verwendeten Kobalts, erklärt Amnesty. Doch von den 29 untersuchten Unternehmen sei keines seinen Sorgfaltspflichten hinreichend nachgekommen, Menschenrechtsverletzungen zu unterbinden.

Mängel bei BMW, VW und Daimler

Besondere Defizite weist dem Bericht zufolge die Autobranche auf. BMW habe sich in einigen Aspekten verbessert und schneide unter den Autoherstellern als bester ab, zeige jedoch weiterhin "deutliche Mängel", so Amnesty. Volkswagen und Daimler wiesen demnach "erhebliche Mängel" auf. Einige Unternehmen hätten die Kontrollen der Kobalt-Lieferketten zwar verbessert, seien aber noch weit davon entfernt, lückenlos zu prüfen, erklärt der Amnesty-Experte Mathias John. Bei allen Unternehmen mangele es an Transparenz. Es bestehe die Gefahr, dass der Käufer eines Smartphones, Laptops oder E-Autos unwissentlich Kinderarbeit fördere.

Amnesty International: "Bund muss eingreifen"

Amnesty International fordert deshalb, dass die neue Bundesregierung endlich verbindlich die Einhaltung von Sorgfaltspflichten vorschreiben müsse. Das Thema gehöre auch in die derzeitigen Sondierungsverhandlungen für eine Jamaika-Kolition. Alle kobaltverarbeitenden Unternehmen in der Lieferkette müssten im Einklang mit den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte und den Leitsätzen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für Minerale ihre menschenrechtliche Sorgfaltspflicht erfüllen. Das gelte von der Mine über die Verhüttung bis zur Produktionsstätte. Bei Menschenrechtsverstößen müssten sie Gegenmaßnahmen ergreifen und für Abhilfe sorgen.

BMW: "Kinderarbeit geht gar nicht"

Logo von BMW
galerie

BMW legt nach eigenen Angaben strenge Standards an

BMW erklärte, bereits strenge Standards anzulegen, aber jedes Restrisiko bei Umwelt und Menschenrechten ausschließen zu wollen. "Kinderarbeit geht gar nicht", so ein Sprecher gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Der BMW-Sprecher weiter: "Wir gehen davon aus, dass wir keine Kinderarbeit in unseren Produkten drin haben." Den Lieferanten sei dies sehr deutlich gemacht worden. Zudem beziehe BMW Kobalt nicht aus Kleinminen, in den häufig Kinder eingesetzt würden. Allerdings könne es zu einer Vermischung kommen. Man wolle auch das Restrisiko ausschließen. Das gelte für die Umwelt wie für die Menschenrechte. Deshalb wolle BMW nicht nur wie bisher die Lieferanten, sondern auch die Kobalt-Schmelzen veröffentlichen und erwäge ein Projekt im Kongo, das allerdings noch nicht näher bezeichnet werden könne.

Daimler: "Nehmen genannte Themen sehr ernst"

Mercedes-Stern
galerie

Daimler will Maßnahmen prüfen

Daimler betonte, dass alle Lieferanten vertraglich hohe Anforderungen an Arbeitsbedingungen sowie Sozial- und Umweltstandards erfüllen müssten. "Wir nehmen die im Bericht von Amnesty International genannten Themen sehr ernst", so eine Daimler-Sprecherin. Man werde die laufenden Prozesse und Maßnahmen prüfen. Von VW war zunächst keine Stellungnahmen zu erhalten.

Anfang 2016 hatte Amnesty die Weltkonzerne erstmals mit den Missständen in den Kobalt-Minen der Demokratischen Republik Kongo konfrontiert, aus denen mehr als die Hälfte des globalen Kobaltbedarfs gedeckt wird. Damals wurde die Zahl arbeitender Kinder in den Minen im Kongo auf bis zu 40.000 geschätzt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. November 2017 um 08:00 Uhr.

Darstellung: