Bischöfin Margot Käßmann

Nach Autofahrt unter Alkoholeinfluss EKD-Vorsitzende Käßmann tritt zurück

Stand: 24.02.2010 16:46 Uhr

Die Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, tritt mit sofortiger Wirkung von ihren Ämtern als EKD-Vorsitzende und Landesbischöfin von Hannover zurück. Das teilte die 51-Jährige in Hannover mit. Käßmann zieht damit die Konsequenzen aus einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss vom vergangenen Wochenende. Es gehe ihr auch um die Achtung vor sich selbst und ihre eigene Geradlinigkeit. Es tue ihr leid, dass sie viele enttäusche, die sie dringend gebeten hätten, im Amt zu bleiben.

Sie bezeichnete den Vorfall als "schweren Fehler" und sah ihre persönliche Überzeugungskraft nicht weiter als uneingeschränkt anerkannt: "Ich kann nicht mit der notwendigen Autorität im Amt bleiben", sagte Käßmann. "So manches, was ich lese in den letzten Tagen, ist mit der Würde des Amtes nicht vereinbar. Aber mir geht es neben dem Amt auch um Respekt und um Achtung vor mir selbst, und um meine eigene Geradlinigkeit, die mir viel bedeutet." Sie bleibe aber Pastorin der evangelischen Landeskirche. Käßmanns Spitzenamt bei der EKD wird bis zu einer Neuwahl im November ihr Stellvertreter Nikolaus Schneider, der Präses der evangelischen Kirche im Rheinland, übernehmen.

EKD-Rat stärkte Käßmann den Rücken

Der Rat der Evangelischen Kirche hatte zuvor seiner Vorsitzenden das Vertrauen ausgesprochen. In einer in der bisherigen EKD-Geschichte einmaligen Telefonkonferenz, an der auch Käßmann selbst teilnahm, hatten die 14 Ratsmitglieder des EKD-Rats gestern Abend getagt. Man habe sich einmütig hinter Käßmann gestellt, teilte EKD-Pressesprecher Reinhard Mawick am Vormittag mit. Die Entscheidung über ihren Verbleib an der EKD-Spitze überließ das Gremium aber ausdrücklich Käßmann selbst: "In ungeteiltem Vertrauen überlässt der Rat seiner Vorsitzenden die Entscheidung über den Weg, der dann gemeinsam eingeschlagen werden soll", hieß es.

Mit 1,54 Promille über eine rote Ampel gefahren

Am Dienstag war bekannt geworden, dass die bisherige EKD-Ratsvorsitzende am späten Samstagabend auf der Rückfahrt von einem privaten Termin angetrunken am Steuer ihres Dienstwagens gestoppt worden war. Die Polizei hielt sie in der Innenstadt von Hannover an, nachdem Käßmann eine rote Ampel ignoriert hatte. Eine Blutprobe ergab 1,54 Promille. Ab 1,1 Promille liegt in Deutschland absolute Fahruntüchtigkeit und eine Straftat vor. Käßmanns Führerschein wurde eingezogen, ein Strafverfahren eingeleitet.

Staatsanwaltschaft rechnet mit zügigem Verfahren

Die Staatsanwaltschaft rechnet mit einem zügigen Abschluss des Verfahrens zu Käßmanns Alkoholfahrt. Da im Moment nicht davon auszugehen sei, dass die EKD-Ratsvorsitzende bei ihrer Fahrt andere konkret gefährdet habe, sei alleine der ermittelte Wert von 1,54 Promille relevant, sagte Staatsanwalt Jürgen Lendeckel. Eine Trunkenheitsfahrt ohne konkrete Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer werde in der Regel mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen bestraft. Hinzu komme der Entzug der Fahrerlaubnis für zehn Monate bis zu einem Jahr. Das Strafverfahren werde in der Regel schriftlich abgewickelt und ende mit einem Strafbefehl.

Bei der Fahrt am späten Samstagabend hatte Käßmann einen Beifahrer. Dessen Personalien seien aber nicht aufgenommen worden, sagte der Sprecher des Innenministeriums in Hannover, Klaus Engemann. Ein Beifahrer spiele nur dann als Zeuge eine Rolle, "wenn der Fahrer völlig kontrollunfähig ist". Dies sei offensichtlich nicht der Fall gewesen.

Darstellung: