Eberhard Jäckel (Archivbild 1996) | Bildquelle: imago stock&people

Holocaust-Forscher Historiker Eberhard Jäckel gestorben

Stand: 17.08.2017 15:56 Uhr

Der Holocaustforscher Eberhard Jäckel ist tot. Er starb im Alter von 88 Jahren. Jäckel gehörte zu den renommierten Experten für die Aufarbeitung der Verbrechen während des Nationalsozialismus. Der Historiker war einer der Initiatoren des Holocaust-Mahnmals in Berlin.

Der Historiker und Holocaustforscher Eberhard Jäckel ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Das geht aus den Traueranzeigen in den "Stuttgarter Nachrichten" und der "Stuttgarter Zeitung" hervor. Die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin würdigte Jäckel als einen der "engagiertesten und wirkungsvollsten Streiter für die Erinnerung an den Holocaust". Jäckel hatte sich zusammen mit der Publizistin Lea Rosh für die Errichtung eines Denkmals für die ermordeten Juden Europas in Berlin stark gemacht.

Mit dem Tod Jäckels verliere die Bundesrepublik einen ihrer engagiertesten und wirkungsvollen Streiter für die Erinnerung, teilte die Stiftung mit. Der Vorsitzende des Kuratoriums, Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), sagte: "Das bürgerschaftliche Engagement Jäckels wurde von der Politik, die die Pflege der Erinnerung an den Holocaust als staatliche Aufgabe begriff, aufgenommen."

Eberhard Jäckel und Lea Rosh bei einem Benefizabend für das Denkmal für die ermordeten Juden Europas im September 2008 | Bildquelle: picture-alliance / SCHROEWIG/Eva
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Eberhard Jäckel und Lea Rosh bei einem Benefizabend für das Denkmal für die ermordeten Juden Europas im September 2008

Der Wissenschaftler Jäckel war von 1967 bis 1997 Professor für Neuere Geschichte an der Universität Stuttgart. Die Aufarbeitung des Holocaust war sein Hauptthema. Jäckels Werke gehören nach wie vor zu den Grundlagen der historischen Seminare an den Universitäten in Deutschland. Durch seine Arbeit wurde er aber auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.

Eines der meistbesuchten Denkmäler

Das von Jäckel und Rosh initiierte sogenannte Holocaust-Mahnmal in Berlin wurde nach einem Entwurf von Peter Eisenman im Mai 2005 eingeweiht. Es geht auf einen Beschluss des Bundestags von 1999 zurück. Das Denkmal erinnert an die Morde an sechs Millionen Juden in Europa während des Nationalsozialismus in Deutschland.

Das Mahnmal mit über 2700 Betonstelen in direkter Nähe des Brandenburger Tors ist eines der meistbesuchten Denkmäler in Berlin. In einem "Ort der Information" werden unter dem Mahnmal die wichtigsten Stationen des Holocaust für die Besucher am Beispiel von Einzelschicksalen dargestellt.

Jäckel und Grass | Bildquelle: picture-alliance / dpa
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1972 engagierte sich Jäckel (2. von rechts) in der sozialdemokratischen Wählerinitiative, die Willy Brandt unterstützte. Links neben ihm: Der Schriftsteller Günter Grass

Nachfolger von Golo Mann

Jäckel wurde 1929 in Wesermünde geboren. Er studierte Geschichte, klassische Philologie und Öffentliches Recht in Deutschland, den USA und Frankreich. An der Universität Stuttgart lehrte er bis zu seiner Emeritierung 1997 als Nachfolger von Golo Mann.

Bekannt wurde Jäckel im Jahr 1969 mit seinem Buch "Hitlers Weltanschauung". Darin hält er fest, dass Adolf Hitler bereits lange vor seiner Machtübernahme seine Ziele öffentlich formuliert hatte, unter anderem den Mord an den Juden Europas.

Zweifel an den Hitler-Tagebüchern

Im Jahr 1980 gab Jäckel die Quellensammlung "Hitler. Sämtliche Aufzeichnungen 1905-1924" heraus, in der er auch auf die "Hitler-Tagebücher" von Konrad Kujau zurückgriff. Jäckel hatte die Dokumente, die ihm ein Sammler zur Verfügung stellte, anfangs für authentisch gehalten. Später kamen ihm und seinem Mitherausgeber Axel Kuhn Zweifel. Sie forderten 1981 beim Bundeskriminalamt ein Gutachten an, das 1983 zum Auffliegen der Fälschungen führte.

Jäckel drehte mit Rosh für die ARD außerdem die mehrteilige Dokumentation "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland". Dafür gab es den Geschwister-Scholl-Preis. Er erhielt auch das Bundesverdienstkreuz, war Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften sowie auswärtiges Mitglied der Polnischen Akademie der Wissenschaften.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. August 2017 um 15:00 Uhr.

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