Nach Streit in Parteispitze

Linken-Geschäftsführer Höhn gibt auf

Stand: 10.11.2017 13:26 Uhr

Die Partei Die Linke muss eine zentrale Position neu besetzen. Bundesgeschäftsführer Höhn legte sein Amt nieder. Er begründete dies mit fehlendem Vertrauen im Vorstand. Ein kommissarischer Nachfolger steht schon bereit: Berlins Ex-Senator Wolf.

Der Bundesgeschäftsführer der Partei Die Linke, Matthias Höhn, hat sein Amt niedergelegt. Er zog damit die Konsequenzen aus anhaltenden Querelen innerhalb der Parteispitze. Bereits gestern war bekannt geworden, dass Höhn nach fünf Jahren im Amt zurücktreten werde.

"Eine Partei braucht eine Führung und einen Vorstand, die auf Vertrauen, Verlässlichkeit und Kooperation beruhen", schrieb Höhn in einem Brief an den Parteivorstand, aus dem die Nachrichtenagentur dpa zitierte. "Für mich ist dies nicht mehr gegeben", fügte er hinzu.

Your browser doesn't support HTML5 video.

Matthias Höhn, Bundesgeschäftsführer Die Linke, legt Amt nieder

tagesschau 20:00 Uhr, 10.11.2017, Julia Krittian, ARD Berlin

"Bin Bitte der Parteichefs gefolgt"

Höhn erklärte, er sei der Bitte der Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger gefolgt, den Schritt nicht nach der niedersächsischen Landtagswahl im Oktober zu vollziehen, sondern bis zur November-Sitzung des Parteivorstands zu warten. "Ich lege daher mein Amt als Bundesgeschäftsführer und Bundeswahlkampfleiter mit Ablauf des heutigen Tages nieder."

Höhns Verhältnis zu Kipping und Riexinger galt als zerrüttet. Berichten zufolge hatte er sich gegen den Willen der beiden Parteichefs vor der Bundestagswahl dafür ausgesprochen, dass Die Linke mit den Fraktionschefs Dietmar Bartsch und Sahra Wagenknecht als Spitzenkandidaten antritt.

Der Streit mit den Parteichefs Kipping und Riexinger war für Höhn (r.) offenbar der Rücktrittsgrund.

In einer gemeinsamen Reaktion auf den Rücktritt des Bundesgeschäftsführers erklärten Kipping und Riexinger nun: "Wir bedauern die Entscheidung von Matthias Höhn. Wir hätten uns gewünscht, unsere erfolgreiche Zusammenarbeit fortzuführen." Die Bilanz der gemeinsamen Arbeit könne sich sehen lassen, fügten die Parteichefs hinzu und verwiesen unter anderem auf das Abschneiden das zweitbeste Ergebnis Partei bei der Bundestagswahl 2017.

Wolf soll Amt kommissarisch übernehmen

Das Amt des Bundesgeschäftsführers soll kommissarisch der frühere Berliner Wirtschaftssenator Harald Wolf übernehmen. Über diesen Vorschlag soll der Parteivorstand morgen entscheiden. Wolf verfüge über einen "breiten Erfahrungshintergrund in Leitungs- und Regierungsfunktionen" und werde "strömungsübergreifend als verbindender Akteur geschätzt", erklärten Kipping und Riexinger.

Harald Wolf war jahrelang Wirtschaftssenator in Berlin.