Bundesamt für Verfassungsschutz | Bildquelle: dpa

Möglicher Maulwurf Islamist beim Verfassungsschutz?

Stand: 29.11.2016 20:28 Uhr

Eigentlich soll der Verfassungsschutz die islamistische Szene ausleuchten. Doch jetzt wurde er offenbar selbst von einem Islamisten ausspioniert. Nach Informationen von NDR, WDR und SZ handelt es sich um einen Angehörigen eines Observationsteams. Der Fall gibt Rätsel auf.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hat einen Mitarbeiter als mutmaßlichen Islamisten enttarnt. Behörden bestätigte am Abend entsprechende Medienberichten. Der Beamte soll im Internet Posts verfasst haben, die auf eine islamistische Gesinnung hindeuten. Zudem soll er einen Anschlag auf die BfV-Zentrale in Köln geplant haben. Ermittelt wird gegen ihn nun wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und der versuchten Verletzung von Dienstgeheimnissen.

Der Mann habe die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bereits gestanden, teilte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf mit. In der Vernehmung soll er erklärt haben, einer Organisation anzugehören, die noch immer arbeite. Würde er freigelassen, würde er nach "Sham" gehen. So nennen Islamisten Syrien. Damit konnten die Ermittler auch Fluchtgefahr begründen und den Ex-Kollegen gleich in Untersuchungshaft einbehalten.

Doch nur ein Spinner?

Nach Informationen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung ist der 51-Jährige ein gebürtiger Spanier, inzwischen mit deutscher Staatsbürgerschaft, der vor zwei Jahren zum Islam konvertiert sein soll. Beim BfV war er Angehöriger eines Observationsteams. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Dem BfV fiel er nach der Verhaftung des Islamisten Abu Walaa am 8. November auf, wohnte auch ganz in der Nähe. Noch sei aber völlig unklar, ob es sich um einen ernst zunehmenden Fall oder einen Spinner handelt. Früher soll der Beamte Interesse daran gehabt haben, Freiheitskämpfer zu werden, er trägt eine Art Che-Guevara-Tätowierung.

"Zu allem bereit"

Der Verdächtige sei erst im April als Quereinsteiger beim Bundesamt für Verfassungsschutz eingestellt worden. Dort bekam er die Aufgabe, die gewaltbereite salafistische Szene in Deutschland zu beobachten, als Angehöriger eines Observations-Teams. Wie die Zeitung "Welt" berichtet, habe er sich nach Auskunft der Behörde im Bewerbungsverfahren, während der Ausbildung und in seinem Einsatzbereich unauffällig benommen. Zugleich habe er aber offenbar akribisch Dienstgeheimnisse zusammengetragen, in seinem Besitz hätten die Ermittler Speichermedien mit entsprechenden Informationen gefunden.

Wie es scheint, ist dem Beamten Prahlerei zum Verhängnis geworden: Er soll sich im Internet gegenüber einem Chatpartner als Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz zu erkennen gegeben und "inhaltlich zutreffend Einsatzanlässe und -orte offenbart" haben. Auch soll er seinem Chatpartner vorgeschlagen haben, Gleichgesinnten Zugang zum BfV für eine Tat gegen "Ungläubige" zu ermöglichen, da dies "sicher im Sinne Allahs" sei und er "zu allem bereit sei, um den Brüdern zu helfen".

Islamist beim Verfassungsschutz enttarnt
M. Götschenberg, ARD Berlin
30.11.2016 00:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. November 2016 um 20:00 Uhr.

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