Studie vorgelegt Politische Häftlinge in der DDR bauten für Ikea

Stand: 14.01.2014 01:07 Uhr

Logo Ikea | Bildquelle: dpa
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Hat der schwedische Möbelkonzern von der Beschäftigung politischer Häftlinge profitiert? Eine Studie kommt zu dem Schluss: ja.

Politische Häftlinge waren in DDR-Betrieben an der Herstellung von Möbelstücken für die schwedische Möbelkette Ikea beteiligt. Das hat eine Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young ergeben, die in Berlin vor Zeitzeugen und Opfern der DDR-Gewaltherrschaft vorgestellt wurde. Die Lieferung dieser Teile für Ikea liege 25 bis 30 Jahre zurück, hieß es. Danach war auch einigen Ikea-Vertretern der Einsatz von politischen Strafgefangenen bewusst. Ikea habe möglicherweise schon ab 1978, spätestens aber ab 1981, Kenntnisse über einen möglichen Einsatz von politischen Gefangenen in Produktionsstandorten und Zulieferbetrieben der DDR gehabt. Ikea habe dies "missbilligt" und Schritte eingeleitet, um ihren Einsatz auszuschließen.

"Wir bedauern außerordentlich, dass dies geschehen konnte", sagte Ikea-Managerin Jeanette Skjelmose. "Zu jener Zeit hatten wir noch nicht das heutige, gut ausgearbeitete Kontrollsystem und haben offensichtlich nicht genug getan, um derartige Produktionsweisen zu verhindern."

Kontrolle nur mit Genehmigung

Ikea-Geschäftsführer Peter Betzel verwies darauf, dass bei den Geschäftsbeziehungen in die DDR die Außenhandelsbetriebe der alleinige Ansprech- und Vertragspartner gewesen seien, die Möbel aber in den Volkseigenen Betrieben (VEB) gebaut worden seien. Zu den VEB habe der Konzern nur unter strengen Auflagen Kontakt gehabt, Besuche und Qualitätskontrollen hätten stets angemeldet und genehmigt werden müssen. Nur ausgewählte Betriebe hätten besichtigt werden können.

Für die Untersuchung wurden nach Angaben des Unternehmens Dokumente aus Ikea-Archiven sowie Bundes- und Landesarchiven ausgewertet. Zudem wurden 90 Gespräche mit aktiven und ehemaligen Mitarbeitern von Ikea sowie mit Betroffenen, Beteiligten und Zeitzeugen geführt.

"Unwissenschaftliche Show-Veranstaltung"

Schon vorab hatte es Kritik an der Studie gegeben. Der Verein DDR-Opfer-Hilfe warf dem schwedischen Möbelkonzern vor, eine "unwissenschaftliche Show-Veranstaltung" zu inszenieren. Die Untersuchung lasse die wissenschaftlichen Mindeststandards vermissen, erklärte der Verein. Sie sei nicht von unabhängigen Experten, sondern von der Unternehmensberatung Ernst & Young erstellt worden, "womöglich sogar gegen Bezahlung".

"Ikea als Beschuldigter führt selbst die Ermittlungen, anstatt das unvoreingenommenen Stellen zu überlassen. Deshalb bezweifeln wir sehr, dass die Studienergebnisse valide sind", sagte der Vize-Vorsitzende des Vereins, Roland Schulz. Das Thema sollte vielmehr vom Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität Berlin gemeinsam mit Historikern und Politikwissenschaftlern untersucht werden.

Doch es gibt auch Lob für Ikea: Der Vorsitzende der Opferverbände der kommunistischen Diktatur (UOKG), Rainer Wagner, würdigte die Bereitschaft Ikeas, die Vorwürfe gegen den Konzern zu untersuchen. Er bezeichnete Ikea als einen "Vorreiter".

Die Ikea-Untersuchung müsse der "Anfang für eine systematische, dann auch wissenschaftliche Aufarbeitung der Problematik" sein, die auch andere Unternehmen einbeziehe, sagte Wagner. Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, forderte mit Blick auf das Thema Zwangsarbeit, dieses "dunkle Kapitel der DDR-Diktatur" müsse aufgeklärt werden.

Das Unternehmen erklärte sich nach eigenen Angaben bereit, ein wissenschaftliches Forschungsprojekt der UOKG zur Zwangsarbeit finanziell zu unterstützen.

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