Rücken einer Frau

Gesundheitsverhalten der Deutschen Weniger Bier, mehr Sitzbälle

Stand: 27.10.2016 16:42 Uhr

Fast 700 Seiten dick ist das Statistische Jahrbuch - und jedes Jahr suchen sich die Datensammler des Bundes einen Schwerpunkt heraus. Nun ging es darum, wie gesund die Deutschen leben, wie sie sich fühlen - und was das kostet.

Von Katrin Aue, ARD-Hauptstadtstudio

Vor zehn Jahren war die Welt für Brauereien noch in Ordnung, auf den deutschen Bierdurst war Verlass. Vergangenes Jahr allerdings haben die Deutschen im Durchschnitt nur noch 98 Liter Bier getrunken. Das waren 13 Liter und damit fast anderthalb Kästen weniger als noch 2005.

Auch der Zucker- und Fettkonsum ist zurückgegangen. Gemüse kommt dagegen öfter auf den Teller. "Alles in allem gibt also es eine positive Entwicklung. Wir schränken uns bei als schädlich geltenden Produkten tendenziell eher ein", sagt Dieter Sarreither, Präsident des Statistischen Bundesamtes.

Auch Rauchen wird unbeliebter. Ein gutes Fünftel der Bevölkerung bezeichnet sich nach den jüngsten Zahlen als regelmäßiger Raucher. Vor zehn Jahren war es noch ein Viertel. Für Frauen ab 50 gilt dieser Trend allerdings nicht. Das schlägt sich auch in der Zahl der Krebserkrankungen nieder. "Im Jahr 2014 starben rund 15.500 Frauen an Lungen- und Bronchialkrebs, 41 Prozent mehr als 2004", so Sarreither.

Älter und damit anfälliger

Überhaupt führt die etwas gesundheitsbewusstere Lebensweise nicht dazu, dass die Deutschen im Durchschnitt gesünder werden. Denn gleichzeitig schlägt der demographische Wandel zu. Jungen, die heute geboren werden, haben eine Lebenserwartung von 78 Jahren, Mädchen von 83 Jahren. Und je älter die Bevölkerung ist, desto kränker ist sie und desto teurer ihre Behandlung.

"Wir haben im Jahr 2000 noch 213 Milliarden Euro für die Gesundheit insgesamt ausgegeben, im Jahr 2014 waren es 327 Milliarden Euro", sagt Sarreither und spricht von einer "gewaltigen Steigerung" bei den Ausgaben im Gesundheitssektor.

92 Euro pro Haushalt für die Gesundheit

Neben den Gesundheitskosten, die die Kassen tragen, fällt auch privat einiges an. Durchschnittlich 92 Euro monatlich gaben Haushalte im vergangenen Jahr für Gesundheit im weiteren Sinne aus - zum Beispiel für Sitzbälle gegen Rückenschmerzen oder Einlagen für Schuhe.

Und doch: Wenn Deutsche nach ihrer eigenen Einschätzung gefragt werden, wie gut es ihnen gesundheitlich geht, kommt Ermutigendes, wie Sabine Sattelberger vom Statistischen Bundesamt berichtet: "65 Prozent der Deutschen sagen derzeit, sie fühlen sich sehr gut oder gut. Das waren vor zehn Jahren etwas weniger, nämlich 60 Prozent", sagt Sattelberger. Acht Prozent der Befragten sagten, sie fühlten sich schlecht oder sehr schlecht. "Das waren vor zehn Jahren noch neun Prozent."

Mit steigendem Durchschnittsalter dürften allerdings auch diese Werte wieder negativer werden. Denn je älter, desto öfter krank, desto unzufriedener mit der eigenen Gesundheit. Diese Gleichung gilt nach wie vor.

Die Deutschen leben laut Statistischem Jahrbuch gesünder
K. Aue, ARD Berlin
27.10.2016 16:32 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 27. Oktober 2016 um 16:08 Uhr

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