Gleichstellung Homosexueller: Westerwelle kritisiert Merkel

Bundesaußenminister Guido Westerwelle.  (Bildquelle: dpa)

Westerwelle kritisiert mangelnde Gleichstellung

"Merkel hat es in der Hand"

Der frühere Außenminister Guido Westerwelle erwartet, dass Kanzlerin Angela Merkel die Gleichstellung von homosexuellen Lebenspartnerschaften mit der Ehe vorantreibt.

Der FDP-Politiker sagte dem Magazin "Stern", er habe "mit Aufmerksamkeit die sensible Einlassung" von Regierungssprecher Steffen Seibert zum Coming-out des Fußballspielers Thomas Hitzlsperger verfolgt. Allerdings seien dies zunächst nur Worte gewesen.

"Mir wäre es lieber, wenn das, was in unserer Regierungszeit so gut vorangekommen ist, jetzt auch vollendet würde, nämlich die völlige rechtliche Gleichstellung", sagte Westerwelle. Auf die Frage, ob das bislang am Unwillen der Kanzlerin gescheitert sei, sagte er: "Ja. Aber nun hat sie es in der Hand."

Den Worten müssen Taten folgen

Merkel müsse den Worten ihres Regierungssprechers politische Taten folgen lassen, forderte Westerwelle. Deutschland sei trotz allem noch immer keine ausreichend aufgeklärte Gesellschaft. Es werde noch dauern, bis das Thema Homosexualität zu einer allgemein akzeptierten Tatsache geworden sei.

Im Interview mit dem "Stern" erinnerte der Ex-Außenminister daran, dass erst kürzlich der frühere Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU) gesagt habe, die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften sei eine Art Zeitgeistphänomen, dem das Bundesverfassungsgericht nicht erliegen dürfe.

Michael Mronz und Guido Westerwelle (Bildquelle: picture alliance / ZB)
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Fordert, dass Merkel jetzt die Gleichstellung von Lesben und Schwulen voranbringt: Ex-Minister Westerwelle. Westerwelle (rechts) lebt seit September 2010 mit dem Veranstaltungsmanager Michael Mronz (links) in eingetragener Partnerschaft.

"Große Koalition der Spießigkeit"

Dennoch sei die CDU immer sein erklärter Wunschpartner gewesen. "Die SPD war doch meist nicht besser. Wenn es um Spießigkeit geht, gab es in Deutschland von jeher eine wirklich ganz große Koalition", ergänzte Westerwelle.

Der FDP-Politiker zeigte sich zugleich zuversichtlich, dass er Fortschritte beim Thema Gleichstellung noch erleben werde: "Ich sage Ihnen: Bevor ich den Löffel abgebe, ist Schwulsein eine Selbstverständlichkeit."

Zugleich wies Westerwelle Vorwürfe zurück, er habe in seiner Zeit als Außenminister nicht deutlich genug auf die Diskriminierung Homosexueller in arabischen und osteuropäischen Ländern hingewiesen. "Das habe ich stets, wo es nötig war. Ich war aber zunächst Außenminister und erst in zweiter Linie ein schwuler Außenminister." Auch in Saudi-Arabien, wo Homosexuellen die Todesstrafe droht, habe er ausführlich über Bürgerrechte und innere Liberalität gesprochen, "in angemessener und diplomatischer Weise, wie es bei Kontroversen international üblich ist".

Westerwelle würde zu Olympia reisen

Im Gegensatz zu Bundespräsident Joachim Gauck, der die Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi nicht besuchen will, würde Westerwelle eine solche Reise antreten. Wäre er noch Außenminister, so würde er hinfahren, "und zwar nicht allein", sagte der 52-Jährige, der seit September 2010 mit dem Veranstaltungsmanager Michael Mronz in eingetragener Partnerschaft lebt.

Stand: 15.01.2014 15:49 Uhr

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