Volker und Siegfried Kauder Nicht viel Luft für Bruderliebe

Stand: 26.07.2013 01:35 Uhr

Der eine ist Unionsfraktionschef. Dem anderen droht der Rauswurf aus der CDU. Die Geschichte der Kauder-Brüder ist die einer schleichenden Entzweiung. Vor dem endgültigen Bruch steht heute noch eine Instanz: der Kreis-Wahlausschuss Schwarzwald-Baar.

Von Malte Pieper, MDR, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

Die Geschichte könnte man so erzählen: Es waren einmal zwei Brüder. Der eine, der ältere, Volker, war meist der, der voran ging. Der, der dem anderen immer ein paar Schritte vorauseilte. Der andere, der ein Jahr jüngere Siegfried, hastete hinterher.

Beide werden Juristen, beide treffen sich 2002 im Bundestag wieder. Volker Kauder ist inzwischen weit oben angekommen: Parlamentarischer Geschäftsführer, bald wird er Fraktionschef der Union sein.

Volker (links) und Siegfried Kauder (Bildquelle: dpa)
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Ein Bild aus besseren Tagen: Volker Kauder (links) sein Bruder Siegfried

Siegfried dagegen rühmt sich seines eigenen Kopfes. Er ist kein einfacher Typ, sieht sich in der Rolle des unbequemen Mahners. Doch je länger er in Berlin ist, desto eigenbrötlerischer wird Siegfried. Auch umso kompromissloser.

Bereits 2011 gibt er seinen Kollegen in seiner Funktion als Vorsitzender des Rechtsausschusses mit auf den Weg: "Ich bin der Meinung, dass wir ein selbstbewusstes Parlament brauchen. Das heißt, Parlamentarier, die ihre Rechte auch wahrnehmen und nicht abwarten, bis ein Gesetzentwurf aus der Regierung in den deutschen Bundestag gelangt, um dann zu sagen: 'Wir stimmen zu, man kann ja auch nichts mehr ändern, das ist mit dem Koalitionspartner auf jeden Punkt und Komma so besprochen.'  Das ist reines Abnicken eines Gesetzentwurfs. Und so stelle ich mir Parlamentarismus und Demokratie nicht vor."

Volker und Siegfried Kauder: Kain gegen Abel im Bundestag
M. Pieper, ARD Berlin
26.07.2013 09:00 Uhr

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Den Putsch selbst provoziert

Ähnlich kompromisslos tritt Siegfried auch in seinem Wahlkreis auf. Immer wieder kommt Kritik, er antworte nicht auf Anfragen, sei nie zu erreichen. Stattdessen erfahren seine Parteifreunde aus der Zeitung, dass er sein Wahlkreisbüro ins Haus der eigenen Rechtsanwaltskanzlei verlegt hat. Der ehemaligen CDU-Kreisgeschäftsführerin erteilt Siegfried Kauder Hausverbot.

Irgendwann gärt es in der Kreis-CDU so gewaltig, dass Siegfied Kauder Ende vergangenen Jahres einen jungen Kandidaten vorgesetzt bekommt: Thorsten Frei, den Oberbürgermeister von Donaueschingen, der Kauder in der parteiinternen Ausscheidung mit folgenden Worten haushoch schlägt: "Ich glaube, man muss nicht in die Details einsteigen, um zu erkennen, dass es bei uns nicht gerade rund läuft. Dass wir eine Situation der Sprachlosigkeit zwischen Personen, vielleicht auch Flügeln innerhalb unserer Partei haben, dass wir nach innen zerstritten sind und nach außen ein verheerendes Bild abgeben."

"Eine Wahlurne ist verschwunden"

Siegfried Kauder gibt nicht auf. Er verstrickt sich in Verschwörungstheorien. Im Deutschlandfunk begründet er seinen Sturz kürzlich wie folgt: "Im Laufe des Nominierungsverfahrens sind Dinge geschehen, die alles andere als christlich und demokratisch sind. Das auszuführen, wäre zu kompliziert. Eine Wahlurne ist verschwunden."

Thorsten Frei (Bildquelle: picture alliance / dpa)
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Offizieller Kandidat der CDU: Der Oberbürgermeister der Stadt Donaueschingen, Thorsten Frei.

Nun hat er Unterschriften gesammelt, will als Unabhängiger antreten am 22. September. Gegen Frei, den offiziellen CDU-Kandidaten in seinem Wahlkreis Schwarzwald-Baar. Sollte der zuständige Kreis-Wahlausschuss am heutigen Freitag grünes Licht geben, dann dürfte es fast automatisch zum endgültigen politischen Bruch mit seinem Bruder kommen.

Denn: In dem Fall will die Schwarzwald-CDU entscheiden, wie sie gegen Siegfried Kauder vorgeht. Und Volker Kauder ließ bereits per "Bild"-Zeitung wissen, Siegfried müsse dann raus aus der Partei. Oder wie es CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe juristisch korrekt formuliert: "Es ist gar keine Frage, dass laut Satzungsrecht der Union der Fall, dass jemand gegen einen offiziellen Bewerber der Union antritt, die Voraussetzung erfüllt, wonach regelmäßig ein Parteiausschluss zu erfolgen hat. Ich bedaure dies, nachdem Siegfried Kauder lange Zeit verdienstvoll in unserer Partei gewirkt hat."

Kein Platz für Bruderliebe

Es ist etwas zerbrochen zwischen den beiden Brüdern. Aber selbst die, die beide näher kennen in Berlin, können nicht erklären, was. Dass Siegfried Kauder auch schon mal die Kanzlerin im Regen stehen ließ, wenn er es für richtig hielt - das ist es nicht allein. Am Ende dürfte der Jüngere an seinem eigenen Dickschädel gescheitert sein. Der Ältere konnte und wollte ihm da nicht helfen.

"Wir treffen uns auf dem Flughafen, manchmal fliegen wir zusammen nach Berlin, man trifft sich mal. Viel Zeit haben wir nicht füreinander. Aber es wird dann schon miteinander diskutiert", sagte Siegfried Kauder 2011 über Volker Kauder. Heute sagt er, in ihrem Verhältnis sei nicht viel Luft für Bruderliebe.

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