Jecken und Polizei auf dem Karneval in Köln | Bildquelle: dpa

Weiberfastnacht in Köln Wenn der Papagei die Kirsche knutscht

Stand: 04.02.2016 14:48 Uhr

Mit der Weiberfastnacht ist der Straßenkarneval in Köln gestartet. Und auch wenn die Regenwahrscheinlichkeit bei 100 Prozent liegt und Tausende Polizisten im Einsatz sind, wollen sich die Jecken den Spaß nicht nehmen lassen.

Von Philipp Glitz, WDR Köln

8.00 Uhr am Morgen, Tatort: U-Bahn: Die Szenerie ist für Fremde und Nicht-Karnevalisten nur schwer zu verkraften. Eine rote Kirsche, ein großer Papagei mit Schnabel und drei Cowboys mit Lederhut singen laut Karnevalslieder. An jeder Station steigen Clowns, Footballspieler und Marienkäfer dazu.

Dazwischen Pendler, die verzweifelt versuchen, das bunte Treiben irgendwie auszublenden. "Eigentlich flüchte ich dann immer aus Köln. Aber dieses Mal musste ich zur Arbeit", sagt Julian Schäfer. Der Verkäufer im Einzelhandel blickt nur selten von seinem Buch auf und verpasst deshalb, wie der Papagei die Kirsche in den Arm nimmt und innig küsst.

Die Stadtreinigung säubert draußen noch den Bahnsteig. Drei Männer in leuchtendem Orange, die sich nicht verkleidet haben, wischen den Boden. Auch wenn sie wissen, dass in wenigen Stunden das jecke Treiben losgeht. Köln solle ja strahlen für den Karneval, sagt einer mit stolzem Blick.  

Der Clown - hörbar angetrunken um 8.15 Uhr

Plötzlich laute Töne von Trömmelchen und Glockenspiel: Selbst der müde Julian Schäfer blickt von seinem Buch auf und schaut mit großen Augen aus der Bahn. 40 Männer und Frauen in grün-weißen Uniformen stehen vor einer Metzgerei und spielen Karnevalslieder. Der Straßenkarneval hat begonnen.

Ein Clown verwickelt Mini Maus in ein Gespräch - hörbar angetrunken um 8.15 Uhr. Mini Maus antwortet ihm nett und höflich: "Karneval ist dieses Jahr schon anders", sagt sie. "Aber das Feiern lassen wir uns nicht vom Wetter und nicht von Terroristen verderben." Fast hätte sie ihre Station verpasst. Sie springt auf, rempelt dabei Sherlock Holmes zur Seite und ruft beim Herausspringen noch einmal "Alaaf".

Weiberfastnacht und Sicherheit
tagesschau 20:00 Uhr, 04.02.2016, Charlotte Gnädiger, WDR

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Schunkeln zwischen Trotz und mulmigem Gefühl

Menschen strömen über die Domplatte in die Kölner Altstadt. Es sind weniger als vergangenes Jahr, schätzen zwei Ordnungskräfte, die das Treiben beobachten. Die Bierstände sind offen. Musik scheppert aus den Boxen. Köln schunkelt zwischen Trotz und einem mulmigen Gefühl.

"Gestern haben wir Bier in Massen gekauft", sagt Franco Collina. In seinem italienischen Restaurant in der Altstadt laufen Karnevalslieder in voller Lautstärke. "Ich bin gespannt, wie die jecken Tage werden. Silvester war für Köln eine Katastrophe, hoffentlich geht jetzt alles gut." Neben Kölsch und Schnaps verkauft der Italiener heute Wurst im Brötchen.

Vor dem Restaurant sammeln sich 150 Mann in festlichem Rot, Grün und Weiß. Guido Broining vom Traditionskorps "Altstädter Köln" ist optimistisch: "Wir lassen uns den Karneval nicht nehmen. Der Regen sollte möglichst nur bald aufhören."

Im Takt schlagen die Trommeln, im Takt marschieren die Männer durch die Altstadt. "Sicher fühlen wir uns, die Polizei ist ja präsent." Drei junge Piratinnen schauen dem Korps zu. "Köln ist eine tolle Stadt. Wir waren auch an Silvester hier und da war es friedlich, wo wir waren", sagt Christina Dahlmann. Man passe halt auch sonst auf, wenn man feiern geht.

Stimmung für Kölner Verhältnisse eher unterkühlt

Dennoch: Der Karneval gilt vor allem in Köln als Bewährungsprobe für Polizei und Ordnungskräfte. 2500 Beamte schieben sich in Gruppen durch die Straßen. "Es gibt eine deutlich niedrigere Einschreitschwelle. Das heißt, wir gehen deutlich früher in Situationen rein", erklärt Wolfgang Baldes von der Kölner Polizei. Auch von Überwachungsfahrzeugen mit Kameras beobachte die Polizei die Situation in Köln, damit sie auch schnell wüssten, wo es Gefahren gibt. 

Am Mittag setzt der Regen ein und die Menschen verschwinden in den Kneipen. Die Stimmung ist für Kölner Verhältnisse eher unterkühlt und die Plätze in der Altstadt kaum gefüllt.

Restaurantbesitzer Franco Collina freut sich über den Regen. "Das bringt die Leute in die Kneipen und die Gastronomie. So merken wir gar nicht, dass es deutlich weniger Leute sind in diesem Jahr."

Die Welt blickt auf das verregnete Köln

Das beobachten auch Kamerateams aus der ganzen Welt. Die BBC ist da, arabische Fernsehsender, Teams aus Spanien. Die Welt blickt auf das verregnete Köln und Edelgard Schumann versteckt sich hinter ihren dunklen Schirm. "Das ist ja alles verrückt hier", sagt die Berlinerin. Mit ihrem Mann ist sie zu Besuch in Köln. "Da drüben ist die Hölle los, ein bisschen mulmig ist mir schon",  sagt sie und deutet auf den Haufen aus Schnapsgläsern, Bierflaschen und Konfetti.

Während die einen ausgelassen feiern, können manche Besucher ihre Sorge nicht leugnen. Kölns Polizeipräsident Jürgen Mathies sagt, dass es trotz aller Maßnahmen eine hundertprozentige Sicherheit nicht geben könne.

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