Peter Hintze | Bildquelle: picture alliance / Eventpress

Trauer um CDU-Politiker Bundestagsvizepräsident Hintze gestorben

Stand: 27.11.2016 14:48 Uhr

Der Bundestagsvizepräsident und frühere CDU-Generalsekretär Peter Hintze ist tot. Hintze starb im Alter von 66 Jahren an einem Krebsleiden. Quer durch die Parteien wurde sein Wirken in der Politik gewürdigt.

Im Alter von 66 Jahren ist der Bundestagsvizepräsident und frühere CDU-Generalsekretär Peter Hintze gestorben. Hintze sei in der Nacht zum Sonntag den Folgen einer Krebserkrankung erlegen, teilte eine Sprecherin der nordrhein-westfälischen CDU mit. Zuerst hatte die "Bild"-Zeitung darüber berichtet.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, mit Hintze verliere die Union "eine ihrer herausragenden Persönlichkeiten". Hintze habe zu den "herausragenden intellektuellen Köpfen der Partei" gehört und habe die Politik der CDU wie der Bundesrepublik über Jahrzehnte "maßgeblich geprägt".

Ihm werden Hintzes "Leidenschaft für die res publica, seine Geradlinigkeit, seine Warmherzigkeit und seine besondere Fähigkeit, dem anderen zuzuhören, immer in Erinnerung bleiben", sagte Bundespräsident Joachim Gauck.

Bundestagspräsident Nobert Lammert bezeichnete Hintze als einen "allseits und über die Fraktionsgrenzen hinaus geschätzten Kollegen mit einer großen Begabung, Brücken zwischen unterschiedlichen Auffassungen und Interessen zu bauen". Die frühere Bundesfamilienministerin Kristina Schröder nannte Hintze im Kurznachrichtendienst Twitter einen der "geistreichsten und warmherzigsten Menschen", denen sie in der Politik begegnet sei.

Kristina Schröder @schroeder_k
Ich bin todtraurig. Peter #Hintze war einer der geistreichsten und warmherzigsten Menschen, denen ich in der Politik jemals begegnet bin.

Auch aus den Reihen seiner politischen Gegner wurde Hintze gewürdigt. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) nannte ihn auf Twitter einen leidenschaftlichen Politiker und streitbaren Christ.

Hannelore Kraft @HanneloreKraft
Trauere um Peter Hintze. Er war ein leidenschaftlicher Politiker und ein streitbarer Christ. Meine Gedanken sind bei seinen Angehörigen.- HK

Schneller Aufstieg in der Bundespolitik

Der Aufstieg Hintzes in der CDU verlief rasant. Nach einer siebenjährigen Tätigkeit als Bundesbeauftragter für den Zivildienst kandidierte er 1990 für den ersten gesamtdeutschen Bundestag. Gerade gewählt, wurde er zum Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Frauen und Jugend berufen. Seine ebenfalls frisch gewählte Ressortchefin: Angela Merkel. Seither galt er als einer ihrer Vertrauten.

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Peter Hintze: Politiker mit Kampflust und Überzeugungen

Peter Hintze vor dem Konrad-Adenauer-Haus in Bonn.

Aus dem Pfarramt in die Politik: Die Laufbahn von Peter Hintze in der CDU verlief schnell und ungewöhnlich. Der studierte Theologe wirkte zunächst als Pfarrer und Regionalpolitiker, bevor er 1983 Bundesbeauftragter für den Zivildienst wurde. | Bildquelle: picture alliance / Tim Brakemeie

1992 wechselte Hintze dann auf den Posten des CDU-Generalsekretärs. 1994 und 1998 organisierte er für Kanzler Helmut Kohl als CDU-Generalsekretär die Bundestagswahlkämpfe.

Umstrittene Kampagne

Hatte die CDU 1994 noch die Wahl mit der sogenannten "Rote-Socke-Kampagne", die vor einer möglichen Zusammenarbeit zwischen der SPD und der SED-Nachfolgepartei PDS warnte, die Wahl gewonnen, blieb die nächste Kampagne Hintzes ohne Erfolg. Für den Machtverlust 1998 wurde Hintze wegen seiner "Rote-Hände"-Kampagne, die an das Konzept von 1994 anknüpfte, mitverantwortlich gemacht.

Die Niederlage löste ein politisches Beben in der CDU aus. Kohl trat zurück und wurde durch Wolfgang Schäuble ersetzt. Hintze wiederum musste seinen Posten an Merkel abgeben. Dennoch überstand er den politischen Umbruch. 2005 wurde er Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, 2007 zusätzlich Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrttechnik, 2013 dann Bundestagsvizepräsident.

Hintze galt als ein warmherziger, oft gut gelaunter Rheinländer mit Spaß an Ironie. Für seine Überzeugungen kämpfte er unermüdlich - etwa gegen das Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID). Für den Vater eines Sohnes war es "unbarmherzig", wenn Paare mit sehnlichem Kinderwunsch, aber einer Veranlagung für eine schwere Erbkrankheit, nicht durch Gentests die Chance auf die Geburt eines gesunden Kindes bekommen sollten. Und mit seiner liberalen Position in der Debatte um Sterbehilfe stellte sich der evangelische Pfarrer nicht nur gegen die Spitze seiner Partei und die Mehrheit seiner Fraktion, sondern auch gegen die eigene und die katholische Kirche.

Kohls "General" ist tot - ein Nachruf auf Bundestagsvize Peter Hintze
S. Ueberbach
27.11.2016 12:23 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. November 2016 um 12:00 Uhr.

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