Zahlen der Jugendämter zum Kindeswohl 38.000 Kinder gefährdet

Stand: 29.07.2013 16:13 Uhr

Die Jugendämter in Deutschland haben 2012 bei knapp 107.000 Babys, Kindern und Jugendlichen geprüft, ob ihr Wohl in Gefahr ist. Das waren rein rechnerisch ungefähr acht von 1000 Minderjährigen, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Es ist das erste Mal, dass eine Erhebung dieser Art veröffentlicht wird.

Mehr als ein Drittel ist "latent gefährdet"

Ein Kind sitzt in seinem Zimmer und wirkt traurig.
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Bei etwa 0,8 Prozent aller Minderjährigen wurde geprüft, ob eine Gefährdung des Kindeswohls vorliegt.

Bei 68.000 Minderjährigen (64 Prozent) kamen die Fachkräfte zu dem Ergebnis, dass keine Gefahr vorliegt. In 21.000 Fällen (20 Prozent) konnte eine Gefährdung des Kindes nicht ausgeschlossen werden ("latente Kindeswohlgefährdung"). Bei etwa 17.000 Kindern (16 Prozent) sahen die Jugendämter das Kindeswohl akut als gefährdet an.

13.000 Minderjährige, oder zwei von drei Kindern, bei denen eine akute oder latente Kindeswohlgefährdung vorlag, wiesen Anzeichen von Vernachlässigung auf. In jedem vierten überprüften Fall stellten die Jugendämter Anzeichen für eine psychische Misshandlung fest. Bei fast genauso vielen, also etwa 28.000 Jugendlichen, gab es Hinweise auf körperliche Misshandlungen. Sexuelle Gewalt wurde bei fünf Prozent festgestellt.

Jeder zehnte Hinweis anonym

Am häufigsten haben Polizei, Gericht und Staatsanwaltschaft (17 Prozent) die Jugendämter auf eine mögliche Gefährdung der Kinder aufmerksam gemacht. In 14 Prozent der Fälle kam der Hinweis von Bekannten oder Nachbarn, in 13 Prozent von Schulen oder Kitas. Gut jeder zehnte Hinweis war anonym.

Eine Gefährdungseinschätzung wird vorgenommen, wenn dem Jugendamt gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls eines/einer Minderjährigen bekannt werden. In der Erhebung fehlen allerdings die Daten aus Hamburg, weil die dortigen Jugendämter keine Angaben machten.

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