Globke steht neben Adenauer

Adenauer-Ära Forschung zu NS-Altlasten des Kanzleramts

Stand: 26.11.2016 17:59 Uhr

Die Bundesregierung lässt die Geschichte des Kanzleramts auf NS-Altlasten untersuchen. Laut "Spiegel" wird vor allem die Personalie des früheren Kanzleramtschefs unter Adenauer, Hans Globke, im Visier der Forscher stehen.

Die umstrittene Personalie Hans Globke aus der Ära des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer soll Gegenstand eines wissenschaftlichen Projekts der Regierung werden. Wie "Der Spiegel" schreibt, will Kulturstaatsministerin Monika Grütters unter anderem die NS-Wurzeln im Kanzleramt der Nachkriegszeit untersuchen lassen.

Das Projekt mit einem Millionenetat solle die "personelle Kontinuität und Diskontinuität zur Zeit vor 1945" sowie die "Netzwerkbildung zwischen dem Kanzleramt, den Bundesministerien und Landesbehörden" klären. Grütters ziele damit auf Globke, den langjährigen Kanzleramtschef unter Adenauer, schreibt das Magazin.

Kommentar zu "Nürnberger Rassengesetzen"

Globke, der ab 1953 Kanzleramtschef war, war wegen des Vorwurfs von NS-Verstrickungen bereits während seiner Amtszeit umstritten. Es gab gegen ihn auch strafrechtliche Ermittlungen.

Globke hatte unter anderem 1936 einen Kommentar zu den Nürnberger Rassegesetzen mitverfasst und war in der NS-Zeit an Vorschriften zur Registrierung von Juden beteiligt.

Drei Millionen Euro für die Forschung

Grütters will für das Forschungsprogramm drei Millionen Euro zur Verfügung stellen, um die Frühgeschichte der Republik "behördenübergreifend" untersuchen zu lassen.

Antragsberechtigt sind laut Ausschreibungstext Forscher oder Forschergruppen an Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie Einzelforscher, deren Vorhaben an solche Einrichtungen angebunden sind.

Nach Angaben der Bundesregierung ist ein Viertel der Gesamtfördersumme "aufgrund der ressortübergreifenden Relevanz" für die Erforschung der Geschichte des Kanzleramts reserviert. Diese solle zudem als eigener Programmteil ausgestaltet werden.

Bislang vor allem isolierte Untersuchungen

Die Untersuchung von möglichen NS-Verbindungen in der Geschichte des Kanzleramts war immer wieder von unterschiedlichen Seiten gefordert worden. Ähnliche Untersuchungen gab es bereits für Ministerien und andere Bundesbehörden, allerdings in der Regel isoliert nur für die betreffende Institution.

Generell sollen einzelne Anträge bis zu einer Höhe von 400.000 Euro gefördert werden können, lediglich für das Kanzleramt könnte auch die Gesamtsumme von einer Million Euro für ein einzelnes Vorhaben abgerufen werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio Kultur am 01. Juni 2016 um 19:07 Uhr

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