Ein Kreuz, Blumen und Kerzen an der Unfallstelle nach einem illegalen Autorennen in Mönchengladbach | Bildquelle: dpa

Schärferes Gesetz Haft für illegale Autorennen

Stand: 22.09.2017 11:19 Uhr

Bisher konnten illegale Autorennen von den Behörden lediglich mit Bußgeldern und Fahrverboten bestraft werden. Das hat der Bundesrat heute mit einer Gesetzesverschärfung geändert. Doch Verkehrsrechtler sind skeptisch.

Von Alex Krämer, ARD-Hauptstadtstudio

Sie klingen nach der Formel 1, sind aber nur aufgemotzte Autos im normalen Stadtverkehr. Wer sich bisher mit solchen Fahrzeugen ein Rennen lieferte, dem drohten - solange nichts passierte - ein Monat Fahrverbot und eine Geldbuße. Alles in allem eine Art gesalzener Strafzettel. Die Gesetzesänderung, die von Bremen, Nordrhein-Westfalen und Hessen angestoßen wurde, macht illegale Autorennen jetzt zur Straftat. Je nach Schwere kann Raserei nun mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden - und mit bis zu zehn Jahren, wenn jemand dabei schwer verletzt oder getötet wird.

Bundesrat beschließt höhere Strafen für Verstöße im Straßenverkehr
tagesschau 16:00 Uhr, 22.09.2017, Tom Schneider, ARD Berlin

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"Das wird Zeit", sagt Arnold Plickert, im Vorstand der Gewerkschaft der Polizei zuständig für Verkehrsfragen. "Das ist kein Kavaliers-Delikt, und mir kann auch kein 19-Jähriger sagen, dass er geistig nicht in der Lage ist, das zu erkennen." Wer mit Tempo 180 durch eine Innenstadt rase, kenne die Risiken. Auch, dass Tote vorprogrammiert seien, wenn Fahrzeuge von der Fahrbahn abkommen. "Und deshalb muss klar gesagt werden, dass es eine hochbrisante und hochgefährliche Aktion ist", sagt Plickert.

Die Unfallstelle in Köln. Im April 2015 wurde eine Studentin Opfer eines illegalen Autorennens. Foto vom 17.02.2016, Quelle: dpa | Bildquelle: dpa
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In Köln starben 2015 mehrere Unbeteiligte bei illegalen Autorennen.

Abschreckung mit harten Strafen

Die Tatzeit liegt fast immer zwischen Freitagabend 19 Uhr und Sonntagmorgen 2 Uhr. Die Täter sind meistens junge Männer Anfang 20. Und die, so erwartet es zumindest Gewerkschaftsexperte Plickert, lassen sich durch härtere Strafen abschrecken.

Hinzu kommt die Neuerung, dass am Rennen beteiligte Autos künftig eingezogen werden können. "Die Zielgruppe ist 19 bis 23 Jahre alt, da spielt das Auto schon eine wichtige Rolle", sagt Plickert. Zumal es oft geliehene Fahrzeuge vom Vater seien. Das erzeuge Druck innerhalb der Familie. Das Problem sei nur, die Täter zu erwischen - aber weil es in den meisten Städten bekannte Rennstrecken gebe, könnte die Polizei durchaus gezielt kontrollieren.

Gesetz mit heißer Nadel gestrickt?

Deutlich skeptischer sehen die Neuregelung viele Verkehrsrechtler. "Gut gewollt ist nicht gut gemacht", sagt Jörg Elsner, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht beim Deutschen Anwaltverein. Was genau ein Autorennen ausmacht, stehe im neuen Gesetz nämlich gar nicht drin. "Man müsste das handwerklich geschickter und besser machen. Und ich bin fest davon überzeugt, dass das uns Juristen auch gelingen könnte."

Das Problem ist für Elsner der öffentliche Druck, unter dem die Strafverschärfung entstanden ist - schwere Unfälle, wegen denen die Politik meinte, schnell handeln zu müssen. "Heutzutage werden die Gesetze von der Straße gemacht, von der Bild-Zeitung. Und die Politik gibt dem Ganzen statt", kritisiert Elsner. Der Verkehrsrechtler rechnet deswegen damit, dass die Neuregelung ziemlich schnell vor dem Bundesverfassungsgericht landet - und dort vielleicht auch kassiert wird. Erst einmal aber ist sie jetzt in Kraft getreten.

Knast für illegale Autorennen
Alex Krämer, ARD Berlin
21.09.2017 21:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 22. September 2017 um 06:29 Uhr und die Tagesschau um 07:00 Uhr.

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Alex Krämer, RBB

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