Margot Käßmann

Reaktionen auf den Rücktritt Bedauern und Respekt für Käßmanns Rückzug

Stand: 25.02.2010 02:37 Uhr

Der sofortige Rückzug der bisherigen EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann ist vielerorts mit Bedauern aufgenommen worden. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) teilte nach der Entscheidung Käßmanns mit: "Die Gradlinigkeit und Klarheit in ihren theologischen, soziopolitischen und gesellschaftlichen Positionen werden der Evangelischen Kirche in Deutschland fehlen."

"Ihr Rücktritt ist ein schwerer Verlust für den deutschen Protestantismus", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der EKD-Synodenpräsidentin Katrin Göring-Eckardt sowie des stellvertretenden EKD-Vorsitzenden Nikolaus Schneider. Der Präses der evangelischen Kirche im Rheinland wird Käßmanns Spitzenamt vorläufig übernehmen. Eine Neuwahl erfolgt voraussichtlich bei der nächsten Synodentagung vom 5. bis 10. November in Hannover.

Schneider sagte im Interview mit den Tagesthemen, die EKD-Spitze habe an Käßmann appelliert, im Amt zu bleiben. Sie habe aber zurücktreten müssen, weil sie sich "selber nicht mehr frei genug" gefühlt habe. Schneider lobte die "sehr ideale" Zusammenarbeit mit Käßmann. Zwar habe das Amt des EKD-Ratsvorsitzenden "eine gewisse Beschädigung erfahren" - die Art von Käßmanns Rücktritt wiege dies aber mehr als auf: "Wenige Menschen gehen derart offen und ehrlich mit ihren Fehlern um."

Zollitsch wünscht Käßmann Gottes Segen

Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, drückte sein Bedauern aus. Er habe gerade erst die Zusammenarbeit in gemeinsamen Anliegen beginnen können, erklärte er in Freiburg. "Ich kenne Frau Käßmann seit langem als einen Menschen, der bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, respektiere gerade deshalb ihre Entscheidung und kann diesen Schritt verstehen." Er wünsche ihr in dieser schwierigen Stunde Gottes Segen und beziehe sie in seine Gebete ein. Zollitsch erklärte, er gehe davon aus, dass auch Käßmanns Nachfolger bereit sei, die Ökumene fortzusetzen.

"Für viele eine glaubwürdige Zeugin"

Leerer Stuhl nach dem Rückzug der bisherigen EKD-Vorsitzenden Käßmann
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Die Lücke nach dem Rückzug Käßmanns muss nun von der Evangelischen Kirche Deutschlands geschlossen werden.

Der evangelische Landesbischof von Bayern, Johannes Friedrich, würdigte Käßmanns Vorgehen nach ihrer Autofahrt im alkoholisierten Zustand: Das sei zwar keine Bagatelle gewesen, aber Käßmann habe ihren Fehler sofort eingestanden. "Gerade mit dieser Haltung, sich ohne Umschweife offen zu ihrem Scheitern zu bekennen, ist sie vielen Menschen seit Jahren eine glaubwürdige Zeugin für ein Leben aus der Vergebung des Glaubens", so der bayerische Landesbischof.

Das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland beklagte den Rückzug Käßmanns. In der kurzen Zeit ihres Vorsitzes habe man außerordentlich gut und konstruktiv zusammengearbeitet. Käßmann habe die sozialpolitischen Themen und die Anliegen der Menschen, die Hilfe brauchen, engagiert ins öffentliche Bewusstsein gerückt.

"Dafür sind wir ihr sehr dankbar. Allerdings respektieren wir ihre Entscheidung und ihren Mut, diesen Weg zu gehen", erklärten Diakonie-Präsident Klaus-Dieter Kottnik und Kerstin Griese, Vorstand Sozialpolitik im Diakonie Bundesverband.

Gabriel: "Verantwortung ohne Wenn und Aber"

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel zollte Käßmann Respekt dafür, dass sie Verantwortung "ohne Wenn und Aber" übernehme. Auch ohne ihre Ämter hoffe er, dass sie sich hin und wieder zu Wort melde, da sie bislang wichtige Debatten angestoßen habe. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sagte, Käßmann habe sich als "engagierte Christin in Wort und Tat, mit Herz und Verstand" eingesetzt.

Unionsfraktion: "Richtige Entscheidung"

Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm den Rücktritt Käßmanns laut einem Sprecher "mit Respekt und Bedauern" auf. Die Kanzlerin habe die Zusammenarbeit mit Bischöfin Käßmann sehr geschätzt.

Die kirchenpolitische Sprecherin der Unions-Bundestagsfraktion, Maria Flachsbarth, bezeichnete die Entscheidung Käßmanns dagegen als richtig. "Ich spreche ihr meinen ausdrücklichen Respekt aus für die Konsequenzen, die sie für ihr Fehlverhalten gezogen hat", sagte Flachsbarth. Käßmann habe so Schaden von ihrem Amt und der Kirche abwenden wollen. Das zeichne sie auch als wahrhaftige und geradlinige Frau aus.

Der Grünen-Politiker Volker Beck nannte Käßmanns Entscheidung übertrieben. Weder Geistliche noch Politiker seien Heilige, sondern alle seien fehlbar, so Beck.

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