Vier IS-Kämpfer knien mit angelegten Gewehren in Rakka, Syrien. | Bildquelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Datenleck beim "Islamischen Staat" Geheime IS-Dokumente helfen deutscher Justiz

Stand: 07.03.2016 17:00 Uhr

Der "Islamische Staat" führt offenbar genaue Akten über alle Anhänger, die in das von ihm beherrschte Gebiet in Syrien einreisen. Ein Teil dieser Dokumente ist nun in die Hände deutscher Ermittler gelangt. Das erleichtert die Strafverfolgung.

Von Georg Heil, Volkmar Kabisch und Georg Mascolo

Dem "Islamischen Staat" (IS) sind offenbar hochbrisante Dokumente mit den Namen seiner ausländischen Kämpfer abhanden gekommen. NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" liegen mehrere Dutzend entsprechende und als "geheim" eingestufte Dokumente mit Informationen zu deutschen IS-Kämpfern vor. Die Unterlagen sollen aus Befragungen des IS stammen, die bei der Einreise von Anhängern in das von der Terrororganisation beherrschte Gebiet in Syrien geführt wurden.

Jeder IS-Freiwillige muss demnach 23 Fragen der sogenannten General-Grenzverwaltung beantworten. Neben Name, Kampfname und vorherigem Wohnort werden auch Informationen zu Schleusern, Angehörigen, Bürgen, Ausbildung und Dschihad-Vorerfahrung abgefragt. Die Einreisenden können zudem angeben, ob sie beispielsweise als Kämpfer oder Selbstmordattentäter eingesetzt werden wollen.

Formular des IS | Bildquelle: WDR/NDR/SZ
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Befragungsdokument eines mutmaßlichen IS-Anhängers aus Deutschland - hier in deutscher Übersetzung. Das Original ist in arabischer Sprache.

"Aller Wahrscheinlichkeit nach authentisch"

Die Dokumente sind offenbar Teil eines größeren Datenlecks, das Tausende solcher Personalbögen umfassen soll und inzwischen zumindest in Teilen verschiedenen Sicherheitsbehörden vorliegt. "Wir gehen davon aus, dass es sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit um echte Dokumente handelt", teilte das Bundeskriminalamt NDR, WDR und "SZ" mit. Auch die von den Redakteuren selbst vorgenommenen Überprüfungen der Papiere sprechen für ihre Authentizität.

Dokumente erleichtern Strafverfolgung

Aus den Unterlagen ergibt sich auch, welche Deutsche beim IS offenbar über besonderen Einfluss verfügen und für neue Rekruten als "Bürgen" agieren. Die Daten sollen nun bei der Strafverfolgung von IS-Rückkehrern genutzt werden. Ihre Zahl wird bundesweit auf rund 260 geschätzt. Die Verfahren gegen sie sind oft schwierig, weil die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung schwer nachweisbar ist. So finden sich in den Dokumenten die Namen von Islamisten, die nach ihrer Rückkehr nach Deutschland unbehelligt blieben - sie stritten ab, beim IS gewesen zu sein.

Durch die entdeckten Dokumente könnte es auch zur Ausweitung von Verfahren kommen: So ließ sich dem Frankfurter Islamisten Abdulkarim B. bisher nicht nachweisen, dass er beim IS war - vor dem Landgericht Frankfurt wurde deshalb nur Anklage wegen "Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat" und unerlaubtem Waffenbesitz erhoben. Nun liegt den Ermittlungsbehörden auch sein IS-Bogen vor.

Geheime IS-Dokumente gelangen in die Hände deutscher Ermittler
tagesschau 17:00 Uhr, 07.03.2016, Georg Heil, Volkmar Kabisch, NDR

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