Peter Hintze | Bildquelle: picture alliance / Eventpress

Trauer um Peter Hintze Politiker mit Herz und Haltung

Stand: 27.11.2016 16:49 Uhr

Studierter Pfarrer, Kohls "General" und Verfasser umstrittener Wahlkampagnen, später Merkel-Vertrauter mit Liebe zum Mond: Peter Hintze war ein streitbarer Politiker, zuletzt kämpfte er leidenschaftlich für die Sterbehilfe.

Von Martin Mair, ARD-Hauptstadtstudio

Man hätte eine Stecknadel fallen hören können: Peter Hintze steht am Rednerpult des Bundestages, das Parlament debattiert über Sterbehilfe. Der CDU-Politiker will, dass Ärzte einem Todkranken beim Suizid helfen dürfen - ohne Angst vor Strafe haben zu müssen. "Mir erzählte gestern ein Kameramann spontan von einem Patienten, dessen Gesicht vom Tumor zerfressen war. In seiner Verzweiflung sprang er aus dem Krankenhausfenster, er starb beim Aufprall. Wir wollen nicht, dass sich ein verzweifelter Todkranker aus dem Fenster stürzen muss."

Peter Hintze im Alter von 66 Jahren gestorben
tagesthemen 22:45 Uhr, 27.11.2016, Birand Bingül, WDR

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Es ist ganz still im sonst so hektischen Plenarsaal: Viele Abgeordnete wissen an diesem heißen Juli-Tag im vergangenen Jahr: Hier spricht ein Mann, der selbst schwer krank ist. Die Diagnose Krebs hatte Hintze da nicht zum ersten Mal bekommen. Einmal mehr stellte er sich bei der Sterbehilfe-Debatte gegen die konservativen Kräfte seiner Partei. Kämpft für Selbstbestimmung - wie einige Jahre zuvor bei der Diskussion um Gentests an künstlich befruchteten Embryonen.

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Peter Hintze: Politiker mit Kampflust und Überzeugungen

Peter Hintze vor dem Konrad-Adenauer-Haus in Bonn.

Aus dem Pfarramt in die Politik: Die Laufbahn von Peter Hintze in der CDU verlief schnell und ungewöhnlich. Der studierte Theologe wirkte zunächst als Pfarrer und Regionalpolitiker, bevor er 1983 Bundesbeauftragter für den Zivildienst wurde. | Bildquelle: picture alliance / Tim Brakemeie

Hintze kämpfte - voller Inbrunst gegen das Verbot der Präimplantations-Diagnostik, kurz PID. Damit stellte sich der studierte Pfarrer nicht nur gegen die Kirchen, sondern auch gegen die Spitze der CDU. Doch er war stets einer der engsten Vertrauten Angela Merkels, immer zur Stelle, wenn es darum ging, ein gutes Wort über die Kanzlerin zu verlieren. "Angela Merkel ist die richtige Vorsitzende im Internetzeitalter, eine moderne Frau mit einer großen Fähigkeit zur Kommunikation und klaren strategischen Vorstellungen."

Hintze und die roten Socken

Auch zur Hochzeit des Unionstreits in der Flüchtlingsfrage stand er treu an Merkels Seite. Beide kennen sich seit Anfang der 1990er-Jahre: Hintze war Staatssekretär im Frauen- und Jugend-Ministerium, eben jenem Ressort, das Merkel leitete. Damals war die CDU noch fest in der Hand von Altkanzler Helmut Kohl, zwei Mal organisierte Hintze dessen Wahlkämpfe. 1994 klebte er medienwirksam ein Plakat, das ihn dann in seiner politischen Biografie verfolgte: Die Rote-Socken-Kampagne, als Anspielung auf eine rot-grüne Minderheitsregierung in Sachsen-Anhalt, toleriert von der PDS. Vier Jahre später wurde daraus eine Rote-Hände-Kampagne. "Ich fürchte, es wird notwendig sein, die Zusammenarbeit von SPD und PDS wieder scharf zu thematisieren, weil die SPD in der Zwischenzeit noch näher an die PDS herangerückt ist", so Hintze damals.

Der CDU-Generalsekretär Peter Hintze, der im Bonner Adenauerhaus ein CDU-Wahlplakat mit dem Schriftzug "Auf die roten Socken folgen die roten Hände" vorstellt. | Bildquelle: picture-alliance / dpa
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Als CDU-Generalsekretär stellte Peter Hintze am 25. Mai 1998 im Bonner Adenauerhaus ein CDU-Wahlplakat mit dem Schriftzug "Auf die roten Socken folgen die roten Hände" vort. Mit der umstrittenen "Rote-Hände-Kampagne" will die CDU auf eine Zusammenarbeit von Sozialdemokraten und PDS hinweisen.

Joschka Fischer nannte Hintze einen "Streber"

Doch das rot-rote Schreckgespenst zieht nicht - die Union und Kohl werden abgewählt. Hintze muss das Amt des CDU-Generalsekretärs an Merkel abtreten, doch er übersteht die parteiinternen Machtkämpfe. Gut vernetzt im mächtigen NRW-Landesverband wird er 2005 Staatsekretär im Wirtschaftsministerium, später koordiniert er die Luft- und Raumfahrt-Politik der Regierung. Hintze wollte eine eigene, deutsche Mondmission. "Der Mond ist das Archiv unseres Sonnensystems, der Mond bietet sich an als idealer Weltraumflughafen für die Erde. Der Mond ist das Testfeld für die bemannte Raumfahrt hin zum Mars."

Hintzes Raumfahrtpläne verglühten beim Eintritt in die politische Umlaufbahn. In die erste Reihe der großen Politik hat er es lange nicht gebracht - Joschka Fischer nannte den studierten Theologen einst einen Streber, der sich durch Ehrerbietung gegenüber dem Pfarrer zum Oberministranten hoch gedienert hat. Doch der Aufstieg war stetig - 2013 wurde er Bundestags-Vizepräsident. Im gleichen Jahr wurde zum ersten Mal eine Krebserkrankung diagnostiziert. Hintze selbst sagte einmal: Gott habe etwas mit seinem Leben zu tun - nicht aber mit seinem Tod. Der hat ihn im Alter von 66 Jahren geholt.

Merkels treuer Fürsprecher - Bundestags-Vizepräsident Hintze gestorben
M. Mair, ARD Berlin
27.11.2016 15:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. November 2016 um 12:00 Uhr.

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