Vier IS-Kämpfer knien mit angelegten Gewehren in Rakka, Syrien. | Bildquelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com

BND zu islamistischem Terrorismus Terrorgefahr größer als 2001

Stand: 06.01.2016 17:00 Uhr

Der Bundesnachrichtendienst sieht nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" eine große Bedrohung durch islamistischen Terrorismus. Die Lage sei "für die westliche Staatengemeinschaft heute ungleich gefährlicher" als 2001, dem Jahr der Anschläge auf New York und Washington - zu diesem Ergebnis kommt der BND nach Angaben aus Regierungskreisen in Analysen zur aktuellen Situation.

Von Georg Mascolo und Christian Baars

Der BND schätzt die Lage nach Angaben aus Regierungskreisen gefährlicher ein als nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Einen der Gründe dafür sieht der Nachrichtendienst in einem "Strategiewechsel" des sogenannten Islamischen Staats (IS). Diesen habe die Terrororganisation im September vergangenen Jahres angekündigt. Sie suche jetzt wie auch Al Kaida den "direkten Kampf" mit dem Westen. Europa und die US-Regierung sollen offenbar dazu gedrängt werden, im Irak und in Syrien verstärkt militärisch einzugreifen. Der IS sehne eine solche Intervention geradezu herbei.

IS will offenbar in "Opferrolle" schlüpfen

Der BND sei der Auffassung, dass Anschläge im Westen, öffentliche Hinrichtung von Geiseln oder die massenhafte Tötung von Jesiden auch als Provokation dienten. Das Ziel dieser Strategie soll demnach sein, einen verbreiten Hass auf Muslime zu schüren, die westlichen Gesellschaften stärker zu polarisieren und selbst in eine "Opferrolle zu schlüpfen". Damit sollen mehr Anhänger gewonnen werden, auch unter gemäßigten Muslimen.

Standbild aus dem angeblichen IS-Video | Bildquelle: AFP
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In Propaganda-Videos droht der IS westlichen Staaten.

Ein wichtiges Instrument dafür ist das Internet. Allein der IS soll täglich 30 bis 40 Propagandaeinheiten - etwa Videos, Audios, Textbotschaften oder Fotos - über seine verschiedenen Kanäle verschicken. Es sei eine "industriell anmutende Propagandaproduktion", heißt es. Angesichts der Ideologie der Terroristen dürfe man nicht darauf hoffen, dass der IS "bei nachhaltigen militärischen und machtpolitischen Rückschlägen seinen Kampf gegen den Westen einstellen werde". Die Analysen sollen wenige Tage vor der Eroberung der Stadt Ramadi durch irakische Streitkräfte entstanden sein.

Militär allein führt nicht zu Lösung

Der BND meint demnach, dass nicht allein der Einsatz von Militär zur Lösung des Problems führen könne. Vielmehr müsse man der dschihadistischen Ideologie den Boden entziehen. Der Salafismus sei durch die jahrzehntelange Missionierung durch Saudi-Arabien und andere Golfstaaten mittlerweile ein "gesellschaftlich relevantes Breitenphänomen". Vor allem müssten die Staaten in der Region für "perspektivisch bessere Lebensbedingungen" und ein "hohes Maß an Selbstbestimmung sorgen".

Insgesamt sollen der IS und Al Kaida derzeit "mehr Raum als jemals zuvor" beherrschen. Die "Zone der Instabilität" sei in die unmittelbare Nachbarschaft Europas vorgerückt. Der IS sei inzwischen in 30 Ländern präsent. Außerdem soll die Zahl der "Terrorfreiwilligen aus dem Westen" "alle bisher bekannten Dimensionen" überschritten haben.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 06. Januar 2016 um 22:30 Uhr.

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