Ein jugendlicher Flüchtling aus Sierra Leone liest in einer Berufsbildenden Schule in Hannover (Niedersachsen) in einem Lehrbuch zur Sprachförderung | Bildquelle: dpa

Blick in einige Bundesländer Wie klappt die Integration an Schulen?

Stand: 16.02.2016 09:16 Uhr

Bildung ist in Deutschland Ländersache, daher unterscheidet sich auch der Umgang mit Flüchtlingskindern in den Schulen je nach Bundesland. Eine Bestandsaufnahme am Beispiel einiger Bundesländer.

Von Barbara Schmickler, tagesschau.de

Hamburg

Wie viele Flüchtlingskinder derzeit in Hamburg sind, kann aufgrund von Registrierungsproblemen und starker Fluktuation nicht beziffert werden. Dennoch geht die Hamburger Bildungsbehörde von etwa 7000 Flüchtlingen im schulpflichtigen Alter aus, davon werden rund 6000 in besonderen Klassen und Lerngruppen beschult. Für 1000 weitere werden derzeit Kurse in den Zentralen Erstaufnahmeeinrichtungen vorbereitet. Mit dem Umzug in eine Folgeunterkunft wechseln die Schüler in eine Basisklasse zur Alphabetisierung oder in eine Internationale Vorbereitungsklasse. Sind ausreichend Deutschkenntnisse vorhanden, wechseln sie meist nach einem Jahr in eine Regelklasse.

Und wie funktioniert die Integration? "Nach dem, was wir aus den Schulen erfahren, funktioniert das gut, aber natürlich Schritt für Schritt, parallel zu anwachsenden Deutschkenntnissen. Die Integration läuft vor allem über den Musik-, Kunst- und Sportunterricht, denn der läuft nicht getrennt, sondern integriert", sagt Peter Albrecht von der Hamburger Schulbehörde gegenüber tagesschau.de.

Hamburg hat bislang 507 Vollzeitstellen für Lehrer geschaffen, geplant sind bis Ende des Schuljahres weitere 175. Neue Lehrer finde die Behörde, weil Hamburg als Stadt eine hohe Anziehungskraft habe. Mittlerweile müsse die Stadt aber aktives Marketing betreiben, um die zukünftig auszuschreibenden Stellen besetzen zu können. Unterstützung gebe es auch von pensionierten Lehrkräften. Kosten insgesamt: Bislang rund 30 Millionen Euro pro Jahr, zum Ende des Schuljahres werden es 40 Millionen sein.

Nordrhein-Westfalen

Das Schulministerium in Nordrhein-Westfalen stellte seit dem vergangenen Jahr 5766 zusätzliche Lehrer ein. Diese Zahl orientiere sich an den Prognosen von Bundesbehörden, die 2016 von 40.000 zusätzlichen Flüchtlingskindern in NRW ausgehen. In NRW steht für eine Lerngruppe von etwa 15 bis 18 Kindern und Jugendlichen eine halbe Lehrerstelle für das Erlernen der deutschen Sprache zur Verfügung.

Bayern

In Bayern geht das Sozialministerium davon aus, dass sich Ende 2015 rund 57.000 Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter mit Fluchthintergrund in Bayern aufgehalten haben. Im Freistaat gebe es derzeit rund 580 Übergangsklassen an Grund- und Mittelschulen, in denen Kinder mit Fluchthintergrund vor allem in der deutschen Sprache, in Werten und in entsprechenden Fächern unterrichtet werden, so das bayerische Bildungsministerium. Nach dem Besuch der Übergangsklassen sollen sie in die entsprechenden Regelklassen wechseln.

Darüber hinaus gibt es an Grund- und Mittelschulen mehr als 600 Deutschförderklassen, die von einheimischen Kindern ebenso besucht werden wie von Kindern mit Migrationshintergrund - die Deutschförderung findet hier stundenweise statt. Wie gut die Integration klappt? "Die Integration in Grund- und Mittelschulen erfolgt auf gutem Niveau", erklärt ein Sprecher des Ministerium auf Anfrage von tagesschau.de.

Allein der bayerische Nachtragshaushalt 2016 sieht hier eine Summe von gut 160 Millionen Euro vor, um die Flüchtlingskinder unterrichten zu können. Diese Mittel werden in allein 1079 Planstellen sowie mehrere hundert Beschäftigungsmöglichkeiten investiert.

Berlin

In Berlin werden mehr als 8500 Flüchtlingskinder in Willkommensklassen unterrichtet. Diese sind für ein bis zwei Jahre gedacht. Danach sollen die Schüler in normale Klassen wechseln. Schon vorher nehmen sie an Fächern wie Sport oder Musik zusammen mit den Regelklassen teil. Für die Willkommensklassen wurden 862 Lehrkräfte eingestellt. Die Erfahrungen sind bislang unterschiedlich - je nach Alter und Bildungsbiografie des Kindes.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 16. Februar 2016 um 12:45 Uhr.

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