Gedenken an den Afrikaner Jalloh (Archivbild) | Bildquelle: dpa

Gutachten vorgestellt Neue Zweifel im "Fall Jalloh"

Stand: 27.10.2015 16:40 Uhr

Im Januar 2005 verbrannte der Sierra Leoner Oury Jalloh in deutschem Polizeigewahrsam. Wer hat das Feuer gelegt? Er selbst, wie die Justiz bislang glaubt? Oder waren es doch Polizisten? Neue Gutachten stellen die offizielle Version infrage.

Zehn Jahre, nachdem der Afrikaner Oury Jalloh in deutschem Polizeigewahrsam verbrannte, stellen neue Gutachten die offizielle Version des Hergangs infrage. Es spreche wenig dafür, dass der Brand in der Dessauer Zelle von Jalloh selbst gelegt wurde, sagten Gutachter aus England und Kanada bei einer Pressekonferenz in Berlin.

In Auftrag gegeben hatte die Gutachten die "Initiative in Gedenken an Oury Jalloh". Ihrer Ansicht nach wurde Jalloh von Polizisten getötet. Die Gutachter - zwei Brandsachverständige, ein Rechtsmediziner und ein Experte für Giftstoffe - erklärten allerdings, dass sie in den Unterlagen zu dem Fall auch für diese These keine Beweise gefunden hätten.

Waren Brandbeschleuniger im Spiel?

Was genau in der Polizeizelle passierte, ist bis heute ungeklärt. Fest steht nur, dass die Matratze brannte und der an Händen und Füßen gefesselte Jalloh in den Flammen umkam. Die Justiz hatte in mehreren Prozessen keine Anhaltspunkte für eine Fremdbeteiligung am Tod des Afrikaners im Januar 2005 gefunden.

Die Gutachter aus England und Kanada bezweifeln nun, dass Jalloh überhaupt in der Lage gewesen sei, den Brand mit dem damals gefundenen Feuerzeug selbst zu legen. Zudem würden Verlauf und Stärke des Feuers darauf hinweisen, dass Brandbeschleuniger wie Benzin eine Rolle gespielt hätten, auch wenn davon keine Überreste gefunden worden seien.

Der Dessauer Staatsanwalt Olaf Braun wies darauf hin, dass derzeit ein weiteres Ermittlungsverfahren laufe. Man müsse sehen, wie die neuen Erkenntnisse zu den bisherigen Ermittlungen passten.

Neue Erkenntnisse zum Tod von Oury Jalloh
tagesschau, 20:00 Uhr, 27.10.2015, Joachim Rüetschi, RBB

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