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10.02.2010

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Gesundheitsportale - besser den Arzt fragen?
Gesundheitsportale im Internet

Besser den Arzt fragen?

Kopfschmerzen, Diabetes, Bluthochdruck - immer mehr Deutsche ziehen bei gesundheitlichen Beschwerden das Internet zurate. Doch die wenigsten Seiten halten das, was sie versprechen. Das Portal patienten-information.de will jetzt alles besser machen.

Von Annika Einsle für tagesschau.de

Homepage von Patienten-Information.de Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Immer mehr Menschen nutzen das Internet bei Gesundheitsfragen. ]
Gibt man bei Google den Begriff "Kopfschmerzen" ein, findet die Suchmaschine 2,79 Millionen Treffer in 0,06 Sekunden. Man wird regelrecht erschlagen vom virtuellen Angebot. Gesundheitsportale wie netdoktor.de, medizinfo.de und lifeline.de helfen bei der Suche nach Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des Problems. Der Markt ist riesig, aber auch die Nachfrage steigt. Laut einer Studie des europäischen Projekts eHealth Trends sehen 36 Prozent der Deutschen das Internet als wichtiges Informationsmedium in Gesundheitsfragen. Manfred King vom Deutschen Hausärzteverband sieht darin durchaus einen Vorteil: "Manche Patienten kommen schon mit gezielten Fragen zum Arzt und das erleichtert natürlich einen Dialog." Dennoch ist bei der Recherche nach Krankheiten äußerste Vorsicht geboten.

Pharmagesponserte Gesundheitsportale

Das Portal medizinfo.de spuckt zum Beispiel bei der Suche nach dem Thema Kopfschmerzen Artikelergebnisse aus, die zum Internetauftritt von AstraZeneca führen - einem internationalen Pharmakonzern. Bei lifeline.de steckt hinter einigen Artikeln der Pharmariese Bayer und medizin.de lässt sich von Ratiopharm unterstützen. Dass Gesundheitsportale pharmagesponsert sind, ist nicht unüblich. Gefährlich werde es aber laut Sylvia Sänger vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ), wenn der Nutzer die Pharmasponsoren nicht erkennt. Denn: "Wer Geld gibt, hat auch Interessen." Und die decken sich nicht immer mit einer transparenten und umfangreichen Auskunft.

Screenshot der Seite www.patienten-information.de Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: patienten-information.de wirbt mit einem transparenten Portal zum Thema Gesundheit. (Screenshot) ]
Die Bundesärztekammer, die Kassenärztliche Bundesvereinigung und das ÄZQ haben deshalb ihr Internetangebot www.patienten- information.de komplett neu gestaltet. Das Projekt startete zwar bereits im Jahr 2000, richtete sich jedoch anfangs an die Berufsgruppen aus der Medizin. Das überarbeitete Portal soll sich vor allem an Patienten richten und ihnen helfen, einfach und schnell an verlässliche Informationen zu allen wichtigen Gesundheitsthemen zu gelangen. "Wir wollen mit unserem transparenten Portal ein Gegengewicht zu allen unseriösen Seiten bilden", sagt Sänger, die sich um die Betreuung des Portals kümmert.

Umfangreiches Angebot

Während viele andere Seiten im Netz meist ein Themenpaket anbieten, das nur aus einer Quelle stammt, bündelt patienten-information.de die Informationen verschiedener bundes- und landesärztlicher Körperschaften und stellt somit ein breites Angebot zur Verfügung. Das heißt laut Sänger: wissenschaftlich abgesicherte Texte und keine Einzelmeinungen. Im Falle der Kopfschmerzen findet das Portal 41 Ergebnisse, die das Thema umfangreich behandeln - von den Auslösern über die Arten des Kopfschmerzes bis hin zu Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen. Einige der Angebote sind durch Smileys gekennzeichnet, die ihre Qualität bewerten. Informationen, die für unzureichend befunden werden, nimmt das ÄZQ gar nicht erst in seiner Linkliste auf. Derzeit befinden sich 2000 Verweise auf der Seite. "In den kommenden drei Jahren wollen wir das Angebot auf 5000 ausbauen", prognostiziert Sänger.

Kriterienkatalog der Uni Oxford

Dabei haben laut Sänger nur seriöse Seiten eine Chance, auf patienten-information.de verlinkt zu werden. Die Auswahl trifft das Zentrum mithilfe eines Kriterienkatalogs, der von der Universität Oxford erstellt wurde. Die Bewertung findet dabei durch Betroffene statt. "Das sind geschulte Menschen aus der Selbsthilfebranche, die somit absolut unvoreingenommen sind", sagt Sänger. Anhand von 15 Fragen filtern sie die Angebote heraus, die den Kriterien entsprechen. Also: Sind ein Autor und ein Datum im Artikel angegeben? Sind Quellen benannt? Und beleuchtet der Artikel alle Aspekte einer Krankheit oder wird einseitig berichtet?

Arzt untersucht Patient (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Der Arztbesuch bleibt weiterhin unerlässlich. ]
Trotzdem: King vom Hausärzteverband ist überzeugt, dass ein Gesundheitsportal im Internet dem Patienten zwar bei allgemeinen Fragen zur Seiten stehen kann. Aber den Arzt ersetzt es sicher nicht. Genau wie Sänger kann auch er den Internet-Patienten deshalb nur ans Herz legen: "Fragen Sie Ihren Arzt...!" Denn für die Aktualität und Richtigkeit der Informationen, auf die das Portal patienten-information.de verlinkt, kann auch beim ÄZQ nicht hundertprozentig garantiert werden.

Stand: 25.09.2008 15:48 Uhr
 

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