Baden-württembergischer Verfassungsschutzbericht 2011 mit dem Schriftzug "Salafismus" | Bildquelle: dpa

Netzwerk zielt auf Christen Die Salafisten-Masche mit Jesus

Stand: 21.12.2014 18:07 Uhr

Das Netzwerk "Jesus im Islam" wächst. Laut Behörden ist es "in der Grundtendenz extremistisch" und schafft mit seiner Scharia-Propaganda den Nährboden für den Dschihadismus. Die Jugendlichen sprechen Gleichaltrige an.

Von Volker Siefert für tagesschau.de

Mitglieder von "Jesus im Islam“ verbreiteten ihre salafistische Propaganda in den vergangenen Monaten regelmäßig unter anderem in den Fußgängerzonen von Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Berlin, Frankfurt am Main, Stuttgart und Hamburg. Das Netzwerk besteht aus kleineren Gruppen von Mitgliedern, die meist noch Schüler sind. Sie werben unter Gleichgesinnten Spenden ein, um sich damit mit Werbematerial des Netzwerks einzudecken, wie etwa der Broschüre "Muslim und Christ im Dialog". Mit diesen ausgestattet sprechen die Salafisten in Fußgängerzonen gezielt Christen an.

Sie nutzen dabei das positive Image Jesu als Anknüpfungspunkt für Gespräche. Zunächst heben sie die Bedeutung Jesu im Islam als Vorgänger des Propheten Mohammed positiv hervor. In der zweiten Stufe sagen die "Jesus im Islam"-Anhänger ihrem Gegenüber, dass Jesus - anders als im christlichen Glauben angenommen - nicht der Sohn Gottes sei. Wer dies glaube, begehe eine schwere Sünde und müsse im Jenseits ewige Höllenqualen erleiden.

Der einzige Ausweg aus der ewigen Verdammnis sei der Übertritt zum Islam, so die Logik hinter der Propaganda. Mit jedem Konvertit sammelt ein Salafist Punkte auf seinem imaginären Konto für einen Eintritt ins Paradies.

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Teil des politischen Salafismus

"Jesus im Islam" kann dem politischen Salafismus zugeordnet werden. "Sie wollen nicht nur ihre Religion ausüben, sondern wirken mit ihrem Handeln auf eine Einführung des strengen islamischen Rechts der Scharia in Deutschland hin", sagt ein Sprecher des NRW-Innenministeriums. Auch wenn "Jesus im Islam" nicht offen für den gewaltbereiten Salafismus werbe, bereite das Netzwerk doch den Nährboden für den Dschihadismus und sei insofern "in der Grundtendenz als extremistisch einzustufen".

Das Netzwerk wirbt unter anderem für die Internetseiten des Konvertiten Marcel Krass. Der Rheinländer gilt als ein enger Weggefährte des Salafistenpredigers Pierre Vogel. Krass wurde vor zwei Jahren wegen seiner Betätigung in der Salafistenszene aus dem NRW-Schuldienst entlassen. Er ist mit einer in Mannheim ansässigen Firma verbunden, die Pilgerreisen nach Mekka organisiert. In einer DVD-Serie erläutert er seine Vorstellungen vom Jenseits und den Höllenqualen, die Nicht-Muslime seiner Meinung nach zu erwarten haben.

Außerdem bewirbt "Jesus im Islam" die Seite des Predigers Neil ibn Radhan. Dieser betreibt von Heilbronn aus eine Online-Koranschule. Nach Einschätzung des baden-württembergischen Landesamts für Verfassungsschutz interpretiert er den Koran "in einer aggressiv-kämpferischen und expansiven Art". In einem "jihadistischen Angriffskrieg gemachte Kriegsgefangene sind die legitimen Sklaven der Muslime", schreibt die Behörde über diese Interpretation. Nicht-muslimische Frauen dürften demnach als "Sexsklavinnen" benutzt werden.

Bald erfolgreich wie die "LIES"-Kampagne?

Salafist mit Koranausgaben | Bildquelle: dpa
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In mehreren Großstädten verteilten die "LIES"-Salafisten regemäßig Korane.

Welche Dynamik Missionierungsnetzwerke entwickeln können, hat in den vergangenen Jahren die Koran-Verteilung der "LIES"-Kampagne gezeigt. Diese wird von der radikal-salafistischen Plattform "Die Wahre Religion" gesteuert und hat nach eigenen Angaben 3000 Aktivisten, die in so gut wie allen Ballungsräumen in Deutschland mitunter mehrmals in der Woche "Dawa machen", wie sie ihre Missionierung nennen.

Experten sehen in solchen Missionierungsnetzwerken "Durchlauferhitzer" auf dem Weg zum militanten Dschihad. Die meisten der inzwischen weit mehr als 300 Dschihadisten aus Deutschland machten vor ihrer Ausreise nach Syrien oder in den Irak bei "LIES" mit.

Experten befürchten, dass "Jesus im Islam"-Mitglieder einen ähnlichen Weg gehen könnten. Das Netzwerk wächst dynamisch. Eindeutiger Schwerpunkt ist dabei NRW. Zweigstellen gibt es unter anderem in Essen, Duisburg, Dortmund, Bonn, Frankfurt, Berlin und Hamburg. Ein "Emir" genannter Anführer hält den Kontakt zu den Mitgliedern und organisiert die Verteilung des Propagandamaterials vor Ort.

"Möglichst viele Christen konvertieren"

Ein eigenes Konto für die Organisation konnte offensichtlich bislang noch nicht eingerichtet werden. Die Aktivisten sind meist noch Schüler und können kein Spendenkonto auf ihren Namen einrichten.

In einem kürzlich hochgeladenen Video beschreibt einer der Aktivisten, wie man Abhilfe schaffen will: Die Jugendlichen wollen sich demnächst mit Krass treffen, um zu erfahren, wie man nach England kommt, um dort ein Spendenkonto einzurichten. "Wir wollen die Dawa-Kasse auffüllen, wollen noch besser und professioneller arbeiten, damit möglichst viele Christen konvertieren", heißt es darin.

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