Kommentar

Ausschreitungen in Köln Das Comeback der Hooligans

Stand: 27.10.2014 17:39 Uhr

Von Patrick Gensing, tagesschau.de

Die "Hooligans gegen Salafisten" sind weder eine feste noch eine homogene Gruppe. Doch über die mediale Verortung als rechte Hools müssen sich die "HoGeSa" nach dem Auftritt in Köln nicht wirklich wundern. Parolen wie "Ausländer raus!" oder "Hier marschiert der Nationale Widerstand" schallten aus dem Demozug, die rechte Band "Kategorie C" liefert den pathetischen Soundtrack. Mehrere Kollegen berichteten von Angriffen und Drohungen gegen Journalisten, so wie sie von Neonazi-Aufmärschen bekannt sind. Die Kundgebung war von einem Funktionär der Partei Pro NRW angemeldet worden. Zudem beteiligten sich Funktionäre rechtsextremer Parteien aus mehreren Bundesländern an der Demonstration.

Personelle Überschneidungen zwischen Rechtsextremen und Hoolgruppen sind aus mehreren Städten seit Jahren bekannt - fast schon Tradition. Die rechten Hools waren aus einigen Kurven nie verschwunden, allerdings traten sie öffentlich weniger in Erscheinung. In vielen Fanszenen stehen Hools auch eher abseits, weil die Ultra-Kultur längst den Ton angibt.

Kommt die Zeit der Hardliner?

Auch wenn die Zahl von rund 4000 Hooligans bei dem Aufmarsch in Köln beeindruckend ist: Mobilisiert wurde bundesweit, sogar international. Jedes Wochenende besuchen aber weit mehr als eine halbe Million Fans und Zuschauer die Spiele der beiden Profiligen in Deutschland, dazu kommen noch Zehntausende Menschen in der 3. und den Regionalligen. Die "HoGeSa" sind also ein kleiner Teil der Fußballfans. Pauschale Forderungen nach noch mehr Überwachung und Polizei spielen nur den Hardlinern in die Hände - wie beispielsweise den Hools.

Die haben durchaus ein Interesse an einer Konfrontation, denn den Titel als "Deutschlands härtesten Mob" haben die Hools längst an die Salafisten verloren. Mediale Aufmerksamkeit ist für Subkulturen eine wichtige Währung, auch wenn etablierte Medien ein zentrales  Feindbild sind. Salafisten hatten durch Aktionen wie die "Scharia Polizei" in Wuppertal mit minimalen Aufwand einen maximalen öffentlichen Effekt erzielt. Für die Hools ist die Demo in Köln daher auch die Selbstbestätigung, dass die Szene noch lebt. Ein Kommentator schrieb auf der Facebook-Seite von "HoGeSa", er hoffe "wirklich, dass wir Deutschen nun endlich wieder eng zusammen stehen und dieser Drecksbrut zeigen, wie hart deutscher Stahl ist". 

Ob dieser "deutsche Stahl" allerdings auch für eine dauerhafte Verbindung zwischen eigentlich verfeindeten Hool-Gruppen taugt, muss abgewartet werden. Die Reaktionen bei den Anhängern der "Hooligans gegen Salafisten" auf die Demonstration in Köln sind geteilt. Einerseits freut man sich über die vielen Teilnehmer und die große Aufmerksamkeit, andererseits fühlen sich viele von den Medien zu Unrecht in die rechte Ecke gestellt. Einige ärgern sich über die Teilnahme vieler Neonazis an dem Aufmarsch unter dem Motto "In den Farben getrennt, in der Sache vereint".

Punktsieg für die Hools

Die Demonstration in Köln kann ein Fanal für die Bewegung werden, sie kann sich aber auch schnell wieder zerstreiten. Ein Punktsieg war der Aufmarsch aber auf jeden Fall. Denn die rechten Hools überrumpelten die Polizei: Sie konnten trotz zahlreicher Verstöße gegen die Auflagen, trotz Gewalttaten und Ausschreitungen durch Köln ziehen.

Eine "neue Qualität der Gewalt", so wie sie die Gewerkschaft der Polizei erkannt haben will, ist das aber nicht. In den vergangenen 20 bis 30 Jahren hatten rechte Hools beispielsweise Spiele der Nationalmannschaft immer wieder genutzt, um gemeinsam loszuschlagen. Der Aufmarsch in Köln ist vielmehr das Comeback der deutschen Hooligans.

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Oktober 2014 um 15:00 Uhr.

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