Demonstranten in Köln | Bildquelle: dpa

Hooligans streiten über weitere Aufmärsche In den Farben und der Sache getrennt

Stand: 29.10.2014 21:27 Uhr

Nach ihrer Demonstration in Köln unter dem Motto "In den Farben getrennt, in der Sache vereint" planen Hooligans weitere Aufmärsche in Hamburg und Berlin. Politiker diskutieren ein Verbot, die Hool-Szene streitet sich derweil.

Von Patrick Gensing, tagesschau.de

Hamburger Hooligans haben angekündigt, eine geplante Demonstration von "Hooligans gegen Salafisten (HoGeSa)" in der Hansestadt nicht zu unterstützen. Grund sind Differenzen über die Demonstrationsroute sowie über die Strategie von "HoGeSa".

Seit dem öffentlichkeitswirksamen Aufmarsch in Köln schauen insbesondere rechtsextreme Parteien interessiert auf die Hooligan-Bewegung. Bereits in Köln waren Funktionäre von Neonazi-Parteien wie der NPD oder Die Rechte aus mehreren Bundesländern anwesend. Auch für Hamburg kündigten bereits mehrere bekannte Neonazis ihr Kommen an, beispielsweise von der NPD in Thüringen.

Zwar gibt es in mehreren Städten große personelle Überschneidungen zwischen Hooligan- und Neonazi-Szene, doch ist "HoGeSa" bislang um Distanz zu Parteien bemüht. Denn nur so können die regionalen Aktionsgruppen der Hooligans im Netz unabhängig von Gremien oder Satzungen schnell agieren. Das niedrigschwellige Angebot spricht viele Personen an, die sich für Parteiarbeit oder -aktionen sonst eher wenig interessieren.

Hooligans in Köln | Bildquelle: dpa
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Öffentlichkeitswirksamer Aufmarsch: Hooligans bei der Demonstration in Köln

Vorbild aus England

Die "Hooligans gegen Salafisten" sind keine feste und einheitliche Gruppierung. Doch die Organisatoren orientieren sich an dem Konzept der English Defense League. Die EDL wurde 2009 von Hooligans gegründet und lässt sich ideologisch der rassistischen Islamkritik zuordnen. Ähnlich wie beispielsweise der Rechtsterrorist Anders Breivik und dessen Stichwortgeber sieht man das eigene Land in einem Abwehrkampf gegen eine vermeintliche Islamisierung und will nun auch selbst Hand anlegen.

Dementsprechend marschierte die EDL beispielsweise vor Geschäften auf, in denen Halal-Produkte angeboten werden. Über die EDL konnten nicht nur ideologische Fanatiker, sondern auch aktionsorientierte Hooligans, Anhänger rechtspopulistischer Parteien oder auch Soldaten erreicht werden, deren Einsätze in Afghanistan gegen die Taliban die EDL thematisierte.

Die Kehrseite der überparteilichen Aktionsform und der fehlenden festen Strukturen sind zahlreiche Streitigkeiten innerhalb der Szene, bei denen es oft um die Zusammenarbeit mit bzw. Distanz zu rechtsextremen Parteien geht. Genau dies ist auch ein Konflikt, der die Hamburger Hooligans, vor allem, aus dem Umfeld des HSV, nun dazu veranlasste, ihre Aktionsgruppe innerhalb der "HoGeSa" aufzulösen: "Jetzt nach Köln kommen die ganzen politischen NPD- und bürgerlichen rechten Dauerversager aus ihren Löchern und meinen, sie können die Aktion 'Hooligans gegen Salafisten' für ihre eigenen Zwecke benutzen."

Daher werde am 15. November keine Demo stattfinden, "die von den echten Hamburg Hooligans mit unterstützt wird", schrieb ein bekannter Neonazi und führender Hooligan aus der Hansestadt auf Facebook. Der Mann war lange Jahre in der rechtsextremen Szene aktiv, Funktionär der NPD und Mitbetreiber eines Neonazi-Szeneladens in Rostock.

Angst vor der Antifa

Die rechtsradikalen Hools aus der Hansestadt warnen ihre Mitstreiter ausdrücklich vor den Protesten gegen einen Aufmarsch in Hamburg. Die Auswärtigen hätten „keine Ahnung davon, was in Hamburg abgeht, wenn die Autonome Flora Szene mobilisiert und die Linken mal in voller Besatzung“ antreten. Während man in Köln weitestgehend ungehindert randalieren konnte, glauben die Hamburger Hooligans nicht, dass die Hamburger Polizei zuschaue, "wie Hooligans und Autonome an einem Wochenende eine Touristenstadt wie Hamburg in Schutt und Asche legen".

Solche Szenarien beschäftigen derweil viele Innenpolitiker, denn der Aufmarsch in Köln war nicht der erste von "HoGeSa" - und soll auch nicht der letzte bleiben. Neben Hamburg wollen Hooligans auch in Berlin demonstrieren. Daher wird über mögliche Verbote diskutiert. "Das hat mit Demonstrationsfreiheit nichts mehr zu tun und sollte dementsprechend untersagt werden", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Doch ob sich solche Verbote realisieren lassen, ist bei Fachleuten umstritten. Die Hürden für Verbote sind hoch - und da zumindest dem Anmelder in Hamburg keine eindeutige Verbindung zu Hooligan-Kreisen nachzuweisen ist, könnte auch ein Verbot vor Gericht scheitern.

Stadionordnung geändert

Auch in der Bundesliga diskutieren Vereine, wie sie mit dem Comeback der Hooligans umgehen. Fortuna Düsseldorf änderte als erster Proficlub seine Stadionordnung und untersagte das Tragen und Zeigen von Kleidungsstücken mit dem Schriftzug "HoGeSa". Weitere Vereine dürften diesem Beispiel schnell folgen, denn die Hooligans könnten das exzellente Image der Bundesliga schnell beschädigen.

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