Fahne der Terrorgruppe Islamischer Staat | Bildquelle: AFP

Mutmaßlicher Kundschafter von IS-Terrorist Abaaoud Terrorverdacht - Haftbefehl gegen Bilal C.

Stand: 07.07.2016 15:28 Uhr

Der Bundesgerichtshof hat Haftbefehl gegen Bilal C. erlassen: Der 20-jährige Algerier soll die Balkanroute im Auftrag von Abaaoud, dem Kopf der Pariser Terrorzelle, ausgekundschaftet haben. Bilal C. soll auch Mitglied des IS gewesen sein.

Von Georg Mascolo und Andreas Braun, WDR

Es wäre die erste öffentlich bekannte direkte Verbindung der Pariser Terrorzelle nach Deutschland. Denn Bilal C. soll sich seit August 2015 in der Bundesrepublik aufgehalten haben, glaubt die Bundesanwaltschaft. Vorher soll der 20-jährige Algerier die Route des Flüchlingsstroms im Hinblick auf Grenzkontrollen und Schleusungsmöglichkeiten ausgekundschaftet haben - den Auftrag dazu habe C. im Juni 2015 direkt von Abdelhamid Abaaoud, Drahtzieher der Anschläge von Paris, bekommen. Von Juni bis August soll er dann von Syrien über die Türkei, Griechenland, Serbien und Ungarn nach Österreich gereist sein.

Dabei habe er Abaaoud fortlaufend etwa über offene Grenzübergänge, Wartezeiten sowie An- und Abmarschwege informiert. Seine Hinweise wären jedenfalls wichtig für die Paris-Attentäter gewesen. Denn zwei der Terroristen, die sich im November während des Länderspiels Frankreich gegen Deutschland vor dem Stade de France in die Luft gesprengt haben, waren tatsächlich mit dem Flüchtlingsstrom eingereist. Zwei weitere wurden zunächst wegen auffälliger Papiere von den griechischen Behörden angehalten und landeten so erst nach den Anschlägen in Salzburg. Inzwischen sitzen sie in Haft.

Abdelhamid Abaaoud | Bildquelle: AFP
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Abdelhamid Abaaoud gab Bilal C. offenbar Anweisungen.

Ausgebildeter IS-Kämpfer

Darüber hinaus soll auch C. selbst ein ausgebildeter IS-Kämpfer sein. Laut Bundesanwaltschaft habe er sich spätestens im Dezember 2014 dem sogenannten Islamischen Staat angeschlossen. In Syrien soll er eine Kampf- und Waffenausbildung durchlaufen haben. Außerdem soll er einen weiteren Attentäter auf seinem Weg von Syrien nach Europa mit Informationen versorgt haben: Ayoub El Khazzani, der im August 2015 versucht hatte, Passagiere in einem Thalys-Schnellzug mit einem Schnellfeuergewehr anzugreifen.

Dabei hatten die deutschen Behörden lange offenbar keine Ahnung vom mutmaßlich terroristischen Hintergrund des jungen Algeriers. Er war wegen Ladendiebstahls und Verstoßes gegen das Aufenthaltsgesetz in Aachen verhaftet worden, verhielt sich bis dahin nach Angaben aus Behördenkreisen unauffällig und galt auch als unverdächtig. Erst nähere Überprüfungen ergaben dann den Terrorismusverdacht, der sich jetzt offenbar erhärtet hat.

Die Erkenntnisse werfen die Frage auf, ob sich weitere, bisher unbekannte IS-Kämpfer unter den Flüchtlingen verbergen und womöglich auftragsgemäß ruhig verhalten. Auf die Spur einer angeblichen Terrorzelle, die einen Anschlag in der Düsseldorfer Altstadt geplant haben soll, waren die Behörden nur durch Zufall gekommen - einer der Verdächtigen legte ein Geständnis bei der Polizei in Paris ab. In diesem Fall ist allerdings unklar, ob die Angaben zutreffend sind und ein Attentat tatsächlich geplant war. Die Bundesanwaltschaft ermittelt in der Sache, in Berliner Sicherheitskreisen gibt es erhebliche Zweifel an dem Geständnis.

Neuer Haftbefehl

Am vergangenen Mittwoch wurde Bilal C. vom Amtsgericht Aachen wegen zweifachen Ladendiebstahls und Betrug verurteilt. Es ging um Schuhe, Nahrungsmittel und Kosmetika, außerdem soll er zweifach Zahlungen nach dem Asylbewerber-Leistungsgesetz in Höhe von 780 Euro kassiert haben. Dafür bekam er eine Jugendstrafe von acht Monaten auf Bewährung. Doch das ist lange nicht das Ende seiner Auseinandersetzungen mit der deutschen Justiz. Staatsschützer holten ihn aus der Haft ab und brachten ihn zum Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofes, der nun den Haftbefehl wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung erließ.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. Juli 2016 um 16:30 Uhr.

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