Kind auf der Schaukel | Bildquelle: dpa

Mögliche Kindeswohl-Gefährdung Jugendämter schauen genauer hin

Stand: 04.10.2017 10:01 Uhr

Immer wieder sorgen spektakuläre Fälle von vernachlässigten Kindern für Empörung. Eine wichtige Kontrollinstanz, um solche Fälle zu verhindern, sind die Jugendämter. Und diese prüften 2016 deutlich häufiger als im Jahr zuvor, ob das Kindeswohl gefährdet war.

Die Jugendämter schreiten häufiger ein, um Gefahren für Kinder in ihren Familien abzuwenden. Dies geht aus Zahlen hervor, die das Statistische Bundesamt vorlegte. Demnach bearbeiteten die Jugendämter im vergangenen Jahr rund 136.900 Verfahren, um die Gefährdung eines Kindeswohls zu prüfen. Das sei ein Anstieg um 5,7 Prozent im Vergleich zu 2015.

Eine akute Gefahr für die Kinder wurde in 21.600 Fällen festgestellt, was einem Plus von 3,7 Prozent entspricht. Bei rund 24.200 Verfahren (+0,1 Prozent) konnte eine Gefährdung des Kindes zumindest nicht ausgeschlossen werden. Eine Kindeswohlgefährdung liegt vor, wenn eine erhebliche Schädigung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls des Kindes droht oder bereits vorliegt.

Hauptproblem ist Vernachlässigung

Die meisten der ungefähr 45.800 Kinder, bei denen eine akute oder latente Kindeswohlgefährdung vorlag, wiesen Anzeichen von Vernachlässigung auf (61,1 Prozent). In 28,4 Prozent der Fälle gab es Anzeichen für eine psychische Misshandlung. 25,7 Prozent wiesen Anzeichen für körperliche Misshandlung auf. Anzeichen für sexuelle Gewalt wurden in 4,4 Prozent der Fälle von Kindeswohlgefährdung festgestellt.

In rund 46.600 Fällen kamen die Jugendämter zu dem Ergebnis, dass zwar keine Kindeswohlgefährdung, aber ein weiterer Unterstützungsbedarf vorlag. In 44.500 Fällen wurden weder eine Kindeswohlgefährdung, noch weiterer Hilfebedarf festgestellt. Dies bedeutet ein Plus von 7,8 Prozent.

Viele Kleinkinder betroffen

Kleinkinder waren laut Statistischem Bundesamt besonders betroffen. Beinahe jedes vierte Kind (23,2 Prozent), für das ein Verfahren durchgeführt wurde, hatte das dritte Lebensjahr noch nicht vollendet. Drei- bis fünfjährige Kinder waren wie im Vorjahr von einem Fünftel (19,4 %) der Verfahren betroffen. Kinder im Grundschulalter (6 bis 9 Jahre) waren mit 22,7 % beteiligt. Mit zunehmendem Alter nehmen die Gefährdungseinschätzungen ab.

Hinweise von Behörden, Kitas und Bekannten

Am häufigsten machten Polizei, Gerichte oder Staatsanwaltschaften die Jugendämter auf eine mögliche Kindeswohlgefährdung aufmerksam - bei 22,1 Prozent der Verfahren. Bei 12,9 Prozent kamen die Hinweise von Schulen oder Kindertageseinrichtungen, bei 11,6 Prozent waren es Bekannte oder Nachbarn. Gut jeden zehnten Hinweis (10,4 Prozent) erhielten die Jugendämter anonym.

Das Statistische Bundesamt hatte erstmals 2013 Zahlen zu Prüfverfahren der Jugendämter dargelegt. Damals war in knapp 107.000 Fällen geprüft worden.

Über dieses Thema berichteten am 04. Oktober 2017 Deutschlandfunk um 10:00 Uhr, NDR Info um 10:15 und 11:15 Uhr jeweils in den Nachrichten sowie tagesschau24 um 12:30 Uhr in den "Hundert Sekunden".

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