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Zwar lobt die Linkspartei ihre Kandidatin in den höchsten Tönen, doch Lukrezia Jochimsens Chancen, Bundespräsidentin zu werden, sind gleich Null. Eines steht für die ehemalige Journalistin schon fest: Auch in einem möglichen dritten Wahlgang will sie nicht für den Kandidaten von Rot-Grün, Joachim Gauck, stimmen.
Von Stephan Ueberbach, SWR, ARD-Hauptstadtstudio
Sie ist die große Außenseiterin. Und sie ist chancenlos. Das Etikett "Zählkandidatin" aber will sich Lukrezia Jochimsen auf keinen Fall anheften lassen. Undemokratisch nennt sie das. Weil sie findet, dass es beim Wählen um eine Auswahl zwischen unterschiedlichen Bewerbern gehen muss. Und darum hat sie auch "Ja" gesagt, als die Parteispitze der Linkspartei bei ihr anklopfte: "Ich hab mich mit meinem Mann beraten und der hat gesagt, das ist doch großartig, das musst du machen", so Jochimsen.
[Bildunterschrift: Lukrezia Jochimsen, hier mit dem Fraktionschef Gregor Gysi (links) und den Parteivorsitzenden Gesine Lötzsch und Klaus Ernst, ist die Kandidatin der Linkspartei für das Bundespräsidentenamt. ]
Viel Zeit zum Überlegen hatte sie nicht. Schließlich wollte ihre Partei, die von SPD und Grünen bei der Kandidatensuche links liegen gelassen wurde, möglichst schnell mit einem eigenen Vorschlag kontern. Dass die Linkspartei den 70-jährigen Joachim Gauck als Mann der Vergangenheit ablehnen, aber selbst eine 74-Jährige in ein aussichtsloses Präsidentschafts-Rennen schickt ist für die Partei kein Widerspruch.
Linksfraktionschef Gysi nennt Lukrezia Jochimsen eine leidenschaftliche Kämpferin für Frieden, Freiheit und soziale Gerechtigkeit, und überhaupt "in jeder Hinsicht höchst geeignet" für das Amt des deutschen Staatsoberhaupts: "Sie ist eine Frau, die sich immer in der Kultur engagiert hat. Sie ist eine hochgebildete Frau und sie strahlt ein ganz hohes Maß an Würde aus", lobt Gysi die eigene Kandidatin.
1936 wird Lukrezia Jochimsen geboren, den Zweiten Weltkrieg erlebt sie als prägende Erfahrung. Den 8. Mai, den Jahrestag des Kriegsendes, will sie zum Nationalfeiertag machen. Als das Ehrenmal der Bundeswehr eingeweiht wird trägt sie einen Schal mit der Aufschrift "Nun erst recht. Raus aus dem Krieg" - und bekommt deshalb Ärger mit der Polizei. "Ich bin ein Kriegskind. Und aus dieser Zeit und auch von meinem Elternhaus heraus, ist Frieden für mich ein Lebensthema geworden", sagt Jochimsen.
[Bildunterschrift: Lukrezia Jochimsen - seit 2005 Abgeordnete der Linkspartei im Bundestag ]
Lukrezia Jochimsen ist studierte Soziologin, ihre Doktorarbeit hat das Thema "Zigeuner, eine Minderheit in Deutschland". Nach dem Studium arbeitet sie für Radio und Fernsehen, auch für den damaligen Südwestfunk. Zehn Jahre lang arbeitet sie für das Polit-Magazin Panorama, berichtet als ARD-Korrespondentin aus London, wird Chefredakteurin des Hessischen Rundfunks. 2001 geht Lukrezia Jochimsen in den Ruhestand und bekommt den Landesverdienstorden, ausgerechnet von Roland Koch (CDU), der damit - wie er sagt - eine seiner schärfsten Kritikerinnen ehrt.
Ihre politische Karriere beginnt Jochimsen 2002. Als parteilose Kandidatin tritt sie für die hessische PDS zur Bundestagswahl an, damals noch vergeblich. 2005 wird sie über die Landesliste Thüringen ins Parlament gewählt. Heute ist Lukrezia Jochimsen kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion, und sie ist die Frau, die aus dem Duell zweier Präsidentschaftskandidaten einen Dreikampf macht.
"Friedensstifterin, Vereinigerin und Schirmherrin für die Schwachen", so begreift Jochimsen ihre Kandidatur. Dass sie zwar die Verbrechen des SED-Regimes verurteilt, die DDR aber nicht als Unrechtsstaat bezeichnen will sorgt bei der politischen Konkurrenz für die erwartete und vielleicht auch einkalkulierte Empörung. Verständnis für diese Kritik hat Luc Jochimsen nicht und fordert für sich das Recht ein, ihr DDR-Bild mit eigenen Worten beschreiben zu dürfen.
Von ihrem rot-grünen Mitbewerber hat sie sich ebenfalls schon ein Bild gemacht. Selbst wenn es zu einem dritten Wahlgang kommen sollte - für Joachim Gauck will sie nicht stimmen.
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