Ein Mädchen mit Husten ( Archivbid 2009) | Bildquelle: dpa

Infektionen in Deutschland Keuchhusten - so viele Fälle wie noch nie

Stand: 08.02.2017 11:57 Uhr

In Deutschland sind 2016 ungewöhnlich viele Menschen an Keuchhusten erkrankt - das Robert-Koch-Institut zählte mehr als 22.000 Fälle. Das ist der Höchststand seit Beginn der Meldepflicht im Jahr 2013. Den Grund dafür sehen Experten unter anderen in Impflücken.

Die Zahl der Keuchhusten-Infektionen in Deutschland ist auf einen neuen Höchststand gestiegen. Im Jahr 2016 registrierte das Robert Koch-Institut (RKI) 22.119 Fälle. Das sind mit Abstand die meisten seit dem Beginn der bundesweiten Meldepflicht im Jahr 2013. Damals waren es rund 12.600 Patienten pro Jahr, 2015 rund 14.000.

"Wir sehen hier wahrscheinlich beides: eine Krankheitswelle, aber auch eine zunehmend bessere Erfassung", sagte Wiebke Hellenbrand, Infektionsforscherin am RKI. Impflücken begünstigten Ansteckungen.

Bereits 1554 gemeldete Fälle seit Jahresbeginn

Gerade im ersten Lebensjahr kann Keuchhusten (Pertussis) eine ernste gesundheitliche Bedrohung für Kinder sein. Seit Jahresbeginn wurden bereits 1554 neue Keuchhusten-Patienten an das RKI gemeldet. Hellenbrand kann nur vermuten, dass die Welle auch mit einem typischen Zyklus der Erregers zu tun hat: In Ostdeutschland werden Pertussis-Infektionen bereits seit 2002 erfasst. Höhepunkte waren die Jahre 2007 und 2012 - die Zeit könnte also wieder reif sein.

Kranke Frau mit Husten | Bildquelle: picture alliance / Arco Images
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Hinter hartnäckigem Husten kann auch manchmal eine hochansteckende Infektion stecken.

Der Schrecken, den Keuchhusten vor der Schutzimpfung seit den 1930er-Jahren hatte, ist fast vergessen. Damals seien in Deutschland 10.000 Säuglinge pro Jahr an der hochansteckenden Infektion gestorben, so Hellenbrand. Die Bakterien verbreiten sich durch Husten, Niesen oder Sprechen über winzige Tröpfchen aus dem Nasen-Rachen-Raum.

Die meisten Kinder sind geimpft

Bei der Einschulung waren nach den jüngsten RKI-Daten für 2014 fast 97 Prozent der Kinder in Ostdeutschland und 95 Prozent in Westdeutschland gegen Keuchhusten geschützt. Ganz anders bei den Erwachsenen - da ist es je nach Lebensalter nur jeder Fünfte bis Zehnte. Bei jungen Eltern hat ein Drittel einen Impfschutz, bei Schwangeren ein Fünftel. Dabei gelten Familien mit kleinen Kindern als Hauptrisikogruppe. "Keuchhusten ist bei der Bevölkerung und auch bei Hausärzten noch nicht vollständig im Bewusstsein", sagte Hellenbrand. Dazu kommt, dass die Impfung ihre Tücken hat. Sie muss immer wieder aufgefrischt werden.

Impfpass | Bildquelle: dpa
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Eine Impfung gegen Keuchhusten (Pertussis) gehört zu den Kombinationsimpfungen.

Mehrere Teilimpfungen bei Kleinkindern

Allein bei Kleinkindern sind es vier Teilimpfungen gegen Keuchhusten. Dazu kommen zwei Auffrischungen, einmal im Kindes-, einmal im Jugendalter. Für Erwachsene wird ein Pertussis-Schutz zusammen mit der Auffrischung für Tetanus und Diphtherie empfohlen - aber vielfach einfach vergessen. "Wahrscheinlich reicht der empfohlene Abstand von zehn Jahren auch nicht aus", sagte Hellenbrand.

Keuchhusten - hochansteckend

Keuchhusten (Pertussis) ist weltweit eine der häufigsten Atemwegsinfektionen. Pertussis wird durch Bakterien verursacht und ist hochansteckend - in der Regel ist es aber nur für Neugeborene lebensbedrohlich. Am Anfang zeigen sich für ein bis zwei Wochen leichte Beschwerden mit Schnupfen, Husten und Schwächegefühl. Danach ist ein langwieriger, trockener Husten typisch. Es kommt zu krampfartigen Hustenstößen, die häufig mit einem keuchenden Einziehen der Luft enden. Die Hustenanfälle treten bei vielen Betroffenen vorwiegend nachts auf. Die Infektion dauert in der Regel vier bis sechs Wochen. Nur im Frühstadium lässt sich Keuchhusten erfolgreich mit Antibiotika behandeln.

Für Erwachsene: Auffrischungsimpfung empfohlen

Die Auffrischungsimpfung gegen Keuchhusten für Erwachsene wird seit 2009 empfohlen. Sie wird mit der Impfung gegen Tetanus und Diphtherie kombiniert. Weder eine durchgemachte Erkrankung noch die Grundimmunisierung im Kindesalter schütze ein Leben lang vor der Erkrankung, teilte die AOK mit.

Impfschutz erloschen? Erneute Ansteckung möglich

Erlischt der Impfschutz, können sich Menschen auch nach überwundener Infektion erneut anstecken. Ist eine junge Mutter nicht geimpft, hat ihr Baby bis zur ersten Immunisierungsmöglichkeit im Alter von zwei Monaten keinen Schutz. Es gebe deshalb Überlegungen, Schwangeren die Impfung generell zu empfehlen, sagte die RKI-Expertin. Zumindest kommt die Keuchhusten-Forschung mit der Meldepflicht nun weiter voran. "Wir hatten noch nie so viele Daten."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. Februar 2017 um 15:11 und 17:11 Uhr.

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