Nach der ersten Phase des Hochschulpakts Immer mehr Studienanfänger in Deutschland

Stand: 25.01.2011 15:32 Uhr

Bundesbildungsministerin Annette Schavan | Bildquelle: dpa
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Sieht in der ersten Phase des Hochschulpakts einen vollen Erfolg: Bundesbildungsministerin Annette Schavan

Die Zahl der Studierenden in Deutschland ist deutlich gestiegen. Unter Berufung auf Zahlen des statistischen Bundesamts teilte das Bildungsministerium mit, dass im vergangenen Jahr 441.800 junge Menschen ein Studium aufgenommen haben. Dies entspricht 46 Prozent eines Altersjahrgangs. Im Vergleich dazu lag die Quote im Jahr 2005 bei 37 Prozent. Damals wurden 356.000 Studienanfänger gezählt.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) wertete diese Zahlen als Beleg für den Erfolg des Hochschulpaktes, dessen erste Phase mit dem Jahr 2010 abgeschlossen ist. Das ursprünglich verabredete Ziel, 91.370 zusätzliche Studiengelegenheiten zu schaffen, konnte nach Angaben des Ministeriums mit insgesamt 182.193 zusätzlichen Studienanfängern deutlich übertroffen werden. "Wir haben einen Boom - auch Neugründungen - was Hochschulen angeht", sagte Schavan im SWR. Dies zeige das große Interesse junger Leute am Studium, aber auch die erheblichen Bemühungen von Bund und Ländern.

Zuversichtlich in die zweite Runde

Die Ministerin betonte, die Zunahme der Studenten spreche für die Qualität der Studienmöglichkeiten in Deutschland. Sie verwies zudem darauf, dass der Hochschulpakt im Hinblick auf die Aussetzung der Wehrpflicht "über die bisherigen Ziele hinausgehend" weiterentwickelt werde. Damit wäre auch der steigenden Studentenzahl Rechnung getragen. Die Vorbereitungen für den steigenden Raum- und Personalbedarf seien getroffen. Dabei gehe es auch darum, mehr Master-Studienplätze anzubieten.

Für die zweite Programmphase des Hochschulpaktes stellt der Bund laut Ministerium mehr als fünf Milliarden Euro bereit. Die im Zeitraum zwischen den Jahren 2011 bis 2015 zu erwartenden 275.000 zusätzlichen Studienanfänger sollen so die Chance für die Aufnahme eines Studiums erhalten.

Zweifel an Verlässlichkeit

Absolvent der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn bei der Abschlussfeier auf dem Campus | Bildquelle: dpa
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Gibt es genug Studienplätze? Laut Gohlke sind die Hochschulen auf einen Ansturm von Studierenden nicht vorbereitet.

Angesichts der deutlich gestiegenen Studierendenzahlen äußerte die SPD Zweifel an der Verlässlichkeit der Prognosen für die zweite Phase des Paktes. Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Ernst Dieter Rossmann, forderte Schavan auf, "mit den Ländern noch in diesem Jahr eine Überarbeitung der Prognosen vorzunehmen und sicherzustellen, dass auch für einen erfreulicherweise schnelleren Ausbau der Studienkapazitäten ausreichende Mittel zur Verfügung stehen."

Die hochschulpolitische Sprecherin der Linken, Nicole Gohlke, beklagte, 275.000 zusätzliche Studienplätze reichten nicht aus, "um dauerhaft mindestens 40 Prozent eines Jahrgangs ein Studium zu ermöglichen." Sie warf Schavan vor, die Hochschulen "auf Verschleiß" zu fahren. "Unis und Fachhochschulen sind auf einen Ansturm von Studierenden nicht vorbereitet", sagte sie. Der Hochschulpakt sei "unzureichend und unterfinanziert".

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