Familie Al-Mustafa | Bildquelle: Christina Hofmeier

Flüchtlingsfamilie Al-Mustafa Der Traum: U-Bahn-Fahrer in Berlin

Stand: 29.06.2017 18:09 Uhr

2015 waren die Al-Mustafas zum ersten Mal in den tagesthemen zu sehen. Die Flüchtlinge aus Syrien lebten damals im überfüllten Lager Friedland. Und heute? Ganz problemlos läuft es nicht, doch die Familie ist ein gutes Beispiel für gelungene Integration.

Von Christina von Saß, NDR

Buthaina Al-Mustafa steht umringt von anderen Mädchen aus ihrer Klasse auf dem Schulhof und strahlt: "Es ist so schön, dass ich jetzt Freundinnen habe und dass sie mich verstehen und ich sie verstehe." Glücklich und gelöst ist die Elfjährige - man merkt, wie zu Hause sie sich fühlt.

Ein riesiger Unterschied zu dem Mädchen aus dem August 2015, das mit seinen Eltern Gule und Thaer und dem kleinen Bruder Mustafa auf Matratzen im Gang hinter der Eingangstür des Erstaufnahmelagers Friedland bei Göttingen schlafen musste. Die Familie war erschöpft damals, gezeichnet von den Strapazen einer monatelangen Flucht quer durch Europa, inklusive gesunkenem Schlepperboot und Lebensgefahr.

Gelungene Integration der Familie Al-Mustafa
tagesthemen 23:00 Uhr, 29.06.2017, Christina von Saß, NDR

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Die Behörden-Papiere füllen einen Rollkoffer

Von Damaskus über Izmir nach Budapest, dann Passau, schließlich Niedersachsen. Seit knapp zwei Jahren leben die Al-Mustafas nun in Berlin und auch wenn der Alltag keineswegs frei von Problemen ist, liegen Welten zwischen dem Sommer jetzt und dem vor zwei Jahren.

Familie Al-Mustafa zusammen mit ihrer Unterstützerin Mona.
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Ohne Menschen wie Mona wäre das Leben für die Al-Mustafas in Deutschland deutlich schwieriger.

Thaer spricht mittlerweile fließend Deutsch. Der 38-jährige Familienvater hat hart dafür gearbeitet. Manchmal sucht er noch die richtigen Vokabeln. Aber die Begriffe aus der deutschen Bürokratie beherrscht er schon fehlerfrei: "Ausländerbehörde", "Job-Center" und sogar "Wohnberechtigungsschein". Akribisch sammelt er alle wichtigen Unterlagen. Sie füllen einen ganzen Rollkoffer, den er bei jedem Behördengang hinter sich herzieht.

Viele Zuschauer wollten helfen

Nachdem die Al-Mustafas im August 2015 das erste Mal in einem Beitrag in den tagesthemen über die überfüllte Einrichtung Friedland zu sehen waren, hatten sich viele Zuschauer gemeldet um zu helfen. Daraufhin kam die Familie in einer Wohnung im Berliner Westen unter. Zwei Jahre konnten die Al-Mustafas dort mietfrei leben, nun suchen sie eine neue Wohnung.

Ohne Mona wäre es nicht gegangen

Eine Herausforderung auf dem leer gefegten Berliner Wohnungsmarkt. Die Familie hofft, dass sie etwas in der Nähe der Reinhold-Otto-Schule im Westend findet, damit Buthaina und Mustafa weiter dort mit ihren neuen Freunden zur Schule gehen können. Einen Wohnberechtigungsschein hat Thaer vor kurzem beantragt - und vor wenigen Tagen ist das positive Schreiben gekommen, das die Wohnungssuche hoffentlich erleichtert.

Ohne Menschen wie Mona wäre ein Durchblick durch den deutschen Behördendschungel undenkbar. Mona ist pensionierte Übersetzerin und eine der ersten Menschen, die Gule und Thaer in Berlin kennengelernt haben. Heute haben sie sich zum Spazierengehen verabredet: Die Kinder springen um die Freundin der Familie herum und erzählen ihr Geschichten aus der Schule.

Der siebenjährige Mustafa zeigt stolz Fotos von sich im Fußballtrikot. Seit einigen Wochen spielt er zwei Mal in der Woche in einem Verein und erklärt Mona jetzt mit großer Ernsthaftigkeit die Regeln: "Man muss sich gut konzentrieren und gut spielen. Und man darf nicht foulen. Und man muss das Tor schützen und man muss Tore schießen. Und dann zum Schluss kriegt man Medaillen."

Mustafa Al-Mustafa | Bildquelle: Christina Hofmeier
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Mustafa zeigt stolz Fotos im Fußballtrikot. Seit einigen Wochen spielt er in einem Verein.

Von der Deutschlehrerin zur Vertrauten

Mona war für Gule und Thaer die erste Deutschlehrerin - lange bevor die beiden eine Bewilligung zum offiziellen Integrationskurs bekamen. In einer Flüchtlingsunterkunft gab sie ehrenamtlich Unterricht, bei ihr lernte Thaer seine ersten deutschen Worte. Seitdem ist sie zur Vertrauten geworden.

Beim Thema Unterstützung für Flüchtlinge hat Mona eine klare Meinung: "Die Hilfe darf nicht nur auf der euphorischen 'Welcome-Welle' stattfinden, sondern die Hilfe muss Bestand haben". Sie habe in den vergangenen Monaten einen starken Stimmungswandel in der Gesellschaft beobachtet. Viele würden jetzt sagen: "Den Flüchtlingen geht‘s doch schon gut, wir brauchen uns nicht mehr zu kümmern". Dabei würden erst jetzt die Mühen der Ebene bei der Integration beginnen - und gerade da brauchten die Flüchtlinge die Unterstützung der Deutschen.

"Ich brauche die Sprache, nicht die Regierung"

Auch Thaer drohte manches Mal im Dschungel verlorenzugehen: stundenlanges Anstehen in den Behörden, eineinviertel Jahre Ungewissheit, ob die Familie in Deutschland bleiben darf, und zwei Mal bekam er eine Ablehnung für den Integrationskurs. Das war frustrierend und es war gut, dass Mona ihm in solchen Situationen wieder Mut gab.

Ihm wurde klar: "Ich muss das lernen. Ich brauche die Sprache, ob die Regierung sagt, ja oder nein. Muss ich machen, muss ich lernen. Weil ich brauche die Sprache, nicht die Regierung." Er hat sich dann eigenständig einen ehrenamtlich organisierten Deutschkurs gesucht.

Der offizielle Integrationskurs - nach zwei Jahren

Vor wenigen Tagen hat nun endlich auch der offizielle Integrationskurs für Gule und Thaer begonnen. Der 38-Jährige ist mit Abstand der Beste in der Klasse. Seine Frau Gule tut sich schwerer mit der neuen Sprache, aber auch sie weiß, dass es ohne Deutsch nicht geht. "Akkusativ" und "Dativ" kommen ihr schon flüssig über die Lippen - nicht selbstverständlich bei einer 43-Jährigen, die zum ersten Mal in ihrem Leben eine Fremdsprache lernt.

Nach dem Integrationskurs will Thaer sich eine Arbeit suchen. Sein Traum wäre es, als Bus- oder U-Bahn-Fahrer in Berlin zu arbeiten. Aber erstmal müssen sie jetzt eine neue Wohnung finden.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 29. Juni 2017 um 23:00 Uhr.

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