Razzia in Hildesheim | Bildquelle: dpa

Schlag gegen deutsches Islamisten-Netzwerk "Nummer 1 des IS in Deutschland" verhaftet

Stand: 08.11.2016 11:27 Uhr

Abu Walaa gilt als zentrale Figur der islamistischen Szene in Deutschland. Nun wurden er und vier weitere Männer in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen verhaftet. Wie NDR, WDR und SZ erfuhren, hatte die Aussage eines IS-Rückkehrers maßgeblichen Anteil daran.

Von Georg Heil, Volkmar Kabisch und Georg Mascolo

Nach monatelangen Ermittlungen ist der Bundesanwaltschaft offenbar ein Schlag gegen die islamistische Szene in Deutschland gelungen. Am frühen Morgen ließ die Behörde fünf Männer festnehmen, die im Verdacht stehen, für den "Islamischen Staat" rekrutiert zu haben. Ihnen wird die Unterstützung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen.

Abu Walaa | Bildquelle: NDR
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Von Abu Walaa gibt es nur wenige Aufnahmen.

Abu Walaa | Bildquelle: NDR
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Für seine Videos lässt er sich zumeist von hinten filmen.

Unter ihnen befindet sich auch der sogenannte "Prediger ohne Gesicht", ein 32-jähriger gebürtiger Iraker, der sich "Abu Walaa" nennt und sogar eine eigene App anbietet. Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" gilt Abu Walaa, der tatsächlich Ahmad Abdelazziz A. heißt, den Behörden bereits seit Jahren als zentrale Figur der deutschen Islamisten.

Bundesjustizminister Heiko Maas bezeichnete die Festnahmen als Erfolg für die Ermittlungsbehörden:

"Das ist ein wichtiger Schlag gegen die extremistische Szene in Deutschland. Der Generalbundesanwalt ermittelt, weil der Verdacht besteht, dass es Verbindungen zum Islamischen Staat gibt."

Ausreisen Richtung Syrien

Seit Herbst des vergangenen Jahres ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen ihn und mutmaßliche Helfer. Sie sollen vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen junge Muslime für den Dschihad angeworben und bei der Ausreise logistisch und finanziell unterstützt haben. Erst Ende Juli kam es zu Durchsuchungen, darunter einer Moschee in der Hildesheimer Nordstadt, die als bundesweit bedeutender Treffpunkt der salafistischen Szene gilt. Sicherheitsbehörden hatten schon länger beobachtet, dass es im zeitlichen Umfeld zu Islamseminaren des Predigers in der Hildesheimer Moschee zu Ausreisen in Richtung Syrien gekommen war.

Im Ruhrgebiet nahm die Polizei zudem zwei weitere Prediger fest, die ebenfalls Teil des salafistischen Netzwerks um "Abu Walaa" sein sollen. Die Männer sollen bei Predigten in Wohnungen für den IS geworben und zur Ausreise in den Dschihad aufgerufen haben. Auch ihnen wird die Unterstützung einer terroristischen Vereinigung zur Last gelegt.

IS-Rückkehrer hat offenbar ausgesagt

Wie NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung erfuhren, hatten die Aussagen eines IS-Rückkehrers maßgeblichen Anteil an den heutigen Festnahmen. Der 22-jährige Anil O. war nach einem mehrmonatigen Aufenthalt im IS-Gebiet in Syrien in die Türkei geflohen und hat sich nach eigenen Aussagen von der Terrormiliz losgesagt. Bevor er Ende September nach Deutschland zurückkehrte, gab Anil O. NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung in der Türkei ein Interview, in dem er Ahmad Abdelaziz A., alias Abu Walaa, schwer belastete und als "die Nummer 1 des IS in Deutschland" bezeichnete. Die Beschuldigten haben - sofern sie sich in der Vergangenheit dazu geäußert haben - eine Verbindung zum Terrorismus verneint.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. November 2016 um 12:00 Uhr.

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