Ein Leichnam wird abtransportiert | Bildquelle: dpa

Ermittlungen nach Terrorakt Auswärtiges Amt meldet zehn deutsche Todesopfer

Stand: 13.01.2016 14:53 Uhr

Beim Anschlag in Istanbul sind laut Auswärtigem Amt zehn Deutsche getötet worden. Wegen des terroristischen Hintergrunds leitete die Bundesanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren ein. Der Attentäter war nach Medienberichten als Flüchtling in der Türkei registriert.

Bei dem Terroranschlag in Istanbul am Dienstag sind zehn Deutsche getötet worden. Das hat das Auswärtige Amt mitgeteilt. Sieben Bundesbürger seien noch verletzt in Krankenhäusern, davon würden fünf auf der Intensivstation behandelt. Außerdem gebe es drei Leichtverletzte, die noch heute entlassen werden sollten. Eine 33-köpfige deutsche Reisegruppe sei direkt betroffen gewesen.

Opfer aus mehreren Bundesländern

Unter den deutschen Todesopfern sind zwei Männer und eine Frau aus Rheinland-Pfalz sowie ein Ehepaar aus Brandenburg. Das teilten die Landesregierungen mit. Auch ein Berliner wurde laut Angaben des Bürgemeisters Michael Müller getötet. 

Drei Tote kommen aus Sachsen. Das sei "traurige Gewissheit", sagte Ministerpräsident Stanislaw Tillich in Dresden. Nach Angaben des Innenministeriums handelt es sich um eine 70-Jährige aus Leipzig sowie zwei 51 und 75 Jahre alte Männer aus Dresden.

Zudem ist ein 67 Jahre alter Mann aus Nordhessen getötet worden. Seine 50-jährige Frau sei bei der Attacke verletzt worden, teilte die hessische Staatskanzlei mit. Die Opfer befanden sich nach Angaben des Reiseveranstalters auf einer Drei-Länder-Erlebnisreise. Wann und wie die Toten und Verletzten nach Deutschland überführt werden, ist noch nicht entschieden. Die Entscheidung trifft der Krisenstab des Auswärtigen Amtes.

Ermittlungsverfahren der Bundesanwaltschaft

Die Bundesanwaltschaft leitete wegen des Anschlags ein Ermittlungsverfahren ein. Das bestätigte die Behörde gegenüber der ARD in Karlsruhe. Dies geschieht bei Anschlägen im Ausland immer dann, wenn es den Verdacht eines terroristischen Hintergrundes und deutsche Opfer gibt. Zuletzt war dies nach den Anschlägen von Paris und am Strand von Tunesien der Fall. Der Schwerpunkt der Ermittlungen wird aber bei den türkischen Behörden liegen.

Inzwischen befinden sich auch vier Beamte des Bundeskriminalamts zur Unterstützung der Ermittlungen in Istanbul. Auch ein Kriseninterventionsteam des Auswärtigen Amts ist in die türkische Metropole gereist.

Kein Hinweis auf gezielten Angriff auf Deutsche

Bundesinnenminister Thomas de Maizière erklärte nach einem Treffen mit seinem türkischen Kollegen Efkan Ala in Istanbul, der Attentäter habe nicht gezielt deutsche Touristen als Opfer ausgesucht. "Ich sehe keinen Grund, von Reisen in die Türkei abzusehen", sagte er. Allerdings müssten die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes beachtet werden. Dort wird geraten, sich von größeren Menschenansammlungen fernzuhalten.

Mehrere deutsche Reiseunternehmen räumten Kunden dennoch die Möglichkeit ein, ihre Türkei-Reisen kostenlos zu stornieren. Jedes Jahr reisen etwa vier Millionen deutsche Touristen in die Türkei.

De Maizière besucht Istanbul nach Anschlag
tagesschau 17:00 Uhr, 13.01.2016, Oliver Mayer-Rüth, ARD Istanbul

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Attentäter als Flüchtling registriert

Der Selbstmordattentäter hat sich nach einem Medienbericht als syrischer Flüchtling in der Türkei registrieren lassen. Die Nachrichtenagentur DHA meldete unter Berufung auf die Polizei, dabei seien dem 27-Jährigen am 5. Januar in Istanbul Fingerabdrücke abgenommen worden. Diese hätten nun dabei geholfen, ihn als Attentäter zu identifizieren. DHA berichtete weiter, Fadli sei bei der Registrierung von vier Menschen begleitet worden, nach denen jetzt gefahndet werde.

Verdächtiger festgenommen

Es habe bislang etwa 65 Festnahmen gegeben, berichtet ARD-Korrespondent Michael Schramm. Darunter soll eine Person sein, die unter dringendem Verdacht steht, den Anschlag unterstützt zu haben. Noch nicht von türkischer Seite bestätigt, ist die Festnahme von drei russischen Staatsbürgern in Antalya mit angeblichen Verbindungen zum IS. Wie die russische Nachrichtenagentur RIA berichtete, bestätigte das russische Konsulat die Festnahmen. Ob diese in direktem Zusammenhang mit dem Anschlag von Istanbul stehen, ist noch unklar.

Michael Schramm, ARD Istanbul, mit Informationen zu den Festnahmen
tagesschau24 15:30 Uhr, 13.01.2016

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Medien: Warnung des türkischen Geheimdienstes

Die Zeitung "Hürriyet" berichtete zudem, dass der türkische Geheimdienst MIT vor Terrorangriffen unter anderem auf Touristen im Land gewarnt hatte. Es hieß, IS-Attentäter seien ins Land eingedrungen und planten Selbstmordanschläge "auf in der Türkei lebende Nichtmuslime, Ausländer, Tourismusregionen, von ausländischen Besuchern stark frequentierte Orte oder auf Botschaften und Konsulate der entsprechenden Länder und auf NATO-Einrichtungen im Land". Bei dem Anschlag vor der Blauen Moschee am Dienstag waren nach türkischen Angaben insgesamt elf Menschen getötet worden.

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