Übung Smarter Projekt Notruf bei Netzausfall | Bildquelle: http://smarter-projekt.de/praxis

Katastrophen-App Wenn das Netz ausfällt

Stand: 30.01.2018 04:58 Uhr

Kein Internet, kein Telefon, kein Handyempfang: Deutsche Forscher haben eine App entwickelt, mit der man das Handy auch in einer Katastrophensituation benutzen kann.

Von Jan-Peter Bartels, HR

Ein Sturm wütet in Deutschland: Blitze zucken, Dauerregen zieht über das Land, das Wasser in den Flüssen steigt. Schulen und Behörden werden geschlossen, es gibt Tote und Verletzte. Besonders betroffen ist die Region rund um die kleinen Dörfer Ansbach, Brackingen und Cham. Hier bricht die Stromversorgung zusammen - nichts funktioniert mehr: kein Internet, kein Handyempfang, kein Freizeichen am Telefon. Samantha Beelitz sucht ihren Sohn. Sie weiß nicht, wie es Enrico geht, und wo er ist. Eben noch war er nur einen Anruf entfernt.

Forscher entwickeln App für Krisenfälle
tagesschau 12:00 Uhr, 30.01.2018, Jakob Schaumann, HR

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"Wir müssen mit Krisen rechnen"

Es gibt kein Mobilfunknetz - und doch kann Samantha Beelitz mit ihrem Handy Enrico in dieser Krisensituation eine Nachricht schicken. Das soll irgendwann in ganz Deutschland funktionieren. Noch allerdings ist das sturmgeschädigte "Ansbach" nicht echt und auch "Samantha Beelitz" gibt es nicht wirklich, sie ist "Person 36" in einer großen Feldübung des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).

Übung Smarter Projekt Notruf bei Netzausfall | Bildquelle: http://smarter-projekt.de/praxis
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Bei der Übung wurden Notfallsituationen simuliert.

125 Teilnehmer testen in drei verlassenen Dörfern auf einem Truppenübungsplatz bei Paderborn eine App. Um Hilfe rufen, Lebenszeichen senden, Angehörige suchen oder Verbandsmittel und Lebensnotwendiges über ein schwarzes Brett anfordern und tauschen: All das soll dadurch auch bei Netzausfall möglich werden. "Wir müssen mit Krisen rechnen. Orkane oder klimabedingte Katastrophen sind auch in Deutschland möglich und könnten zu kritischen Störungen in der Infrastruktur führen," sagt Jutta Helmerichs vom BBK: "Darauf müssen wir uns vorbereiten, und zwar angepasst an die Digitalisierung."

Übung Notruf bei Netzausfall auf dem Truppenübungsplatz Senne | Bildquelle: http://smarter-projekt.de/praxis
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Auf dem Truppenübungsplatz Senne bei Paderborn fand die Übung mit 125 Teilnehmern statt.

Eine Art virtueller Rucksack

"Smarter" heißt die App, die Bürgern wie "Samantha Beelitz" in der Krise helfen soll. Ein Gemeinschaftsprojekt von BBK, Technischer Universität Darmstadt und der Uni Kassel. Die App nutzt den WLAN-Chip in Handys, um jedes Smartphone mit allen anderen via WLAN erreichbaren Handys zu verbinden. So formt sich ein großes Netzwerk. Ein Prinzip, vergleichbar mit einem riesigen "Stille-Post"-Spiel: Das erste Smartphone "ruft" dem nächsten erreichbaren Gerät Infos zu, dieses Gerät wiederum reicht die Daten an ein drittes Handy weiter. So bildet sich eine Kette, durch die verschlüsselte Nachrichten übertragen werden können.

"Jedes Handy trägt alle Daten und Nachrichten in einer Art virtuellem Rucksack und tauscht diese mit jedem anderen verfügbaren Smartphone aus", erklärt Patrick Lieser von der TU Darmstadt. "Wann immer Teilnehmer in Reichweite voneinander kommen, verbreiten sie die Daten untereinander."

In verlassenen Gegenden sieht es schlecht aus

Dieses improvisierte, sogenannte "ad-hoc-Netzwerk" hat seine Nachteile: Die Zustellung der Nachrichten kann dauern. Denn das Weiterreichen von Handy zu Handy kostet Zeit - und der Datenaustausch kommt ins Stocken, wenn sich Lücken im Netzwerk bilden. Zwar kann ein heutiges Handy via WLAN rund 200 Meter funken, aber durch Mauern sinkt die Reichweite.

Befindet sich niemand im näheren Umkreis, kann eine Nachricht auch nicht weitergegeben werden und bleibt erstmal stecken. In verlassenen Gegenden hilft die App also nicht - und an Echtzeit-Kommunikation ist nicht zu denken. "Darauf muss man sich einstellen", sagte Lieser. "Aber das haben die Teilnehmer unseres Feldversuches auch realisiert. Das war für uns ein wichtiges Ergebnis: Die Menschen merken, dass das nicht wie WhatsApp ist. Eher wie ein Brief, bei dem man nicht weiß, wann er den Empfänger erreicht - ob er in einer Stunde zugestellt wird oder in einem Tag."

Katastrophen-App | Bildquelle: Screenshot http://smarter-projek
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Um Hilfe rufen, Lebenszeichen senden, Angehörige suchen oder Verbandsmittel und Lebensnotwendiges über ein schwarzes Brett anfordern und tauschen: All das soll mit der App auch bei Netzausfall möglich werden.

"Bis zur Marktreife ist es noch ein weiter Weg"

Auf den Ergebnissen der Übung, die im September stattfand, wollen die Forscher jetzt aufbauen. Immerhin 70 Prozent der Teilnehmer gaben im Nachhinein an, sie würden sich die App vorsorglich herunterladen wollen. "Wir sind zufrieden mit der Übung, vor allem mit der hohen Akzeptanz," so Helmerichs. "Uns ging es auch darum, die grundsätzliche Machbarkeit zu beweisen. Aber bis zur Marktreife ist es noch ein weiter Weg." Aktuell läuft "Smarter" nur auf Android-Telefonen und noch gibt es das Programm nicht in den App Stores. Ob und wann es angeboten werden könnte, ist unklar.

Denn vor einer möglichen Verbreitung werden auch noch Diskussionen mit den Herstellern der Handy-Betriebssysteme stehen: Die sehen eine Handy-Nutzung wie bei "Smarter" eigentlich nicht vor. Zwar können sich auch jetzt schon zwei Handys direkt miteinander verbinden, allerdings erst nach einer Sicherheitsabfrage, ob beide Besitzer diese Verbindung auch wirklich wollen. Diese Sicherheitsabfrage wird bei "Smarter" im großen Stil deaktiviert.

Dazu wird das Handy "gerooted". Durch diesen Eingriff in das Betriebssystem werden Zusatzfunktionen freigeschaltet, die von den Herstellern gesperrt sind. Deswegen erlischt dabei auch die Gerätegarantie. "Wir hoffen, dass sich da Lösungen finden. Wir wollten auch politisch aufwecken," sagt Lieser. "Die Menschen sollen sich in einer Krise selber helfen können." In der Übung hat das bei Samantha Beelitz geklappt: Dank "Smarter" hat sie ihren Sohn und ihren Mann gefunden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Oktober 2017 um 16:44 Uhr und die tagesschau am 30. Januar 2018 um 12:00 Uhr.

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