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[Bildunterschrift: Hat der Papst den christlich-jüdischen Dialog beschädigt? ]
Eine Entscheidung des Vatikan über eine neue Karfreitagsfürbitte sorgt für Ärger unter deutschen Juden und Katholiken. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hat die Wiederzulassung einer früheren Karfreitagsbitte, in der Katholiken für die Erleuchtung der Juden beten, scharf kritisiert. Dieser beinhalte "eine subtile Aufforderung zur Judenmission", die "brüskierend, überheblich" und ein "deutlicher Rückschritt im christlich-jüdischen Dialog" sei.
Solange die katholische Kirche nicht auf die Fassung von 1970 zurückkomme, werde es keinen Dialog mit der jüdischen Gemeinde in Deutschland geben, sagte Knobloch Reuters TV. "Gerade diesem deutschen Papst ... hätte ich zugemutet, dass er aufgrund seines Alters das Diskriminieren des Judentums, die Ausgrenzung des Judentums kennengelernt hat." Sie habe sich nicht vorstellen können, "dass genau dieser deutsche Papst jetzt solche Formulierungen seiner Kirche aufdrängt".
Papst Benedikt XVI. hatte eine Karfreitagsfürbitte für die alte lateinische Messe wieder erlaubt, die nur in wenigen Gemeinden gefeiert wird. Sie lautet nun: "Lasst uns auch beten für die Juden, auf dass Gott unser Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus als den Retter aller Menschen erkennen."
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[Bildunterschrift: Als "deutlichen Rückschritt" bezeichnete Charlotte Knobloch die wiedereingeführte Karfreitagsfürbitte. ]
Knobloch sagte, Benedikts Vorgänger Papst Paul VI. habe 1970 eine Formulierung gewählt, die eine aufrichtige Wertschätzung des Judentums ausgedrückt habe. Heute werde stattdessen "einer Geringschätzung der jüdischen Religion das Wort geredet", wie sie einer "toleranten Theologie" nicht angemessen und deshalb gefährlich sei. Knobloch zeigte sich empört, dass die katholische Kirche "heute wieder meint, um das Seelenheil des jüdischen Volkes besorgt sein zu müssen".
Auch Knoblochs Stellvertreter Dieter Graumann sagte, der Papst solle die Formulierung "möglichst schnell, glaubwürdig und total" zurücknehmen. Er sprach von "Respektlosigkeit und Missachtung gegenüber Juden". Allerdings dürfe man nun nicht gleich alle Brücken zur katholischen Kirche abbrechen. Wegen der "dramatischen Verbesserungen" der vergangenen Jahrzehnte müsste die jüngsten Verletzungen offen angesprochen werden können.
[Bildunterschrift: Auftakt der diesjährigen Osterfeierlichkeiten im Petersdom ]
Auch in der katholischen Kirche sorgt die Fürbitte für Bedenken - beispielsweise bei dem Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff, der zugleich stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist. Er sei "unglücklich mit der Formulierung" und hoffe auf baldige klärende Gespräche mit Vertretern der Rabbiner in Deutschland.
Mussinghoff sagte weiter, die Bischofskonferenz habe den Wortlaut von 1970 vorgeschlagen. Dieser berücksichtige die "Würde Israels". Benedikts Vorstellung sei aber "ein Stück anders" gewesen.
Der Augsburger Theologieprofessor und katholische Vorsitzende des Gesprächskreises "Juden und Christen", Hanspeter Heinz, nannte in den Tagestehmen die Einladung an die Juden, an Jesus Christus als Erlöser zu glauben, eine "Bedrohung". Im Laufe der Geschichte seien die Juden gezwungen worden, Christen zu werden, andernfalls hätten sie ihr Leben verloren. Durch die Fürbitte seien diese Erinnerungen wieder wach geworden. Sie würde das Judentum nicht biologisch, sondern als Religion gefähren.
Laut Heinz gehe es dem Papst darum, Traditionalisten am rechten Rand wieder in die Kirche zu integrieren. Die Rücksichtnahme gegenüber diese Gruppe sei ihm wichtiger als die Achtung vor den religiösen Gefühlen der Juden. Bis heute habe sich Benedikt XVI. nicht, wie angekündigt, über die Absichten erklärt, die hinter der Änderung der Fürbitte stehen. "Ich frage mich auch, warum er die, die er verletzt hat, so lange warten lässt, denn es sind ja unsere Brüder", so Heinz weiter. Er erwarte die Rücknahme des "missverständlichen Textes" und eine Entschuldigung gegenüber den Juden.
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